Olfen um 1830: Unruhige Zeit

OLFEN Paul Ostrop führte Landfrauen in die Epoche nach der französischen Revolution: „Nur der schlechtere Landwirt lässt sich sonntags in der Schänke sehen. Und das Neue, das er da aufnimmt, ist nicht das Bessere.“

von Von Matthias Münch

, 10.01.2008, 17:02 Uhr / Lesedauer: 2 min
Paul Ostrop referierte über das Leben im Münsterland um 1836.

Paul Ostrop referierte über das Leben im Münsterland um 1836.

Dieses Zitat stammt aus einem Bericht des preußischen Beamten Nepomuk von Schwertz über das Leben im Münsterland aus dem Jahr 1836.

Zwei Dutzend Zuhörerinnen

Über genau diese Zeit referierte Paul Ostrop am Mittwoch vor rund zwei Dutzend Zuhörerinnen beim Klönkaffee der Landfrauen im Leohaus. Sein Thema: Land und Leute in Olfen um 1830. Brigitte Westrup begrüßte die Besucher des Nachmittags und fragte den Referenten, ob man sich denn wie immer vor dem Vortrag zunächst dem selbst gebackenen Kuchen widmen dürfe.  Mit seinem gewohnt trockenen westfälischen Humor antwortete Ostrop: „Ich beuge mich der Übermacht“, um dann eine halbe Stunde später festzustellen: „So schlecht hat es mir hier bis jetzt gar nicht gefallen.“

Sein Referat eröffnete er dann mit einem zur „Frauen-Übermacht“ passenden plattdeutschen Gedicht des Olfener Heimatdichters Bernhard Holtmann. In der Folge der Generationen, so Paul Ostrop, sei das Jahr 1830 gar nicht so sehr lange her. Immerhin war sein Urgroßvater da bereits zwölf Jahre alt.

Landleben und Schulwesen

Aus verschiedenen Büchern, historischen Dokumenten und Materialien des Olfener Heimatvereins hatte Ostrop seine Informationen über das Landleben und das Schulwesen in Olfen vor rund 180 Jahren zusammengetragen. Es war eine unruhige Zeit, die Epoche nach der französischen Revolution und den napoleonischen Krieges, die auch auf Olfen starke Auswirkungen hatten.

Denn mit Westfalen ging auch das Münsterland unter Friedrich-Wilhelm ins Königreich Preußen über. Und damit kam es auch in den Genuss der preußischen Reformen, die unter anderem die Bauern aus der wirtschaftlichen Abhängigkeit vom Adel befreiten. Wie gut es zumindest den größeren Bauern danach ging, illustrierte Paul Ostrop mit einem weiteren Zitat des Beamten Nepomuk von Schwertz: „Wirte mit vier, fünf Pferden (von der Größe findet man auf Sandboden doch nur Wirthschaften in der Gegend vom Rheine) halten 20 Stück Rindvieh, 100 Schafe, drei bis sechs Schweine, fünf männliche und vier weibliche Dienstboten.“

Kitt 1834 aus der Taufe gehoben 

Dies und noch einiges mehr erfuhren die Damen und dankten ihrem Gast mit ausgiebigem Applaus. Ein für Olfen ganz wesentliches Datum aus der Zeit, über die Paul Ostrop berichtete, sei an dieser Stelle aber noch erwähnt, zumal die närrische Session allmählich ihrem Höhepunkt zusteuert: Im Jahr 1834 wurde die Karnevalistische Gesellschaft Kitt aus der Taufe gehoben.

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