Landwirte sind sauer: Darum stehen auf Olfener Feld am Ortseingang grüne Holzkreuze

mlzBauern-Protest

Drei grüne Holzkreuze stehen auf einem Feld am Olfener Ortseingang am Kreisverkehr an der Lüdinghauser Straße. Gestorben ist aber niemand. Die Kreuze sind Zeichen eines Protests.

Olfen

, 29.10.2019, 13:58 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit einigen Tagen stehen drei große grüne Holzkreuze auf einem Feld am Kreisverkehr an der Lüdinghauser Straße. An prominenter Stelle am Kreisverkehr am Ortseingang fallen sie den Autofahrern schnell ins Auge. Genau das hat Landwirt Matthias Närmann erreichen wollen, als er die Kreuze in sein neu mit Gras eingesätes Feld gesteckt hat. „Das ist als stiller Protest gedacht, soll die Leute zum Nachdenken anregen“, sagt Närmann.

Denn den Bauern reicht es: Immer neue Vorschriften und Regulierungen, dazu eine geringe Wertschätzung ihrer Arbeit. Auch Närmanns Protest richtet sich gegen das Agrarpaket der Bundesregierung. Die Pläne des Landwirtschaftsministeriums etwa für neue Regelungen bei Tierhaltung, Düngung und Bodenbearbeitung bringen derzeit viele Bauern auf die Palme. In der vergangenen Woche (22. Oktober) waren viele Landwirte beispielsweise nach Bonn gezogen, um gegen die aktuelle Politik der Bundesregierung zu protestieren.

Ärger über Unsicherheiten und „Pranger“

„Das, was da gerade geplant ist, grenzt an Enteignung“, sagt Matthias Närmann. Die geplanten Regelungen würden für Unsicherheiten sorgen. „Die Landwirte werden mittlerweile für alle möglichen Dinge an den Pranger gestellt“, sagt auch Bernhard Brüse, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins. Viele kleinere Betriebe sähen inzwischen keine Perspektive mehr. Matthias Närmann ist auch nicht der einzige Olfener Landwirt, der seinen Ärger sichtbar macht. An drei Stellen in Olfen stünden die grünen Holzkreuze, sagt Bernhard Brüse. Ursprünglich hat ein Blogger die Aktion ins Leben gerufen. Inzwischen hat sie sich bundesweit verbreitet.

Landwirte sind sauer: Darum stehen auf Olfener Feld am Ortseingang grüne Holzkreuze

Matthias Närmanns Tochter half beim Eingraben der grünen Holzkreuze. Seine Kinder sollen den Hof einmal übernehmen können. © Matthias Närmann

„Wir sind gerne Bauern, aber man muss uns auch was zutrauen“, sagt Matthias Närmann. Der 40-Jährige hält über 120 Kühe und baut Gras und Mais zum Füttern an. Närmann betreibt mit seinem Familienbetrieb konventionelle Landwirtschaft. „Und da stehe ich auch voll hinter“, sagt Närmann. Er wehre sich gegen die Darstellung, Bio-Betriebe seien gut, konventionelle Landwirtschaft böse. Seine Kühe hätten gleich viel Platz im Stall wie bei Bio-Betrieben. Außerdem bekämen sie auch Gras und Mais aus der Region zu fressen. Wenn sie krank sind, dürfen sie allerdings Antibiotika bekommen und sie hätten weniger Weideauslauf.

Viel Arbeit durch Dokumentation

Schritt für Schritt überlege er, was er für seine Tiere verbessern könne. Die Kriterien des Tierwohllabels halte er schon durch Vorgaben seines Molkereiverbands ein. Bei der Zucht setze er inzwischen auf genetisch hornlose Kühe, um den Kälbern das Enthornen zu ersparen. Deshalb wolle er aber nicht als Tierquäler und Grundwasserversucher darstellt werden, sagt Närmann.

„Ich will gar nicht sagen, dass die Landwirte nicht ihren Teil beigetragen hätten“, sagt Bernhard Brüse über Probleme wie Insektensterben oder Probleme mit dem Trinkwasser. Doch über den Anteil der Bevölkerung werde nicht geredet. Während Hausbesitzer Steingärten anlegten, wolle die Politik den Bauern sagen, wie sie ihre Äcker zu pflegen hätten. Dazu müsse jeder Handgriff dokumentiert werden. Kontrollen müssten zwar sein, aber die Pläne des Landwirtschaftsministeriums gingen zu weit. Man stelle sich vor, jeder Gartenbesitzer müsse jedes Mal, wenn er düngt, alles aufschreiben, weil es kontrolliert werden würde, vergleicht Brüse.

Glyphosat und Schutzstreifen

Auch andere Regelungen, die geplant sind, gehen für Milchbauer Närmann an der Realität vorbei. Glyphosat soll beispielsweise verboten werden. Das Unkrautvernichtungsmittel werde in seinem Betrieb nicht auf Getreide sondern zwischen zwei Früchten auf den Acker gesprüht. Ohne den Einsatz von Glyphosat müsse er öfter pflügen, dadurch wäre der Boden auf einer Tiefe von 35 Zentimetern auch tot, so Närmann. Auch sei geplant, an Gewässern auf einem zehn Meter breiten Streifen Acker keine Pflanzenschutzmaßnahmen vorzunehmen. Dadurch würde der nutzbare Teil seiner eher kleinen Felder aber zu gering. „Uns Bauern fehlt die Planungssicherheit“, beklagt sich Närmann. „Wenn ich jetzt einen Stall baue, weiß ich nicht, ob ich in fünf Jahren Kühe noch so halten darf.“

60 bis 70 landwirtschaftliche Betriebe gebe es in Olfen derzeit. „Das werden weniger werden“, prognostiziert Brüse. Viele kleinere Betriebe sähen inzwischen keine Perspektive mehr. Der Ortsvereinsvorsitzende rechnet vor: Ein Sauenbetrieb, der nach den neuen Plänen seine Abferkelboxen vergrößern müsste, könnte dann weniger Sauen halten. Dann rechne sich er Betrieb nicht mehr. Dabei gehe es den Tieren auf den Olfener Höfen, die er auch unangemeldet besuche, gut, sagt Bernhard Brüse. Sonst hätten die Höfe auch keinen Erfolg.

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