Viele Grünflächen, gute Möglichkeiten für Familien. Und Fahrradfahren kann man sowieso super. Die Olfener haben vieles, was sie an ihrer Heimat mögen. Es gibt aber auch Kritikpunkte.

Olfen

, 26.03.2019, 05:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ich bin kein Mensch, der in der Großstadt glücklich geworden wäre“, sagt Marvin Lücke (37). „Ich mag es nicht, wenn ich nach Münster reinfahre und dort das Verkehrsaufkommen sehe.“ In Olfen stattdessen gehe er drei Minuten mit dem Hund und schon sei an den Steverauen. Lücke ist gebürtiger Olfener und arbeitet als Versicherungsfachmann bei der Provinzial in Olfen. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter (4 und 7).

Und er mag seine Stadt: „Ich möchte nicht woanders leben“, sagt Lücke, „ich habe hier top Sportmöglichkeiten, was den SUS angeht, ich bin genau in der Mitte. Eine dreiviertel Stunde brauche ich nach Dortmund, eine Dreiviertelstunde nach Münster.“

Einer der beliebtesten Orte Olfens: Die Steverauen vom Floß aus.

Einer der beliebtesten Orte Olfens: Die Steverauen vom Floß aus. © Viktoria Michelt

Allerdings, das wirft er ein, „braucht man schon ein bisschen zur Autobahn.“ So wie Marvin Lücke geht es vielen Olfenern, wie die Ergebnisse unseres Ortsteil-Checks zeigen. An unserer nicht repräsentativen Umfrage haben insgesamt 346 Personen teilgenommen (306 aus Olfen, 40 aus Vinnum). Insgesamt haben die Olfener ihrer Stadt eine positive Benotung gegeben. Für Lebensqualität bekommt Olfen insgesamt eine 9 von 10 möglichen Punkten. Die Lebensqualität in Vinnum wurde mit 8 ein wenig schlechter bewertet. Viele Olfener loben ihre Stadt in den Anmerkungen: „Olfen ist die schönste Stadt der Welt“, schreibt eine Frau in der Altersgruppe zwischen 25 bis 35 Jahren. „Olfen ist eine Vorzeigestadt. Olfen ist schuldenfrei“, lobt ein Mann in der Altersgruppe über 70 Jahre. Es gibt aber auch Kritik. Nicht im Ortsteilcheck abgefragt, aber mehrfach genannt wurde zum Beispiel das Thema Internetverbindung. Internetverbindung für die Bauerschaften ja, „aber, was in Stadtnähe passiert, ist gar nichts“, schreibt ein Kommentator. Das sei Olfen, „schön beschaulich und zukunftsfern.“ Ebenfalls mehrfach angesprochen wurde das Thema Parkplätze. Auch hier sehen einige Olfener, die an unserer Umfrage teilgenommen haben, Nachholbedarf.

Das wurde positiv bewertet:

Radfahren und Grünflächen: Zweimal hat Olfen die Höchstpunktzahl von 10 bekommen. Besser geht es nicht. Und zwar in den Kategorien Radfahren und Grünflächen.

Theo Sander kann sich gut vorstellen, warum Olfen bei den Radfahrern so viele Punkte bekommen hat. Der 65-jährige Olfener ist Tourenleiter beim Heimatverein und Mitglied im Sus Radlertreff. „Olfen hat einen eigenen Charme“, sagt Sander. Die Füchtelner Mühle, Schloss Sandfort und natürlich: die Stever. „Was Schöneres als die Steverauen gibt es gar nicht“, sagt Sander.

Theo Sander ist begeisterter Radler und kennt viele Strecken in Olfen.

Theo Sander ist begeisterter Radler und kennt viele Strecken in Olfen. © Sabine Geschwinder

Er findet es außerdem gut, dass Olfen vor zwei Jahren dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) beigetreten ist. Seit dem vergangen Jahr kann man sich im Tourismus-Büro der Stadt auch Elektrofahrräder ausleihen, „und das für einen günstigen Preis“, findet Theo Sander. Auch Marvin Lücke findet das Angebot gut und will es in diesem Jahr nutzen, wenn seine Schwiegereltern zu Besuch sind. Es gibt aber auch kritische Anmerkungen. Ein Leser findet, dass zu viele Radfahrer auf den Gehwegen fahren, ein anderer wünscht sich einen Ausbau der Fahrradwege bis Ende der Kökelsumer Straße in Richtung Heidekrug. In letzterer Frage hatte die Politik bereits Sympathien zum Radweg bekundet, aber auch klar gemacht, dass in dieser Frage noch einiges zu klären sei.

