Kurzarbeit statt Neueröffnung: Fahrschule ist zur Untätigkeit verurteilt

mlzNRW-Erlass

Freitag, der 13. März war der perfekte Tag für Stefan Kroiher. Der Fahrschul-Inhaber hatte ein Auto für eine neue Filiale in Ascheberg abgeholt. Doch durch das Coronavirus änderte sich alles.

Olfen, Nordkirchen, Selm

, 23.03.2020, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Lebenslauf von Stefan Kroiher liest sich wie eine wunderbare Erfolgsgeschichte: 2008 Ausbildung zum Fahrlehrer der Klasse B/BE, 2010 Ausbildung zum Fahrlehrer der Klasse A, 2015 Ausbildung zum Fahrlehrer der Klasse C, 2015 Eröffnung der eigenen Fahrschule.

Doch Stefan Kroiher bleibt am Ball. Baut sein Geschäft aus - bis er Fahrschulen in Selm, Nordkirchen und Olfen hat. Das Ende der Fahnenstange sah er damit nicht erreicht. Für den 3. April war die Eröffnung der Fahrschule in Ascheberg geplant. Ein Fahrlehrer ist dafür bereits eingeteilt. Aber arbeiten wird er nicht. Im Gegenteil.

Für die insgesamt drei Fahrlehrer, die Vollzeit-Bürokraft und drei Aushilfen hat Stefan Kroiher Kurzarbeit beantragt. Der Fahrlehrer darf nicht fahren. Und auch keinen theoretischen Unterreicht erteilen.

Stefan Kroiher sagt, der Landeserlass ist „richtig“

„Die Situation ist alles andere als angenehm“, sagt der Unternehmer. Wie es mit ihm wirtschaftlich weitergeht, Stefan Kroiher wagt keine Prognose. Kroiher muss vielmehr seinen zahlreichen Fahrschülern - die exakte Zahl möchte er nicht öffentlich machen - die Antwort schuldig bleiben, wann sie sich weiter auf die Führerschein-Prüfung vorbereiten können und wann sie fahren dürfen.

Ein Klagelied stimmt der Unternehmer auch in der schwierigen Zeit nicht an. Den Erlass des Landes NRW vom 16. März, der den Betrieb von Fahrschulen sowie den theoretischen und praktischen Unterricht aktuell untersagt, hält Kroiher „für richtig“.

Fahrschullehrer kann keinen Umsatz generieren

Bei den Fahrschülerinnen und Fahrschülern sei das nicht anders gewesen. Sie hätten viel Verständnis gezeigt. Dass gerade die Schüler, die kurz vor der Prüfung standen, „im ersten Moment enttäuscht waren“, kann Kroiher absolut nachvollziehen. Der Unternehmer findet lobende Worte für die Fahrschüler. Viel Zuspruch habe er von ihnen erfahren.

So sehr er sich darüber freut, wirtschaftlich hilft ihm das aktuell nicht weiter. „Ich kann keinen Umsatz generieren.“ Wie auch andere Fahrschullehrer hatte er kurz über einen Online-Theorie-Unterricht nachgedacht. „Das ist aber nicht gestattet“, sagt Stefan Kroiher.

Nach der Auszeit will Kroiher weitermachen

Der Unternehmer hat deshalb bereits mit den Banken gesprochen, um nach der „Auszeit“ wieder durchstarten zu können. „Das bin ich den Kunden und Angestellten schuldig.“ Kroiher gibt sich im Redaktionsgespräch kämpferisch und zugleich optimistisch. Es werde Möglichkeiten geben weiterzumachen.

Dass er jetzt zur Untätigkeit verurteilt ist, hat der Unternehmer bereits einige Tage vor dem offiziellen NRW-Erlass vermutet und entsprechend reagiert. Nachdem er am Freitag, 13. März das neue Auto abgeholt hatte, platzten die Träume allerdings rasend schnell.

Unternehmer wollte am 3. April neue Fahrschule eröffnen

Das Land NRW veröffentlichte am Sonntag, 15. März einen Erlass, in dem es heißt, dass alle öffentlichen und privaten Bildungseinrichtungen geschlossen werden. Diese Anordnung gilt vorerst bis zum 19.04.2020. Stefan Kroiher hat dann direkt die Reißleine gezogen und am Montag, 16. März den Schulungsbetrieb eingestellt.

Die bis dahin geltende Regelung war aus Sicht des Fahrschullehrers ohnehin nicht praktikabel. Sie habe vorgesehen, dass jedes Auto nach jedem Fahrschüler komplett desinfiziert werden musste. „Das war nicht haltbar.“

Zunächst einmal bis zum 19. April gilt die Anordnung des Landes Nordrhein-Westfalen. Damit steht fest, dass die für Freitag, 3. April geplante Eröffnung der Fahrschule in Ascheberg zunächst einmal auf Eis gelegt ist. Aber vielleicht wird der Sonntag, 19. April zum Glückstag für Stefan Kroiher.

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