Momentaufnahme am Dienstagmorgen: Das St. Vitus-Stift in Olfen meldet jeweils einen freien Platz in der Kurzzeit- und in der Dauerpflege. Doch die Situation ändert sich schnell. Wie fast immer.

Olfen

, 18.02.2020, 14:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Einen freien Platz in der Kurzzeitpflege zu finden, ist für Angehörige eine große Herausforderung. Da hilft auch die neue „Heimfinder-App“ und -Internetseite wenig. Freie Plätze sind rasend schnell vergeben.

Der Dienstagmorgen war ganz typisch für das Vitus-Stift. Der freie Platz in der Kurzzeitpflege war kaum angezeigt, da war er auch schon vergeben. Und das im Februar. Die Nachfrage nach den Plätzen sei in den ersten beiden Monaten am geringsten, ordnet die Pflegedienstleitung Erika Riffel die Situation ein.

Kurzzeitplätze oft über viele Monate im Voraus belegt

In der übrigen Zeit des Jahres sei die Nachfrage deutlich stärker. Erika Riffel hat auch eine Begründung für die Situation. „Anfang des Jahres fahren weniger pflegende Angehörige in den Urlaub.“ In den anderen Monaten sei das anders. „Die Kurzzeitpflege sind dann lange im Voraus vergeben.“

Deshalb gebe es im Vitus-Stift sechs „eingestreute Kurzzeitplätze“. Dabei handelt es sich um Dauerpflege-Plätze, die für wenige Wochen im Jahr für die Kurzzeitpflege zur Verfügung stehen. Wenn sie denn frei sind. Eine Situation, die nach Einschätzung von Erika Riffel angesichts der großen Nachfrage eher die Ausnahme ist.

Trend geht nach Einschätzung von Experten zur Professionalisierung

Eine Verbesserung der Situation erwartet der Kreis Coesfeld nicht - zumindest nicht bei unverändertem Platzangebot. Bernhard Greve, Fachbereichsverantwortlicher Ambulante Dienste beim Kreis Coesfeld und stellvertretender Sozialamtsleiter, sieht eine klare Tendenz.

„Die Familienpflege ist rückläufig.“ Der Trend gehe eindeutig zur Professionalisierung. Also zur Betreuung in häuslicher Umgebung durch ausgebildete Kräfte oder im Altenheim. Eine Zwischenschritt kann natürlich das Betreute oder Service-Wohnen sein. Ein für Laien kaum überschaubares Feld.

Betreutes Wohnen ist nicht gleich Betreutes Wohnen

Bernhard Greve weist darauf hin, dass der „Begriff Betreutes Wohnen nicht geschützt ist.“ Für etwas Klarheit sorgt allerdings das Wohn- und Teilhabegesetz. Danach sind Angebote des Servicewohnens Angebote, in denen die Überlassung einer Wohnung rechtlich verpflichtend mit der Zahlung eines Entgelts für allgemeine Unterstützungsleistungen wie Leistungen der hauswirtschaftlichen Versorgung, die Vermittlung von Betreuungsleistungen oder Notrufdienste (Grundleistungen) verbunden ist.

Über die Grundleistungen hinausgehende Leistungen sind von den Nutzerinnen und Nutzern hinsichtlich des Umfangs und der Person der Leistungsanbieterin oder des Leistungsanbieters frei wählbar.

Vitus-Stift ist einziger Anbieter für Servicewohnen in Olfen

Allerdings ist das Angebot des so definierten Servicewohnes in Olfen überschaubar. Einziger Anbieter ist ebenfalls das St.-Vitus-Stift mit 44 Wohneinheiten. Auf der Internetseite des Kreises Coesfeld gibt es einen Überblick über Angebote und wichtige Hinweise.

„Die Kosten für betreutes Wohnen schwanken in der Praxis stark. Die Miete variiert je nach Lage, Beschaffenheit und Ausstattung wie bei anderen Wohnungen auch. Neben den Kosten für die Wohnung wird in der Regel eine sogenannte Betreuungspauschale etwa für die Leistungen der Ansprechperson und die Notrufsicherung erhoben – auch hierfür schwanken die Kosten in der Praxis beträchtlich“, heißt es auf der Internetseite.

Experten sehen Bedarf an weiteren Pflegeplätzen im Südkreis

Doch nicht nur Preis und Leistungen beim Servicewohnen unterscheiden sich deutlich, auch die Versorgung mit Pflegeplätzen im Kreis Coesfeld ist längst nicht auf gleich hohem Niveau.

Bei der jüngsten Fortschreibung des Pflegebedarfsplans haben die Experten einen Bedarf an weiteren Plätzen im Südkreis festgestellt. In Olfen gibt deshalb auch erste Initiativen, das Vitus-Stift zu erweitern. Bis dahin müssen Angehörige sehr schnell sein, um einen (Kurzzeit-)Pflegeplatz zu bekommen.

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