So will Heiner Dieckmann Vorbehalte gegenüber neuen Bürgern abbauen

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Das soll erst jemand nachmachen: Neun Monate lebt Hossaen Ahmad in Olfen - und spricht fast fehlerfrei Deutsch. Funktioniert Integration hier besonders gut? Nein, es gibt einiges zu tun.

Olfen

, 21.08.2019, 15:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Heiner Dieckmann engagiert sich seit Jahrzehnten für die Allgemeinheit. Viele Jahre in der Politik und in der katholischen Vitus-Kirchengemeinde. Und jetzt schon seit längerer Zeit im Arbeitskreis Asyl. „Als Rentner nur auf dem Sofa zu liegen, das ist nicht mein Ding.“ Dieckmann bringt sich ein, zeigt Schwachstellen auf, artikuliert sie klipp und klar und packt an. Vieles laufe bei der Integration von Menschen mit einem anderen kulturellen Hintergrund in Olfen gut. Aber nicht alles.

Heiner Dieckmann spricht offen von Vorbehalten in der Steverstadt gegenüber den neuen Mitbürgern. „Das Zusammenleben ist nicht immer so, wie es sein sollte.“ Menschen würden sich schwertun, auf die Neubürger zuzugehen. Eine einseitige Schuldzuweisung soll das nicht sein, vielmehr ein Aufruf zum Mitmachen, zur Überprüfung eigener (Vor-)Urteile.

Arbeitskreis lädt im September zur Woche der Begegnung ein

Weil das im Einzelfall vielleicht als zu große Hürde angesehen werden könnte, lädt der Arbeitskreis vom 20. bis 29. September zur ersten Olfener Woche der interkulturellen Begegnung ein. Ein richtiger Vorstoß offensichtlich zur richtigen Zeit. Dieckmann ist „begeistert von der spontanen Bereitschaft aller Olfener Kitas und auch der beiden Olfener Schulen zur Mitarbeit“. Und auch die Stadt unterstütze den Arbeitskreis.

Wie bereichernd der Kontakt mit den neuen Bürgern der Stadt sein kann, stellen die Mitglieder des Arbeitskreises - eine „bunte Gruppe von ehrenamtlichen Helfern von 0 bis 88“ immer wieder fest. Rund 20 Mitglieder bringen sich jetzt besonders intensiv bei der Aktionswoche ein. Wie sehr aber alle Besucher von der Teilnahme profitieren, zeigt eine Begegnung im früheren Marienheim.

Der 14-jährige Sohn fungiert bereits als hervorragender Dolmetscher

Mutter Evin und ihre Söhne Hossaen (14) und Paran (6) sind der Einladung von Heiner Dieckmann gefolgt, um über die schwierige Flucht aus Syrien, das Auseinanderreißen der Familie und die Integration zu berichten. Erste Überraschung: Obwohl er erst seit knapp neun Monaten in Olfen lebt, fungiert der 14-jährige Sohn Hossaen als Dolmetscher.

„Ich will mich mit den Mitschülern an der Gesamtschule unterhalten können und verstehen, was in den WhatsApp Gruppen steht“, sagt er. Deutsche Sprache, schwere Sprache - offensichtlich nicht für Hossaen, der mit einem Strahlen im Gesicht auf das Lob für seine Sprachkenntnisse reagiert. In Bruchteilen von Sekunden ändert sich die Situation, als es um seinen Vater geht.

Auf der Flucht werden Vater, Mutter und Kinder getrennt

Samer Ahmad wurde von den anderen drei Mitgliedern der Familie auf der Flucht getrennt. Mittlerweile ist er in Deutschland, doch die Chance für ein dauerhaftes Zusammenführen scheinen schlecht. „Er ist in Dänemark registriert worden“, sagt ein trauriger Hossaen. Er befürchtet, dass sein Vater kein Bleiberecht bekommt.

Damit nicht genug der schlechten Nachrichten. Sein jüngerer Bruder Paran ist krank. Er muss an den Händen und Füßen operiert werden. „Danach stehen intensive Behandlungen an“, übersetzt Hossaen die Aussage seiner Mutter, die in Syrien als Lehrerin gearbeitet hat und jetzt vor einem Neuanfang steht.

Familie plant in den nächsten Monaten einen weiteren Umzug

Ihre Zukunft sieht Evin Ahmad zwar eher in Dortmund - hier wohnen Verwandte der Familie - aber für die Unterstützung in Olfen ist sie überaus dankbar. Vor allem Sohn Hossaen ist gut in Deutschland angekommen. Und genau dieses Ziel verfolgen die Organisatoren der Aktionswoche.

Ganz zwanglos können sich Menschen verschiedener Kulturen etwa beim Café International am Freitag, 27. September um 16 Uhr im Haus Katharina kennenlernen. „Wir sind Kinder einer Welt“ heißt am Freitag 20. September ab 10 Uhr auf dem Markplatz. Dazu gibt es eine Reihe weiterer Veranstaltungen.

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