Barbara Middendorf impft in ihrer Praxis in Olfen keine Kinder unter 16. © Thomas Aschwer (Archiv)
Corona-Impfung bei Kindern und Jugendlichen

Olfener Kinderärztin zu Impfungen ab 12 Jahren: „Finde es sehr befremdlich“

Seit Mitte Juli dürfen auch Kinder ab 12 Jahren gegen das Coronavirus geimpft werden. Eine Olfener Kinderärztin bietet aber weiterhin nur Kindern ab 16 Jahren eine Impfung an – und sagt warum.

Seit dem 22. Juli dürfen nun auch Kinder ab 12 Jahren gegen das Coronavirus geimpft werden. Die Olfener Kinderärztin Dr. Barbara Middendorf-Brummel bietet aber keine Corona-Impfungen für Kinder ab 12 Jahren an. Sie impft nur Jugendliche ab 16 Jahren – und das nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Der Hintergrund: Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat bisher keine Empfehlung für Impfungen für Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren ausgesprochen. „Bisher habe ich immer gut daran getan, nach der Stiko zu handeln, aber dass die Politik die Entscheidung pauschal übernimmt, da bin ich überhaupt nicht mit einverstanden“, so die Kinderärztin.

„Nachfrage gar nicht so groß“

Insgesamt sei die Nachfrage nach einer Corona-Impfung in der Kinderarztpraxis sowieso gar nicht so groß, obwohl die Kinderärztin nur nach Stiko-Empfehlung impft, sagt sie. Soll ein 16-jähriger Jugendlicher trotzdem geimpft werden, müssen erst bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden.

Zunächst vergibt die Ärztin ein Aufklärungsgespräch. Außerdem müssen beide Elternteile einverstanden sein. Besteht der Wunsch nach dem Gespräch weiterhin, muss schriftlich festgehalten werden, dass entgegen der Stiko-Empfehlung eine Impfung gegen das Coronavirus erwünscht ist, erklärt die Kinderärztin.

Doch nicht immer komme es dann auch wirklich zur Impfung: „Letzte Woche hatte ich eine Familie, denen das gar nicht klar war.“ Die Familie habe die Impfung dann während der Aufklärung abgelehnt. „Es gab nur ein politisches Go, aber kein medizinisches. Entgegen der Empfehlung zu handeln, damit waren sie überfordert.“

Kinder ab 12 Jahren weichen aufs Impfzentrum aus

Mittlerweile habe sich rumgesprochen, dass die Kinderärztin erst Jugendliche ab 16 Jahren impft, so Middendorf-Brummel. Problematisch wird es daher, wenn Patienten sagen: „Wenn du mich nicht impfst, geh‘ ich halt ins Impfzentrum.“

Zwar sei dort eine Impfung möglich, die Medizinerin ist allerdings skeptisch: „Ich möchte mir nicht von der Politik medizinische Fachangelegenheiten vorschreiben lassen. Ich finde es sehr schade, dass die Politik die Zeit nicht hatte, diese Empfehlung abzuwarten.“

Zudem befinden sich die Mediziner rechtlich gesehen mit der Verantwortung in einer Grauzone. Außerdem herrsche im Impfzentrum eine ganz andere Art von Aufklärung. Sie hätte sich ein bisschen Zeit und „Vertrauen in uns Mediziner“ gewünscht. „Es geht um Daten und Sicherheit, die wir ja weitergeben an die Familien. Das wäre ein klügerer Schachzug gewesen.“

Über die Autorin
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1999 in Dortmund geboren und aufgewachsen. Seit 2017 Medienwissenschafts- und Sowi-Studentin an der RUB. Nach zwei Jahren im Fernsehjournalismus, 2020 auch bei den Ruhr Nachrichten. Im Regionaljournalismus möchte ich über Geschehnisse und Menschen aus unmittelbarer Nähe berichten, so wie über das was sie und uns bewegt.
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