Das Buch heißt „1682 - Stadt & Land ... Hand in Hand“ und skizziert laut Titel die Geschichte der Bürgerschützengilde Olfen 1682. Doch das Werk ist mehr als nur die Chronik der Gilde.

Olfen

, 01.09.2019, 12:25 Uhr / Lesedauer: 3 min

Was Johannes Leushacke und Christoph Krursel, Adjutant im Offizierskorps beziehungsweise Vorsitzender des Vereins, recherchiert, zusammengetragen, gebündelt und schließlich aufgeschrieben haben, ist nichts weniger als Stadtgeschichte.

Texte, Dokumente und Fotos

504 Seiten umfasst das ansprechend gestaltete Buch „1682 - Stadt & Land ... Hand in Hand“ . Texte, Dokumente und Fotos: Geschichte und Geschichten gibt das Duo Leushacke/Krursel den Lesern an die Hand. Was sich bereits im vergangenen Jahr abzeichnete, nämlich dass es ein umfangreiches Werk werden würde, ist tatsächlich eingetreten. Fünf Kapitel mit unzähligen Unterkapiteln geben dem Buch eine Struktur, die es leicht macht, es nicht wegzulegen.

Zeitstrahl ab 12.000 vor Christus

Ein Zeitstrahl zur Geschichte der Bürgerschützengilde (in Wahrheit zur Geschichte der Stadt Olfen) beginnt in der Epoche 12.000 bis 9600 vor Christus mit der Erwähnung der ersten Lagerplätze des Homo sapiens auf dem Gebiet der heutigen Stadt Olfen.

Neues Buch der Bürgerschützengilde: 504 Seiten lassen Geschichte lebendig werden

Auszug aus dem Zeitstrahl in der Chronik: Olfen wird 1436 erstmals erwähnt. © Repro Arndt Brede

Die mittelalterlichen Ursprünge der Schützengilde finden ebenso Erwähnung wie die ersten Olfener Schützenfeste in der frühen Neuzeit. Der Zeitstrahl endet mit der Ankündigung des vierten gemeinsamen Kaiserschießens aller Olfener Schützenvereins am 14. September 2019.

Lokale Zusammenhänge

Das zweite Hauptkapitel ist mit „Die Geschichte der Bürgerschützengilde Olfen vom späten Mittelalter bis in die Gegenwart“ überschrieben. Tatsächlich stellen die beiden Autoren die Gründung der Gilde in den Kontext früherer Jahrhunderte. Und fördern auch interessante lokale Zusammenhänge zu Tage.

Neues Buch der Bürgerschützengilde: 504 Seiten lassen Geschichte lebendig werden

Der Zeitstrahl belegt: Olfens erstes Schützenfest findet 1682 statt. Das Foto zeigt den Vogel und die erste Schützenplakette an der Königskette der Bürgerschützengilde. © Repro Arndt Brede

Christoph Krursel: „Über die Jahrhunderte sind es sehr viele Schützenvereine in Olfen gewesen. Ursprünglich sieben. Davon haben wir fünf genauer betrachtet, weil sie mittel- und unmittelbar mit der Bürgerschützengilde zu tun haben.“

Das sind die Gilde selber, die Schützengesellschaft Rechede, die es heute nicht mehr gebe, der Schützenverein Kökelsum, der nach dem Zweiten Weltkrieg der Gilde beigetreten war und seit 1981 wieder eigenständig sei, der Schützenverein Olfen-Heide, den es nicht mehr gebe, und der Jungesellenschützenverein, der Anfang des 20. Jahrhunderts zwei eigenständige Schützenfeste gefeiert habe.

„Ein Stück weit Stadtgeschichte“

„Wir sind mit dem Anspruch angetreten, erst mal unsere Vereinsgeschichte aufzuarbeiten“, berichtet Johannes Leushacke. „Es ist aber ein Stück weit Stadtgeschichte mit dem Schwerpunkt auf dem Schützenwesen.“ Denn gerade für die ersten Jahrhunderte sei es schwer gewesen, die Vereinsgeschichte aus der Stadtgeschichte heraus zu trennen. „Bis zum Zweiten Weltkrieg ist das, was wir über die Vereinsgeschichte aufgeschrieben haben, im Grunde genommen auch Stadtgeschichte.“

Neues Buch der Bürgerschützengilde: 504 Seiten lassen Geschichte lebendig werden

1892 gründen 120 Männer dei Bürgerschützenverein Olfen. © Repro Arndt Brede

Aufgrund der Quellendichte gebe es ab dem Zweiten Weltkrieg mehr Material, um die spezielle Geschichte der Bürgerschützengilde nachzuvollziehen.

