Die Schwalben auf dem Hof Mehring fühlen sich in den Schweineställen wohl. © Arndt Brede
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Hof Mehring in Olfen: Wo Schweine Schwalben die Tür aufhalten

Der Biolandhof Mehring versorgt viele Menschen mit Lebensmitteln. Was aber der eine oder andere vielleicht nicht weiß, ist, dass er Lebewesen ein Zuhause gibt, die es sonst schwer hätten.

Idyllisch gelegen ist der Biohof Mehring in Olfen. Natur pur rundherum. Viele Vögel fliegen hin und her. Darunter Vögel, von denen es nicht mehr allzu viele gibt: Schwalben. Genauer: Rauchschwalben. Auf dem Hof Mehring gibt es sie. Seit Jahren. Grund genug für den Naturschutzbund (Nabu), Kreisverband Coesfeld, den Hof Mehring auszuzeichnen.

Denn die Tatsache, dass dort Rauchschwalben ein sicheres Zuhause haben, passt genau in die Bemühungen des Nabu, zu verhindern, dass es Rauchschwalben irgendwann möglicherweise nicht mehr gibt. „Schwalben, ob Mehl- oder Rauchschwalbe, gibt es immer weniger“, sagt Doro Knepper-Wollny aus dem Vorstand des Nabu-Kreisverbands Coesfeld, als sie zusammen mit ihren Nabu-Mitstreitern Christine Bendix und Winfried Rusch den Hof Mehring besucht, um ihn als „schwalbenfreundliches Haus“ auszuzeichnen und die entsprechende Plakette und Urkunde zu überreichen. Das liege auch daran, dass die Schwalben durch die Industrialisierung der Landwirtschaft keine Möglichkeiten mehr haben, zu nisten oder Futter zu finden. „Aber hier auf dem Hof Mehring ist das anders.“

Doro Knepper-Wollny (r.) vom Nabu-Kreisverband Coesfeld hat den Hof Mehring, vertreten durch Heike Mehring, als schwalbenfreundlich ausgezeichnet.
Doro Knepper-Wollny (r.) vom Nabu-Kreisverband Coesfeld hat den Hof Mehring, vertreten durch Heike Mehring, als schwalbenfreundlich ausgezeichnet. © Arndt Brede © Arndt Brede

Anders? In der Tat. Schwalben sind dort willkommen. „Wir hatten immer schon Schwalben“, sagt Heike Mehring, die den Hof mit ihrem Mann Tobias führt. Schwalben habe es schon bevor der Hof vor gut acht Jahren auf Biolandwirtschaft umgestellt worden ist, gegeben. Vorher seien die Schwalben auf der Tenne gewesen. Im Sommer seien die Scheiben rausgenommen worden und die Schwalben konnten rein- und rausfliegen.

Dann haben die Mehrings auf Bio umgestellt. „Und plötzlich waren keine Schwalben mehr da“, erzählt Heike Mehring. „Wir waren ganz traurig, konnten es uns aber auch nicht erklären.“ Als jedoch der Schweinestall ein Jahr später als sogenannter Offen-Stall umgebaut worden sei, seien Schwalben dort eingezogen. „Es wurden jedes Jahr mehr. Nun haben wir in allen Schweineställen in allen Abteilen mehrere Nester.“

Durch die Lamellen rein und raus

Doch auch in einem Offen-Stall ist die Tür auch mal geschlossen. „Wir haben Lamellen als Vorhänge an den Türen, durch die die Schweine rein und raus können. Und wenn das Schwein rein oder raus geht, fliegt die Schwalbe mit durch.“ Die Schwalben schaffen es aber auch, durch Fenster, die nur einen Spalt offen sind, durchzufliegen. „Das sind unwahrscheinliche Flugkünstler“, sagt Heike Mehring.

Die Rauchschwalben auf dem Hof Mehring sind willkommen dort. Deshalb ist der Hof als schwalbenfreundlich vom Nabu ausgezeichnet worden.
Die Rauchschwalben auf dem Hof Mehring sind willkommen dort. Deshalb ist der Hof als schwalbenfreundlich vom Nabu ausgezeichnet worden. © Arndt Brede © Arndt Brede

Der Hof Mehring ist offenbar auch ideal für Schwalben als Häuslebauer: „Baumaterial wie Heu und Stroh finden sie hier ja reichlich, genau wie Lehm und Wasserpfützen.“ Daraus bauen die Tiere ihre Nester. Futter finden die Vögel auf dem Hof zudem massenhaft: Fliegen und Mücken zum Beispiel.

Noch nie Krankheiten durch Vogelkot

Nun wird ja Vogelkot nachgesagt, hier und da Krankheitsüberträger zu sein. „Wir hatten hier noch nie Krankheiten, die durch den Kot der Schwalben bedingt waren“, versichert Heike Mehring.

Der Hof Mehring ist ein Paradies für Schwalben. Ideal auch durch das Konzept der Offen-Ställe, sagen die Nabu-Mitglieder.

Die Offen-Ställe des Hofes Mehring sind ideale Nistplätze für Rauchschwalben.
Die Offen-Ställe des Hofes Mehring sind ideale Nistplätze für Rauchschwalben. © Arndt Brede © Arndt Brede

Die Plakette, die der Nabu überreicht hat, ist nun also äußeres Symbol dafür, dass es gar keines großen Aufwandes bedarf, Schwalben zu ermöglichen, heimisch zu werden. Die Nabu-Delegation hat Informationsmaterial da gelassen. Um die Schwalben und deren Schicksal im Bewusstsein der Öffentlichkeit hoch zu halten beziehungsweise erstmal zu verankern. Und wenn schon Schweine den Schwalben die Tür aufhalten…

Baumaterial für die Nester in den Schweineställen finden die Schwalben reichlich.
Baumaterial für die Nester in den Schweineställen finden die Schwalben reichlich. © Arndt Brede © Arndt Brede
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Redaktion Selm
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