Die Windräder des Bürgerwindparks Olfen sind seit Sommer 2018 in Betrieb. © Gelsenwasser
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Olfener Ingenieur: Kraftwerke der Region nicht so schnell abschalten

Deutschland setzt mehr und mehr auf erneuerbare Energien. Aber der Olfener Karl-Heinz Dulle hat große Zweifel an der Versorgungssicherheit. Trotz eines Bürgerwindparks in der Steverstadt.

Die Rechnung der Bürgerwindpark Olfen GmbH für das Jahr 2019 ist auf den ersten Blick nachvollziehbar. „Die beiden Anlagen produzieren im Jahr rund 16.000.000 Kilowattstunden. Der durchschnittliche Stromverbrauch eines 3-Personenhaushalts liegt bei ca. 3200 Kilowattstunden. „Damit können die beiden Anlagen 5.000 Drei-Personen- Haushalte oder auch 15.000 Einwohner versorgen.“ Die Strommenge reicht also rechnerisch aus, um alle Einwohner Olfens mit Strom zu versorgen.

Ein Ansatz, der aus Sicht von Karl-Heinz Dulle (72) zumindest relativiert werden muss. „Für jeden Monat sind stunden- und tagelange Ausfälle der Windkraftanlagen protokolliert“, sagt Dulle, der viele Jahre als Entwicklungsingenieur gearbeitet und sich intensiv mit dem Thema beschäftigt hat. „Von einer geordneten Versorgung unseres Wohnorts Olfen mit Strom kann keine Rede sein.“ Dulle geht es aber nicht nur um diese Einordnung, er hat grundsätzliche Kritik an der Art und Weise, wie die Energiewende in Deutschland vollzogen wird.

„Ich bin voll für den Klimaschutz“, sagt der Olfener. Er berichtet, dass er sich erst vor rund einem Jahr eine Photovoltaikanlage auf dem Hausdach habe montieren lassen. Obwohl er einen „großen Speicher“ im Keller habe, müsse er im Winter Energie dazukaufen. Nur im Sommer „unter idealen Bedingungen“ könne er die benötigte Energie selbst erzeugen.

Aus seiner Sicht ist auch diese Erfahrung Beleg dafür, dass Deutschland weiter auf Kraftwerke angewiesen sei. Deshalb spricht er angesichts der geplanten Aufgabe von Kernkraft- und Kohlekraftwerken „von einer Verschenkung von Volksvermögen“. Dulle treibt die Sorge um, dass Deutschland Strom aus Nachbarländern importieren müsse, der die Umwelt mehr belastet als der Strom aus stillgelegten deutschen Kraftwerken. Beispielhaft führt er die Kohlekraftwerke in Datteln und Lünen an.

Deutliche Kritik übt Dulle, der nicht von einem Klimawandel, sondern von einer „Veränderung in einer gewissen Bandbreite“ spricht, deshalb an den politisch Verantwortlichen. Aus seiner Sicht haben sie Techniken (Kohle, Kernkraft) auf die „Abschussliste gesetzt“. Dabei sei gerade die Industrie auf eine kontinuierliche und verlässliche Energieversorgung angewiesen. Wind- und Sonnenenergie seien aber zumindest in Deutschland nicht verlässlich planbar.

Den Olfener Weg mit dem Bürgerwindpark findet er dennoch richtig und wichtig. „Es ist schön, dass wir die Windräder haben.“ Der Ingenieur richtet mit Blick auf seine beruflichen Erfahrungen den Appell an die Verantwortlichen, die Windenergie zur Produktion von Wasserstoff zu nutzen. Der sei speicherbar und deshalb eine „vernünftig Komponente“.

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer

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