Neue Stever könnte bald durch Olfen fließen, Hutewald-Projekt steht aber vorm Aus

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In etwa drei Jahren wird ein Bereich westlich Olfens übergangsweise zur Mondlandschaft – im Sinne des Umweltschutzes: Die Neue Stever ist aber nicht das einzige Projekt des Landschaftsplans.

Olfen

, 01.02.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Landschaftsplanerin Lara Baumhove untertreibt am Dienstagabend etwas. „Das meiste bleibt bestehen“, sagte die Mitarbeiterin des Kreises Coesfeld vor fast 50 Gästen in der Olfener Stadthalle. Dabei wird der vermutlich bis Mitte dieses Jahres überarbeitete Landschaftsplan Olfen-Seppenrade gleich mehrere wichtige Umweltprojekte auf den Weg bringen, allerdings durchweg auf städtischen Flächen. Private Grundstückseigentümer seien nicht betroffen Der Leiter des Fachbereichs Umwelt beim Kreis Coesfeld bringt es für die Gäste im Saal so auf den Punkt: „Der Landschaftsplan tut ihnen nicht weh“. Bis er Rechtskraft hat, dürfen allerdings weder Private noch die öffentliche Hand im Plangebiet Veränderungen durchführen: Bäume fällen, Wegeanlegen oder Ähnliches.

? Was ist eigentlich ein Landschaftsplan? „Das zentrale Planungsinstrument des Naturschutzes und der Landschaftspflege“, wie das Umweltministerium NRW in einer Broschüre mitteilt. Er „setzt Ziele und Maßnahmen des Naturschutzes auf örtlicher Ebene um“. Dabei kann es um die Erhaltung der Landschaft gehen, um ihre Anreicherung oder um die Wiederherstellung. Solche Landschaftspläne sind flächendeckend aufzustellen. Während der Kreis Steinfurt noch viele weiße Flecken hat, ist der Kreis Coesfeld komplett mit Landschaftsplänen überzogen. Inzwischen geht es darum, sie zu aktualisieren.

? Warum muss der Landschaftsplan Olfen-Seppenrade überarbeitet werden? Weil er schon 1999 aufgestellt worden ist als allererster Landschaftsplan im Kreis Coesfeld. Inzwischen gebe es manche Veränderungen: etwa durch wachsende Baugebiete, wie Lara Baumhove erklärt. Gesetzesänderungen seien zu berücksichtigen. Und neue Planungsvorhaben – vor allem von der Stadt Olfen.

Die Stadt habe 2002 angefangen, Flächen an der Stever zu kaufen, um sie zu renaturieren, sagt Bürgermeister Wilhelm Sendermann. „Das haben wir beibehalten und werden auch weiter Flächen kaufen“: mehr Lebensraum für die halbwilden Esel, Heckrinder und Konikpferde. Zuschüsse des Landes fließen nur, wenn es sich bei den Grundstücken um ausgewiesene Schutzgebiete handelt: „Die weisen wir jetzt aus“, sagt Hermann Grömping, Leiter des Fachbereichs Umwelt beim Kreis Coesfeld.

? Welche Naturschutzgebiete fallen in den Bereich des Landschaftsplans? Florian Schmutzer von der Umweltbehörde nennt vier:

1. Auf Seppenrader Gebiet der Wald am Hüwel: ein sehr nasser Buchenwald mit viel Totholz. Zu dem bestehenden etwa 17 Hektar großen Schutzgebiet komme die sogenannte Hirschwiese: eine zwei Hektar große, vom Lüdinghauser Umweltbeauftragten Erich Hirsch gepflegte Wildblumenwiese.

2. Ebenfalls in Seppenrade das 18 Hektar große Lippsche Holt: eine ehemalige Abgrabungsfläche mit Wald und Kleingewässern. „Dort kommt eine Grünlandfläche hinzu.“

3. Die Steveraue in Olfen östlich der Füchtelner Mühle. „Dort werden erstmals auch auf dem nördlichen Ufer Flächen als Schutzflächen ausgewiesen für die Beweidung“, sagt Grömping. Das Naturschutzgebiet Steveraue wächst damit von 120 auf 132 Hektar Fläche.

4. Westlich des ehemaligen Munitionsdepots in Olfen liegt die Rönhagener Heide: eine 57 Hektar große Heidelandschaft mit Kiefernwald. Durch welche Maßnahmen das Gelände aufgewertet werden soll, ist noch offen.

? Was passiert in der Rönhagener Heide? Das ursprüngliche Hutewaldprojekt lasse sich nicht umsetzen, sagt Bürgermeister Sendermann. „Wir haben davon Abstand genommen, aber wir werden etwas mit dem Wald machen.“ Die Idee war, in dem städtischen Wald Damwild weiden zu lassen – ihn also zu einem Hutewald zu machen. Die Umweltbehörde des Kreises findet die Idee nach wie vor gut. Die Forstbehörde sieht das aber anders. Hans-Peter Hochhäuser, Leiter des Regionalforstamtes Münsterland, erklärt am Donnerstag auf RN-Anfrage warum. „Hutewald, das ist eine Form der Waldwirtschaft, die zur Waldzerstörung führt“, sagt er. Das habe das Mittelalter gezeigt. Gut begründete Ausnahmen und die Bereitschaft, Ersatz zu schaffen, ließen eine Beweidung von Waldflächen aber auch noch heute zu. Allerdings: „Aufwand und Kosten sind hoch.“ In Olfen sei vorgesehen gewesen, ein Drittel der Bäume aus dem Wald zu nehmen. „Dafür müsste innerhalb von zwei Jahren Ersatz geschaffen werden.“ Zusammen mit den Zaunanlagen für die Tiere – statt Damwild sei zuletzt über Heckrinder gesprochen worden – seien das hohe Kosten.

? Wird das Projekt Neue Stever noch umgesetzt? „Auf jeden Fall“ sagt Bürgermeister Sendermann, „ich denke in zwei bis drei Jahren“. Bis dahin seien aber noch viele Fragen zu klären.

Neue Stever könnte bald durch Olfen fließen, Hutewald-Projekt steht aber vorm Aus

4,4 Kilometer lang ist die geplante Verbindung von Stever und Lippe: die Neue Stever. © Martin Klose

Der Anlass für das fünf bis acht Millionen Euro teure Mammutprojekt: Die Stever wird im Unterlauf durch den Halterner Stausee in ihrer Durchgängigkeit für Fische stark beeinträchtigt. Sendermanns Vorgänger, Bürgermeister Himmelmann, war auf die Idee gekommen, im westlichen Umfeld von Olfen eine Lösung zu schaffen: eine neue, durchgängige, 4,4 Kilometer lange Verbindung von der Stever zur Lippe. „Kein Bach, aber auch kein Rinnsal“, sagt Sendermann.

Um dieses neue Gewässer zu schaffen, sei eine akribische Planung der enormen Erdbewegungen nötig: rund 250.000 Kubikmeter Erde seien abzufahren. „Die wollen wir nicht auf die Deponie bringen, sondern suchen Partner, die den Aushub nutzen können. Außerdem sucht Olfen noch einen Partner bei der Finanzierung. Mit dem Wasserversorger Gelsenwasser laufen Gespräche

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