Südlich der Kökelsumer Straße soll das Neubaugebiet Olfener Heide entstehen. Jetzt stehen erste Rahmendaten fest - allerdings noch nicht die Preise für die Grundstücke. © Arndt Brede (A)
Olfener Heide

Im neuen Olfener Baugebiet soll ein Caritas-Wohnhaus entstehen

Der Bedarf ist groß, die Wartelisten lang: Wohnplätze für Erwachsene mit Behinderung zu finden, ist nicht gerade leicht. In der Olfener Heide soll jetzt ein neues Caritas-Wohnhaus entstehen.

Die Akte beginnt im Jahr 2011 – vor einer ziemlich langen Zeit also. Seit zehn Jahren versucht die Stadt Olfen, ein weiteres Wohnheim für erwachsene Menschen mit Behinderung in den Ort zu holen. „Viele Familien setzen darauf, dass dieser Neubau kommt“, erklärt Bürgermeister Wilhelm Sendermann die Motivation, die dahinter steckt. Das Problem ist nicht neu: Oft haben es Familien, die ein Kind mit einer Behinderung haben, schwer, für dieses einen Wohnheimplatz zu finden, wenn es erwachsen ist und von zu Hause ausziehen möchte. Die Wartelisten sind lang, Wohnheime in vielen Fällen weit vom Wohnort der Eltern entfernt.

In Olfen gibt es zwar bereits seit 2006 ein Caritas-Wohnhaus an der Dattelner Straße. Dort leben 24 Menschen mit geistigen und mehrfachen Behinderungen. Entsprechend ihrem Hilfebedarf werden sie in diesem Zuhause rund um die Uhr betreut. Das ist etwas, das sich viele weitere Eltern für ihre erwachsenen Kinder wünschen. Nur: Es fehlen freie Plätze. Eine hohe Fluktuation gibt es in Olfen oder in anderen Einrichtungen nicht.

Am liebsten möchten die Familien natürlich, dass ihre Kinder bei ihnen in der Nähe wohnen. „Wir möchten unseren Familien die Möglichkeit geben, dass ihre Kinder in Olfen bleiben können“, sagt Wilhelm Sendermann ganz klar. Einfach und unkompliziert geht das allerdings nicht: Wie gesagt, die Akte beginnt 2011.

Aber es kommt wieder Wind in die Initiative der Stadt. Bei der letzten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses haben Vertreter der Caritas Pläne für ein neues Wohnhaus in Olfen vorstellt. Vom LWL gibt es eine „Bedarfszusage“, was ein ziemlich großer Punkt sei, wie Sendermann sagte. Jetzt gehe es darum, die baurechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, die Standortfrage zu klären – und dabei die Olfener Politik mitzunehmen, wie Sendermann sagte. Auch, wenn im Ausschuss noch kein Beschluss am Ende der Ziel-Präsentation stand und der genaue Zeitplan erst noch erarbeitet werden muss.

Neubau im Wohngebiet Olfener Heide geplant

Die Pläne der Caritas hören sich dennoch schon ziemlich konkret an: In der Olfener Heide – mitten im Neubaugebiet – an der Kökelsumer Straße soll der Neubau entstehen. Er soll aus zwei Gebäudekörpern bestehen, in denen Wohnräume für 24 Bewohner auf zwei Ebenen entstehen. Das Grundstück, das man sich dafür ausgeguckt hat, hat eine Fläche von 2400 Quadratmetern, die Grundfläche des Gebäudes wäre 800 Quadratmeter groß. Mieter sollen Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung sein, die von Olfen aus dann jeden Tag in eine der umliegenden Werkstätten fahren und rund um die Uhr betreut werden – auch in der Nacht. Das erklärte André Bußkamp von der Caritas den Olfener Ausschussmitgliedern.

Er machte aber auch klar: Von den 24 Plätzen, die in dem Neubau in Olfen entstehen sollen, werden nicht alle neu sein. Die Plätze würden teilweise auch von anderen Standorten verlagert und sind entsprechend schon belegt, erklärte André Bußkamp. Insofern könne er die wichtige Frage, wie viele Plätze in diesem Haus dann am Ende für Olfener Familien zur Verfügung stünden, auch noch nicht genau beantworten. „Das ist zum jetzigen Zeitpunkt schwer zu planen“, sagte er. Christian Germing, Vorstand des Caritasverbandes für den Kreis Coesfeld sagte: „Die 24 Plätze werden nicht komplett leer sein. Aber es wird auch freie Plätze geben.“

Wohnhaus an der Dattelner Straße „Musterwohnhaus“

Ziel des Caritasverbandes sei es zudem, auf lange Sicht zusätzliche Plätze zu schaffen. „Wir sind schon lange in der Situation, dass wir sehen: Wir müssen mehr tun im Bereich Wohnen“, sagte er. Fünf Bauprojekte – unter anderen das in Olfen – stünden deshalb derzeit auf dem Plan der Caritas. Wohnhäuser sollen dabei eine Alternative bilden zu den klassischen Varianten von stationärer Unterbringung.

Vorbild ist dabei das schon bestehende Caritas-Wohnhaus in Olfen. „Musterwohnhaus“ nannte Christian Germing es, „rundum gelungen“. Es liegt mitten in einem Wohngebiet und habe sich dort sehr gut integriert. „Menschen mit einer Behinderung gehören eben auch in die Mitte der Gesellschaft“, betonte er.

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Marie Rademacher

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