„Onkel Bollermann“: 91 Jahre alt - und beim Karneval immer vorne mit dabei

mlzKarneval in Olfen

Der Karneval ist sein Leben, und im Umzug führt Josef Heitmann die Kitt-Funken an. „Onkel Bollermann“ nennt man ihn. Die Leidenschaft für Karneval hat mit seinem Geburtsdatum zu tun.

Olfen

, 05.03.2019, 15:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er ist 91 Jahre alt. Und immer noch mittendrin im Olfener Karneval. Als Josef Heitmann kennen ihn viele, als „Onkel Bollermann“ kennt ihn jeder.

Das merke ich schnell, als ich mich am Nelkendienstag auf die Suche nach ihm mache. Denn seine Tochter Jutta Werdermann hat am Telefon nur gesagt: „Er ist irgendwo in der Stadt unterwegs. Mit den Funken.“

„Hat einer Onkel Bollermann gesehen?“

Na klar, wo denn auch sonst. Schließlich hat Josef Heitmann die Kitt-Funken gegründet und jahrzehntelang geleitet. Am Erbsensuppenstand vor dem Festzelt am Marktplatz muss ich dann auch nur einmal nach „Onkel Bollermann“ fragen.

Zur Mittagspause mit Erbsensuppe geht es ins Festzelt auf dem Marktplatz.

Zur Mittagspause mit Erbsensuppe geht es ins Festzelt auf dem Marktplatz. © Martina Niehaus

„Hat einer Onkel Bollermann gesehen?“, gibt Christian Kortenbusch die Frage an alle Kollegen weiter. Die Antwort kommt prompt: „Die marschieren gleich ein. In fünf Minuten. Hier, iss erstmal `ne Erbsensuppe.“

Getrommel und Geflöte kündigt die blauen Kitt-Funken an.

Eine Portion Erbsensuppe später höre ich leises Getrommel und Flötentöne. „Das sind sie“, sagt Kortenbusch. Und fügt dann hinzu: „Der Onkel Bollermann ist so cool, der ist immer dabei. Ist gestern schon die große Runde mitmarschiert.“

Dann kommt die Tanzgarde auf das Festzelt zumarschiert.

Die blauen Kitt-Funken werden angeführt vom Kiepenkerl Franz Kortmann - und von „Onkel Bollermann“, der stramm marschiert und seinen Stab mit den bunten Bändern fröhlich schwenkt.

„Der Karneval ist sein Leben.“

Als „Onkel Bollermann“ und seine Truppe dann im Festzelt selbst eine Erbsensuppe essen, erklärt der 91-Jährige, was es mit ihm und dem Karneval auf sich hat. „Ich bin an einem Karnevalssonntag geboren worden, und zwar am 19. Februar 1928. Ich bin schon mein ganzes Leben lang dabei, seit ich fünf Jahre alt war. Vielleicht sogar noch früher. Und wenn heute was ansteht, versuche ich es mitzumachen.“

Im Festzelt mit (v.l.) Günter Mannke, Theo Bonberg, Kiepenkerl Franz Kortmann und "Onkel Bollermann", der eigentlich Josef Heitmann heißt.

Im Festzelt mit (v.l.) Günter Mannke, Theo Bonberg, Kiepenkerl Franz Kortmann und "Onkel Bollermann", der eigentlich Josef Heitmann heißt. © Martina Niehaus

An diesem Dienstag möchte er mit dem Umzug mitlaufen, zusammen mit seinen Kitt-Funken. „Er hat sich den ganzen Umzug vorgenommen. Der Karneval ist wirklich sein Leben, die Funken sind sein Ein und Alles“, erklärt Tochter Jutta Werdermann.

Aber ob er nun die ganze oder vielleicht doch nur eine halbe Runde mitgeht, ist „Onkel Bollermann“ egal. Hauptsache dabei sein. „Grundsätzlich bin ich vorne, mit an der Spitze. Noch bin ich schließlich fit“, sagt er und lacht.

Den Spitznamen hat er übrigens vom Kolpingtheater. „Das ist 70 Jahre her, da hatte ich die Rolle des Bollermann. Seitdem heiße ich so“, erzählt er.

Jeder Karneval ist etwas Besonderes - trotz fester Rituale.

Wenn sich „Onkel Bollermann“ heute zurück erinnert, sagt er: „Jedes Jahr gibt es etwas Besonderes. Der Karneval hat zwar immer gleiche Rituale, aber die Feste sind nie gleich.“ Und auch wenn er gerne vorne mitmarschiert - Prinz wollte er nie sein. „Man hat mich schon mal gefragt, aber ich habe abgelehnt“, sagt er. „Das wurde mir dann doch zu viel.“

Dann schaut er kurz aus dem Festzelt nach draußen. „Hoffentlich hält sich das Wetter“, sagt er und lacht. „Mein Regencape hab ich nämlich zu Hause an der Garderobe gelassen. Ich verzichte da gerne drauf.“

Josef Heitmann ist 91 Jahre alt. "Der Karneval hält mich fit", sagt er.

Josef Heitmann ist 91 Jahre alt. "Der Karneval hält mich fit", sagt er. © Martina Niehaus

Wenn er kann, möchte Josef Heitmann auch im nächsten Jahr wieder mitmarschieren. „Ich hoffe dass es klappt. Wenn man schon im Karneval geboren ist, muss man schließlich auch dabei bleiben.“

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