Razzia gegen falsche Polizisten: Auto und Geld in Olfen beschlagnahmt

mlzRazzia gegen falsche Polizisten

Bei einer Razzia gegen eine Betrüger-Bande verhaftete die Polizei auch die Frau des mutmaßlichen Bandenchefs in Olfen. Die Polizei zeigt jetzt auch die beschlagnahmten Luxus-Güter der Bande.

Olfen

, 13.02.2020, 18:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass sie mit einer grünen Polizei-Uniform in Osnabrück an der Tür einer älteren Dame schellten und von ihr die sofortige Bezahlung eines angeblichen Bußgeldbescheids verlangten, wurde Betrügern zum Verhängnis und brachte sie hinter Schloss und Riegel.

Über diesen Fall kam die echte, inzwischen blau uniformierte Polizei vor eineinhalb Jahren einem regelrechten Netzwerk Krimineller auf die Spur - und die reicht bis nach Olfen. Dort wurde am Mittwoch die Ehefrau des mutmaßlichen Drahtziehers in ihrem Haus festgenommen.

Bande agierte in Schwerte, Dortmund und Münster

Im Rahmen der groß angelegten Razzia in Deutschland und der Türkei gelang der Polizei ein kräftiger Schlag gegen die Hintermänner und Drahtzieher der Betrugsmasche über mehrere Bundesländer. Im Mittelpunkt der Aktion: eine deutsch-türkische Großfamilie. Die rund 70-köpfige international agierende Bande soll unter anderem in Schwerte, Dortmund, Bonn und Nottuln sowie in Münster ihr Unwesen getrieben haben, aber auch in Niedersachsen und Rheinland-Pfalz finden sich Schwerpunkte. Insgesamt werden den Betrügern rund 100 Taten in zehn Bundesländern zur Last gelegt. Zumindest sind das die derzeitigen Erkenntnisse aus zwei großen Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaften Osnabrück und Koblenz.

Olfenerin in Untersuchungshaft

Am Donnerstag gaben Polizei und Staatsanwaltschaft Osnabrück weitere Details zu der Razzia und den Ermittlungen bekannt. Tatsächlich habe es vier Festnahmen in Deutschland gegeben: zwei Männer wurden in Rheine verhaftet, ein Mann in Datteln und eine Frau in Olfen. Alle vier wurden dem Haftrichter vorgeführt.

Einer der Männer wurde inzwischen wieder auf freien Fuß gesetzt. Bei einem zweiten Mann ist der weitere Verbleib noch unklar. Gegen den dritten Mann und die Frau aus Olfen ergingen jedoch Haftbefehle. Beide sitzen nun in Untersuchungshaft.

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„Sie ist die Frau des mutmaßlichen Drahtziehers“, erklärt Anne Außendorf, Sprecherin der Polizeidirektion Osnabrück, zu der in Olfen festgenommen Frau. Ihr Mann, der bei zeitgleichen Razzien in der Türkei festgenommen wurde, gelte als einer der Hauptakteure hinter der Betrugsmasche. Die Frau „mittleren Alters“ besitze „die türkische Nationalität“, mehr wollte die Polizei nicht bekannt gegeben.

Im Haus wurden allerdings zahlreiche Wertgegenstände sichergestellt. Auch ein Geldscheinspürhund kam zum Einsatz. Darüber hinaus wurde ein Mercedes C 220 d im Wert von ca. 35.000 Euro beschlagnahmt.

Festnahmen auch in der Türkei

In der Türkei wurden bei mehr als 20 Durchsuchungen 24 Personen festgenommen, darunter der Ehemann der Olfenerin. Neben Wohnungen wurden auch die beiden Callcenter durchdurchsucht und stillgelegt.

Im Rahmen einer Pressekonferenz präsentierten Polizei und Staatsanwaltschaft Osnabrück einige der sichergestellten Wertgegenstände. Bargeld im fünfstelligen Bereich, hochwertiger Schmuck und Uhren von Rolex und Breitling, Munition, ein Ausziehschlagstock und mehrere sogenannte Grow-Zelte für Indoorplantagen. „Eine der Uhren hat einen fünfstelligen Wert“, erklärte Anne Außendorf. Ob der Schmuck bei den Betrugsmaschen erbeutet oder mit kriminell erlangten Geldern finanziert wurde, ist in den nächsten Monaten Gegenstand der Ermittlungen.


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Razzia in Olfen und an anderen Orten

Polizei und Staatsanwaltschaft zeigen, was in Olfen und Datteln, aber auch an anderen Orten sichergestellt wurde.
13.02.2020
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© Polizei Osnabrück
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Bei der Razzia in Olfen und Datteln waren keine örtlichen Polizeikräfte eingebunden, wie die Pressestellen der Kreispolizeibehörden Coesfeld und Recklinghausen erklärten. „Wir hatten zwar Kenntnis darüber, waren aber nicht involviert“, erklärte die Coesfelder Polizeisprecherin Britta Venker. „Auch von uns waren keine Kräfte dabei. Das haben die Osnabrücker selbst gemacht“, sagte Andreas Wilming-Weber in Recklinghausen.

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