Pia (l.) mit ihrer Freundin Antonia an ihrem Verkaufsstand. Die Einnahmen hat sie bestimmt für die Flutopfer - und für eine andere Hilfsaktion, die ihr am Herzen liegt. © Klee
Hilfsaktion

Pia (5) aus Olfen hilft nicht nur Flutopfern im Überschwemmungsgebiet

Pia aus Olfen ist fünf Jahre alt: nicht nur alt genug, um von der Flutkatastrophe zu erfahren, sondern auch, um sich eine eigene Hilfsaktion zu überlegen. Die Resonanz war groß.

Pia Klee ist erst fünf Jahre alt. Sie geht noch nicht in die Schule. Und sie muss auch noch nicht mit allen schlimmen Nachrichten über Tod und Elend in der Welt konfrontiert werden, meinen ihre Eltern. Die Nachrichten über die Hochwasserkatastrophe und ihre Folgen waren aber nicht zu überhören. Die fünfjährige Olfenerin hat selbst einen Weg gefunden, damit umzugehen und dabei noch anderen zu helfen.

Im Kika, dem öffentlich-rechtlichen Fernsehkanal für Kinder, hat Pia verfolgt, wie es nicht mehr aufhörte zu regnen und was dann passierte. Es fiel so viel Wasser vom Himmel, dass nicht mehr alles in ein Flussbett passte. Flüsse und Bäche flossen über. Straßen wurden zu Seen, und die Wassermassen rissen Autos und ganze Häuser mit sich. Schlimm sei das gewesen, sagt Pia am Telefon. So viel sei da kaputt gegangen. So viel verloren gegangen in Wasser und Schlamm. Das Mädchen beließ es aber nicht beim Bedauern. Ihr fiel wieder etwas ein, das sie sich mit ihrer Mama schon vor längerer Zeit überlegt hatte, aber woraus dann nichts wurde.

„Vor Corona wollten wir einen Trödel machen“, sagt die Mutter: alte Spielsachen verkaufen und damit Geld sammeln. Wofür stand damals bereits bei Pia fest: „Für die Igelhilfe“: eine Aktion, die die ganze Familie unterstützt, auch ganz praktisch. Igel dürfen im Keller überwintern. Besonders schwache und kranke Tiere kommen zum Tierarzt. Pia hat schon früh erkannt, wie wichtig es ist, Netzwerke mit anderen ehrenamtlich Aktiven zu bilden. Und Geld zu sammeln. Aus dem Trödel 2021 für die Igelhilfe ist aber nichts geworden – wegen der Pandemie. Die Idee zu dieser Aktion ist aber offenbar bei dem Kind nicht in Vergessenheit geraten: „Was ist mit dem Trödel?“

Leicht getrennt von liebgewonnenem Spielzeug

Pias Mutter war sich nicht ganz sicher, ob ihre Tochter dabei bleiben würde, wenn es ernst wird – wenn es darum geht, sich vom eigenen Spielzeug zu trennen: von lieb gewordenen Kuscheltieren, Bilderbüchern und Spielen. „Aber sie hat sofort angefangen, Sachen zu holen“: bereits Aussortiertes aus dem Keller ebenso wie Artikel aus dem Kinderzimmer. Auf der Einfahrt neben dem Wohnhaus im Föhrenbrink haben sie alles aufgebaut. Pia hat Werbung gemacht unter ihren Freundinnen und Freunden, Mama auf Facebook.

Zwei Tage lief der Verkauf. „Ich habe keine Preisschilder gemacht“, erzählt Pia. Die Leute, die kamen – sie selbst sagt „Kunden“ – hätten Geld gegeben, wie sie meinten. Das hat die Sache mit dem Ausrechnen des Wechselgeldes einfacher gemacht. Denn Pia kommt erst nach den Ferien in die Schule. Am zweiten Trödel-tag hat Pias zehnjährige Nachbarin Antonia mitgemacht und auch einige Artikel angeboten. Am Ende war der provisorische Verkaufstisch ziemlich leer und die Kasse voll: rund 100 Euro.

Milliardenhilfen sind nötig in der Katastrophenregion

Auch wenn ihr der große Zahlenraum noch nicht offen steht, weiß Pia: Das ist schon viel Geld, allerdings nichts im Vergleich zu dem, was im Hochwassergebiet alles fehlt. Der Wiederaufbau in der Katastrophenregion wird wahrscheinlich mehrere Milliarden Euro kosten: Geld für neue Straßen, Brücken, Leitungen, Wohnhäuser und Schulen. Pia hat ihre Spende der Aktion „Lichtblicke“ zur Verfügung gestellt – fast die gesamten Einnahmen aus ihrer Trödelaktion, fast. Denn etwas wollte sie auch der Igelhilfe zukommen lassen. Die kleinen stacheligen Tiere, die ihr so lieb sind, hatten sie schließlich erst auf die Idee gebracht.

Unabhängig von Pia hatte auch ein anderes Kind eine Hilfsaktion gestartet, ganz in der Nähe: Lena Weißmann (7) aus Vinnum hatte Limonade verkauft zu Gunsten der Flutopfer.

Über die Autorin
Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe

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