Nahversorgung: Im Punkt Nahversorgung hat Olfen ebenfalls ausgezeichnet abgeschnitten. Mit 9 Punkten (Vinnum hat 8 bekommen) haben die Olfener ihrem Ortsteil gute Noten gegeben. Für manche vielleicht eine Überraschung, denn in den Kommentaren war gerade in diesem Punkt oft Kritik zu hören. „Lebensmittelgeschäfte top, Bekleidungsgeschäfte flop“, schreibt eine Frau zwischen 35 bis 50 Jahren. Sehr oft genannt wurde auch der Wunsch nach einem Textilgeschäft. „Das wird in Olfen nicht Fuß fassen können“, ist Marvin Lücke überzeugt, „die können mit den Preisen des Online-Handels nicht mithalten.“

Das wurde negativ bewertet:

Verkehrsanbindung: Ganz klar am negativsten bewertet wurde der Punkt Verkehrsanbindung. Hier vergeben die Olfener durchschnittlich nur vier Punkte. Marvin Lücke findet, dass die Anbindung ans Ruhrgebiet grundsätzlich ganz gut sei. Aber: „Wenn ich mir den BVB anschauen will, kann ich nicht in den Zug steigen und abends wieder mit dem Zug zurückfahren.“ Dann geht nur die Fahrt nach Selm zum Bahnhof. Auch eine abendliche Fahrt mit dem Taxi ist nicht drin, denn ein Taxiunternehmen gibt es in Olfen nicht mehr. Gerade, wenn man in den Randgebieten wohne oder schon etwas älter sei, sei das ein großes Problem. Zwar gibt es den Bürgerbus und generell Busverbindungen, doch die seien auch teilweise unübersichtlich, schreibt eine Kommentatorin zwischen 50 bis 70 Jahren. Eine andere Kommentatorin (35 bis 40) wünscht sich Busverbindungen nach Selm. Dort fährt zwar ein Taxibus, er muss allerdings 30 Minuten vor der Abfahrt gebucht werden. Allerdings ist in Sachen Verkehrsverbindungen gerade auch einiges in Bewegung. Der Rat stimmt am 26. März darüber ab, ob an der Stadthalle ein Mobilpunkt entstehen soll. Dort sollen überdachte Stellplätze für Räder entstehen. Auch den Schnellbus hat die Stadt ins Visier genommen, eine höhere Taktung von 30 statt 60 Minuten wäre hier der Wunsch.

Olfen: Viele Grünflächen, aber schlechte Verkehrsanbindung

© Grafik Klose

Wohnen: Mit 7 Punkten ist das Thema Wohnen ebenfalls eines, was zu den eher schlechter bewerteten Kategorien gehört. „Für Familien, die ein friedliches Umfeld für ihre Sprösslinge suchen, ist Olfen eine gute Wahl“, schreibt ein Kommentator zwischen 35-50 Jahren, „allerdings muss man sich im Berufsleben ein gutes Einkommen erwirtschaften, denn Olfen ist dank spärlicher Wohnungs- und Immobilienangebote recht teuer“. Ein Kommentatorin aus der selben Altersgruppe macht sich ebenfalls über bezahlbaren Wohnraum Gedanken: „Olfen ist eine tolle Stadt, in der ich gerne lebe“, schreibt sie. „Ich will in dieser Stadt alt werden. Leider werde ich es mir bald nicht mehr leisten können, weil man keine bezahlbare Wohnung mehr findet. Olfen braucht mehr sozialen Wohnungsbau. So wie mir und meiner Familie geht es vielen in Olfen.“

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HISTORIE

ZUR GESCHICHTE Olfens:

  • Nach Olfen mit seiner günstigen Lage an der Lippe zog es schon früh Siedler. Bei Ausgrabungen am Naturbad machten Archäologen Funde, die aus der Bronze- und Eisenzeit stammten. Siedlungsspuren gibt es von der Jungsteinzeit an.
  • Ihren Namen verdankt die Stadt Olfen dem Bischof Wolfhelm. Wolfhelm kam vom Oberhof Ulfloa und vermachte seinen ganzen Olfener Besitz 889 dem Kloster Werden.
  • Im Jahr 1500 hatte Olfen etwa 500 Einwohner.
  • Ein schweres Ereignis traf die Olfener im Jahr 1857. Beim „Großen Brand von Olfen“ wurden 142 Häuser zerstört.
  • Zu Olfen gehören der Ortsteil Vinnum und die Bauerschaften Eversum, Kökelsum, Benthof, Sülsen, Rechede und die Bauerschaft Vinnum.
    Olfens erster Fotograf Albert Buthmann hat das Foto zwischen 1900 und 1930 gemacht. Es zeigt den Hafen an der Alten Fahrt. Große Schiffe legten direkt in Sichtweite der Vituskirche an.

    Olfens erster Fotograf Albert Buthmann hat das Foto zwischen 1900 und 1930 gemacht. Es zeigt den Hafen an der Alten Fahrt. Große Schiffe legten direkt in Sichtweite der Vituskirche an. © Repro: Bader


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