Kampf gegen Atomwaffen: Die Stadt Olfen macht mit

mlzMayors for Peace

Die Stadt tritt der Organisation Mayors for Peace bei und setzt sich so für atomare Abrüstung ein. Die Arbeit des Aktionsbündnisses Stolperschuhe trägt damit erste Früchte.

Olfen

, 26.02.2019, 05:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Rat der Stadt Olfen beschloss in seiner Sitzung in der vergangenen Woche, am 19. Februar, der Organisation „Mayors for Peace – Bürgermeister für den Frieden“ beizutreten. Einstimmig.

Auf Bestreben von Kai Tölle, Initiator des Aktionsbündnisses Stolperschuhe für Frieden und Menschenrechte, das Ende März zum eingetragenen Verein wird, trug Bürgermeister Wilhelm Sendermann den Vorschlag in den Haupt- und Finanzausschuss am 12. Februar. Der Beitritt wurde dann eine Woche später beschlossen.

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„Das freut mich und die Gruppe sehr“, sagt Kai Tölle im Gespräch mit der Redaktion. Er habe am Dienstagabend persönlich vom Bürgermeister, mit dem er in Kontakt steht, davon erfahren, sagt er. „Das motiviert mich auch weiterzumachen. Ich sehe, dass man etwas bewirken kann, wenn man sich einsetzt. Und dann ist es erst einmal egal, wie groß oder klein der Erfolg ist“, sagt Tölle stolz. „Mit zwölf Leuten schafft man es auch, etwas zu bewegen.“

Eine Kettenreaktion, von klein zu groß

Mayors for Peace wurde 1982 durch den Bürgermeister von Hiroshima gegründet. Bürgermeister seien verantwortlich für die Sicherheit und Leben ihrer Bürger, so der Grundgedanke. Sie treten stellvertretend für ihre Städte ein. Die Organisation versucht durch Aktionen und Kampagnen, die weltweite Verbreitung von Atomwaffen zu verhindern und deren Abschaffung zu erreichen. Dem Netzwerk gehören mittlerweile über 7500 Städte und Gemeinden aus 163 Ländern an. Aus Deutschland kommen rund 600 Mitglieder.

Olfen reiht sich neben Städten wie Hannover ein. Neben Bremen und München, Berlin und Münster. „Es ist wichtig, dass das Thema immer weiter in die Öffentlichkeit kommt“, sagt Kai Tölle. „Für die Stadt Olfen macht das insofern Sinn, dass es vor allem darum geht: Je mehr Städte Mitglied sind, desto mehr Druck gibt es auf die Bundesregierung“, meint Tölle.

Das Ganze sei als eine Kettenreaktion, von unten nach oben, zu verstehen: Städte treten bei, dann die Regierungsbezirke, dann folgt die Landesebene und dann die Bundesebene. So der Gedanke. Der Kreis Coesfeld etwa ist seit Mitte Dezember 2018 Mitglied.

Deutliches Zeichen für den Frieden

„Die Arbeit und Aktionen der Mayors of Peace leben von freiwilligen Beiträgen der Mitgliedsstädte. Eine Mindestspende in Höhe von 20 Euro pro Jahr wird vorgeschlagen.“ So heißt es in der Beschlussvorlage des Olfener Rates.

Etwas weiter unten dann: „Auch wenn die konkreten Handlungsmöglichkeiten der Netzwerkpartner begrenzt sind, kann die Stadt Olfen durch ihren Beitritt zur Organisation Mayors for Peace ein deutliches Zeichen für den Frieden setzen.“ Gerade „vor dem Hintergrund der weltpolitischen Entwicklungen“, seien „die Aktivitäten des Netzwerkes Mayors for Peace zu begrüßen“.

Wilco Ruhland kommentiert: Gute Sache mit Geschmäckle

Der Beitritt der Stadt Olfen zur Organisation Mayors for Peace ist eine gute Sache. Gerade in heutigen Zeiten setzt das ein starkes Zeichen. Wenn es auch erst einmal nicht so große Auswirkungen nach außen haben dürfte. Dafür aber mindestens nach innen. Und wenn es die größte Wirkung ist, zu zeigen, dass sich der Einsatz von kleineren Gruppen lohnen kann. Dass sie Einfluss auf die Politik nehmen können. Quasi vom Einzelnen, zur Gruppe, zum Rat und dann weiter hinaus. Der Bürger kann mit entsprechendem Engagement selbst etwas bewirken. Stark, dass die Stadt dies ermöglicht.

Dass der Beschluss im Rat so durchging – ohne jegliche Gegenstimme und auch ohne jede Diskussion – mag dabei ein gutes Zeichen sein. Ein Jeder findet den Beschluss einwandfrei gut, könnte man meinen. Etwas wirkt es aber leider so, dass das Ganze nicht wirklich ernst genommen wird. Ja, man macht ein Zugeständnis. Auch dem Image der Stadt wird es sicher nicht schaden. Die „Mindestspende in Höhe von 20 Euro“ zeugt jedoch eher davon, dass das Ganze nicht den allerhöchsten Stellenwert der Politik genießt. Pro Jahr mindestens 20 Euro, wohlgemerkt. Das zahle ich privat im Monat für weit weniger sinnvolle Sachen, wie das Fitnessstudio, das ich schon monatelang nicht besucht habe. Dennoch: Ein starkes Zeichen für den Frieden mit symbolischer Kraft bleibt es.

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