Mietkoch Schlottke kämpft in Olfen mit der Gulaschkanone gegen Corona

mlzNeues Angebot in Olfen

Die alte Eiche in Olfen ist seit fünf Monaten mehr als nur ein Naturdenkmal. Michael Schlottke hat sie zum Ziel für Menschen mit Appetit gemacht. Der Koch aus Lünen hat immer neue Ideen.

Olfen

, 21.10.2020, 09:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Klagen ist nicht seine Sache. Aufgeben auch nicht. Michael Schlottke will nur eines: seine Gäste verwöhnen. Deshalb sei er schließlich Koch geworden, sagt der 51-Jährige.

Ob für Messen, Festivals, Betriebsfeiern, Hochzeiten, runde Geburtstage oder Schützenfeste: Der gebürtige Lüner, der seit einem Jahr in Olfen wohnt, sorgt mit seinem Ein-Mann-Unternehmen Ruhrpott-Catering für das passende Essen - eigentlich. Denn Corona hat das ursprünglich gut gefüllte Auftragsbuch des Mietkochs gründlich gelichtet. Einfach zum Verzweifeln, wenn man nicht Schlottke hieße. Der kocht einfach weiter - mit immer neuen Ideen und einem Angebot an besonderer Stelle.

Sonntagsessen unter der dicken Eiche

Sie ist eine echte Schönheit: die dicke Eiche am Krähenbusch. Ein Bild von einem Baum mit breiter Krone und mächtigem Stamm. Das eingetragene Naturdenkmal trage seinen Namen zu Recht, wie der Heimatverein mitteilt. Es handele sich tatsächlich um die dickste Eiche in Olfen und die älteste dazu. Seit Pfingsten 2020 kann sie sich noch eines anderen Titels schmücken: einzige Eiche mit eigenem Boxenstopp. So hat Michael Schlottke, der in Sichtweite des üppigen Baums wohnt, sein sonntägliches Gastro-Angebot getauft.

Ab 12 Uhr steht der Koch jeden Sonntag mit seiner Gulaschkanone und einem Grill unter dem Baum parat, um Ausflüglern ein Mittagessen zu servieren. Am18. Oktober waren es Kohlrouladen, am Sonntag davor Grill-Haxen. Wem das zu mächtig ist, kann auch Kaffee und frische Waffeln bekommen. Ein Geheimtipp, der sich inzwischen herumgesprochen hat.

Neue Idee für die kalte Jahreszeit: Eintopf-Taxi

Längst halten nicht nur zufällig vorbeifahrende Radfahrer. Gäste bestellen mehrere Portionen vor und holen sie dann ab, meistens aus Olfen und Datteln, aber inzwischen auch aus Lünen und Umgebung. Wer vor Ort essen oder trinken will, findet auf der anderen Straßenseite in einigem Abstand weit auseinander stehende Sitzplätze. Spätestens seit Herbstbeginn ist Dajana Schlottke, die ihn unterstützt, aber klar, dass die Freiluft-Plätze zunehmend leer bleiben werden. Eine neue Idee musste her: „Der Pott kocht.“

Selbst aus Lünen kommen inzwischen Gäste, um sich ein Mittagessen unter der Eiche abzuholen - in diesem Fall zünftige Grillhaxen.

Selbst aus Lünen kommen inzwischen Gäste, um sich ein Mittagessen unter der Eiche abzuholen - in diesem Fall zünftige Grillhaxen. © Sylvia vom Hofe

Dienstags bis freitags gib es Eintopf aus der Gulaschkanone. Jeden Tag ein anderes Gericht. „Montags sitze ich immer mit dem Gemüsehändler zusammen und beratschlage, was ich koche“, sagt Schlottke. Denn das sei klar: Die Zutaten sind frisch und aus der Region. Und noch etwas: Glutamate und andere Zusatzstoffe, die dem Geschmack auf die Beine helfen sollen, kommen ihm nicht in den Pott. Es ist jetzt gerade die zweite Woche, in der er kocht, an Abholer verkauft und vorbestellte Portionen ausliefert - für 5 Euro pro Portion. Was es jeweils gibt und wie sich Bestellungen aufgeben lassen, schreibt er auf seiner Facebook-Seite „Micha Schlottke“.

„Ich hoffe, dass es uns noch geben wird“

Große Sprünge, sagt Schlottke, könne er damit nicht machen. Auch wenn die aktuellen Infektionszahlen und die damit einher gehenden strengen Auflagen anderes vermuten lassen: „Ich hoffe doch, dass es bald wieder Gelegenheit geben wird für die Menschen, unbesorgt zu feiern“ - und Gelegenheit für ihn und andere seines Metiers, wie üblich arbeiten zu können. „Wenn es dann so weit ist, wollen wir noch da sein, hoffentlich.“

Für die dicke Eiche sind die Corona-Monate nur eine Episode in ihrem langen Baumleben. Für Schlottke, der am nächsten Sonntag (25.10.) zu Füßen des mächtigen Baums ab 12 Uhr Sauerbraten mit Rotkohl und Klößen anbietet, sind sie eine existenzbedrohende Phase. So lange er gegen die Sorgen ankochen kann, glaubt er aber an seine Chance.

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