Dennis Nocke aus Olfen hat vor vier Wochen einen Lieferdienst für Cocktails gestartet. Kaira Eistel von der An-Bar in Selm war erst skeptisch. Inzwischen liefert auch sie Cocktails aus.

Olfen, Selm

, 14.05.2020, 18:04 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die meisten Kneipen haben noch geschlossen. In den geöffneten Cafés außerhalb des Kreises Coesfeld muss die Abstandsregel gewahrt werden. Wo also gemütlich einen Cocktail trinken? Das geht nur zu Hause. Weil Dennis Nocke vom Event-Service Shaketime in Olfen in dieser Saison wohl keinen Catering-Dienst auf Veranstaltungen mehr wahrnehmen kann, hat sich der Hobby-Barkeeper vor gut einem Monat etwas einfallen lassen: die Einführung eines Cocktail-Lieferdienstes. Denn Not macht erfinderisch.

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Das Cocktail-Taxi ist jedoch keine Erfindung von Nocke selbst. „In vielen größeren Städten gibt es solche Konzepte schon seit einiger Zeit“, sagt er im Gespräch mit dieser Redaktion. Aber im ländlichen Raum? Nocke selbst war erst skeptisch, ob das Angebot überhaupt angenommen wird. „Ich hielt das Cocktail-Taxi erst für eine Schnapsidee“, sagt er. Doch weil bis mindestens Ende August keine Veranstaltungen stattfinden dürfen, musste er sich etwas überlegen.

Größerere Gruppen bestellen mehrere Runden auf einmal

„Ich habe dann aus Jux zu meiner Frau gesagt: ‚Wir liefern die Cocktails einfach aus.‘ Das war dann die Geburtsstunde des Cocktail-Taxis“, so Nocke. Das ist jetzt vier Wochen her. Inzwischen hat sich das Cocktail-Taxi aus Olfen schon einen Namen gemacht. „Es wird wirklich sehr gut angenommen“, so Nocke, der die Cocktails mit seinen Brüdern und seiner Frau selber mixt. „Wir sind ein Familienbetrieb und liefern die Cocktails auch zu dritt aus. Letztes Wochenende waren wir mit drei privaten Pkw zwischen 16 und 22 Uhr im Einsatz.“

Doch wer bestellt bei Shaketime die Cocktails zum Liefern? „Das ist völlig unterschiedlich“, sagt Nocke, „es bestellen manche für sich alleine, andere bestellen in größeren Gruppen.“ Es habe sich bereits gezeigt, dass die Cocktails auch ein paar Stunden im Kühlschrank überstehen, sodass Nockes Kunden teilweise gleich mehrere Runden auf einmal bestellen. „Letztens hat eine ganze Nachbarschaft zusammen bestellt. Die Cocktails haben sie dann über die Gartenzäune verteilt und sich über die Zäune zugeprostet“, berichtet Nocke.

Lieferungen auch unter der Woche

Stoßzeiten für das Cocktail-Taxi sind die Wochenenden. „Da sind wir gut ausgelastet“, so Nocke. Aber auch unter der Woche liefert er mit seinen Brüdern ab dem späten Nachmittag Cocktails aus, wenn die Bestellung am Vortag eingegangen ist.

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Mit 5 Euro pro Cocktail sind die Getränke sehr preiswert. In Cafés und Restaurants zahlt man gewöhnlich einen höheren Preis. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Die soziale Komponente ist mir mindestens genau so wichtig, wie, dass am Ende des Jahres ein Plus steht. Die Cocktails sollen für viele Menschen bezahlbar sein. Ich biete nicht das Luxuspaket an. Es sind gute Cocktails zu einem erschwinglichen Preis“, sagt Nocke.

Nocke testet Becher-Alternativen aus Hartplastik aus

Die Strohhalme bestehen aus Papier. Die Becher allerdings sind Einweg-Plastikbecher - noch. „Bei den Bechern gibt es Alternativen, die wir jetzt so nach und nach testen wollen. Da sind wir dran, weil für mich persönlich das Thema Umweltschutz einen hohen Stellenwert hat“, sagt Nocke. Er kann sich also vorstellen, langfristig auf wiederverwendbare Hartplastik-Becker zu setzen.

Shaketime liefert auch über Olfens Stadtgrenzen hinaus: nach Datteln, Lüdinghausen, Seppenrade und Vinnum. Und Selm? „Da gibt es die An-Bar von Kaira Eistel“, sagt Nocke. Die beiden Gastronomen haben ein freundschaftliches Verhältnis, wie sie beide einräumen. „Wenn Dennis mal die Limetten ausgehen, können wir helfen“, sagt Kaira Eistel. Andersrum läuft das genauso. „Wir hatten neulich einen Becher-Mangel. Da hat uns Dennis welche vorbeigebracht“, so Eistel. „Und wenn bei uns mal Bestellungen aus Selm eingehen, sagen wir, sie mögen sich bitte in der An-Bar melden“, erklärt Nocke.

Cocktail-Taxi auch in Nach-Corona-Zeiten denkbar

Denn inzwischen liefert auch Kaira Eistel, Inhaberin der An-Bar an der Kreisstraße in Selm, Cocktails aus. Erst gab es an der An-Bar am Schalter nur Cocktails zum Mitnehmen. „Irgendwann kam dann aber eine große Anfrage. Da hat mich jemand angerufen und gefragt: ‚Kannst du uns bitte 20 Cocktails bringen?‘ Also habe ich vor zwei Wochen dann doch entschieden, auch einen Cocktail-Lieferdienst einzuführen“, sagt Kaira Eistel zu den Beweggründen. Erst waren die Lieferungen begrenzt. Eistel fuhr erst bei einer Mindest-Bestellung von zehn Cocktails raus. „Inzwischen habe ich das auf acht reduziert“, sagt sie.

Kaira Eistel von der An-Bar in Selm liefert inzwischen auch Cocktails aus.

Kaira Eistel von der An-Bar in Selm liefert inzwischen auch Cocktails aus. © An-Bar Selm

In einer Sache sind sich Kaira Eistel und Dennis Nocke absolut einig: dass das Cocktail-Taxi auch in Nach-Corona-Zeiten eine Chance verdient hat. „Ich muss erst noch etwas Erfahrung sammeln. Aber wenn die Nachfrage beständig bleibt, soll das Cocktail-Taxi langfristig weitergehen“, sagt Nocke. Kaira Eistel stimmt dem zu: „Ich glaube, dass die Nachfrage weiter da sein wird. Bisher läuft es auf jeden Fall sehr gut.“

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