Es gibt aber laut Leushacke einen zweiten Grund für die Quellendichte, die sich erst ab dem Zweiten Weltkrieg geändert habe: „Dass es Schützenvereine gibt, ist historisch gesehen eine recht junge Entwicklung.“

Das erste Schützenfest in Olfen habe 1682 stattgefunden. Aber einen Verein mit festen Strukturen und einer Satzung habe es damals noch nicht gegeben. Damals haben es Bürger organisiert.

Aus Protokollbuch zitiert

Erst 1892 wurde ein Olfener Bürger-Schützenverein gegründet. Krursel und Leushacke zitieren aus dem Protokollbuch vom 5. November des Jahres: „Der Bürger-Schützenverein von Olfen hat den Zweck, das Zusammenhalten und die Eintracht der Olfener Bürger zu fördern, die Liebe und Treue zum Vaterlande zu schützen, das Eigentum und Vereinsvermögen zu wahren und zu mehren.“

Neues Buch der Bürgerschützengilde: 504 Seiten lassen Geschichte lebendig werden

Die Parade zum Schützenfest 1927. © Repro Arndt Brede

Das dritte Hauptkapitel widmet sich den Vereinen, Orten und Ereignissen zur Geschichte der Bürgerschützengilde. Die erwähnten fünf Schützenvereine sind genau so Teil dieses Kapitels, wie Texte rundum die Schützenhalle, den Schützenbaum oder das Ehrenmal. Schützenfesten widmen die Autoren ebenso umfangreiche Zeilen wie den Kinderschützenfesten, dem Stadtkaiserschießen und - auch das gehört zur Geschichte - das Thema Frauen in der Bürgerschützengilde.

Die Menschen in der Gilde

Kapitel 4 gilt den Menschen in der Gilde: Königspaaren, Vorstände, Stabsoffiziere und weitere Abteilungen und Funktionsträger würdigen die Autoren damit. Kapitel 5 ist ein Schützen-ABC mit Texten und Fotos zu wichtigen Begriffen.

Neues Buch der Bürgerschützengilde: 504 Seiten lassen Geschichte lebendig werden

Auszug aus den Statuten der Bürgerschützengilde Olfen in den Anfängen. © Repro Arndt Brede

Christoph Krursel und Johannes Leushacke haben drei Jahre lang an diesem Buch gearbeitet. Sie haben unzählige Stunden in Archiven verbracht. „Vor allem im Olfener Stadtarchiv sind wir dank Archivarin Maria Holtmann fündig geworden“, erzählt Krursel. Doch die Autoren haben auch viele Interviews mit Olfenern geführt, die noch aus vergangenen Zeiten berichten konnten. „Für uns war einfach der Zeitpunkt gekommen, dass wir Wissen, das unweigerlich verloren geht, bewahren“, sagt der Vereinsvorsitzende.

„Wir wollten nichts verschweigen“

Das ist gelungen. Auch dank der vielen Menschen, die Fotos zur Verfügung gestellt haben. Zu diesen Fotos gehören auch Bilder aus der Zeit des Nationalsozialismus. Auch dieses schwarze Kapitel in der deutschen Geschichte findet Einzug in das Buch. „Wir wollten nichts verschweigen“, sagt Leushacke.

Mehr als 40 Seiten geben wider, wie es damals in Olfen war. Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die aktuelle Gegenwart wird ebenso mit umfangreichen Quellenbelegen versehen wie die Zeit davor, so es denn möglich war.

Hier gibt es das Buch zu kaufen Das Buch ist in einer Auflage von 500 Stück erschienen. Intern ist es am 30. August den Schützen vorgestellt worden. Offiziell wird es während des Stadtkaiserschießens am 14. September präsentiert. Das Buch gibt es jetzt schon zu kaufen. Und zwar im Geschäft „Buch, Büro, Schreiben & Schönes“ (BBS), Zur Geest. Zusätzlich auch bei der Sparkasse Olfen, Zur Geest, und bei der LVM Olfen, Zur Geest. Und auch beim Vorstand der Bürgerschützengilde kann man es erwerben. Das Buch kostet 29 Euro.
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