Hubertus Schürjann (r.) bleibt die Schiedsperson für Olfen, Andreas Bauch ist die neue Vertretung. © Thomas Aschwer
Besonderes Ehrenamt

Rat Olfen hat Schiedspersonen gewählt – Streit im Wohnzimmer schlichten

Der Rat hat entschieden: Hubertus Schürjann (70) bleibt die Schiedsperson für Olfen, Andreas Bauch (52) ist die neue Vertretung. Beide übernehmen ein Ehrenamt mit viel Konfliktpotenzial.

Die Hecke ist zu hoch, die Frösche machen einen unerträglichen Lärm, es gibt Streit um einen neuen Zaun: Wo Menschen (eng) zusammen leben, gibt es Konfliktpotenzial. Wenn dann zwei Seiten/Menschen keine Lösung finden, kommen Schiedspersonen ins Spiel. Sie versuchen, mit den Beteiligten eine einvernehmliche Lösung zu finden und möglichst den Gang vor ein Gericht zu vermeiden.

Nicht in jedem Fall muss es ein offizielles Verfahren geben. Dispute können auch in einem sogenannten Tür-und-Angel-Gespräch beigelegt werden. „Dabei geht es um Kleinigkeiten. Es ist keine offizielle Schlichtung“, sagt Hubertus Schürjann. Im mittlerweile 11. Jahr ist er als Schiedsperson in Olfen aktiv. „Ich habe Zeit meines Lebens mit Menschen zu tun gehabt“, sagt Schürjann. „Mit 60 Jahren wollte ich mich in ein Ehrenamt einbringen.“

Die Anfrage vom damaligen Bürgermeister Josef Himmelmann kam also genau zum richtigen Zeitpunkt. Als vom Rat gewählter Schiedsmann erwies sich schnell als Vorteil, dass er viele Menschen und Gegebenheiten in der Steverstadt kennt. Bei den offiziellen Schlichtungen ging es überwiegend um Nachbarschaftsbelange. Mit etlichen Besonderheiten. Schürjann hat wiederholt erlebt, dass sich streitende Nachbarn nicht kannten – obwohl sie seit vielen Jahren eine gemeinsame Grundstücksgrenze haben.

Rückblick auf vergangene Jahre typisch für Schiedsverfahren

Eher die Regel als die Ausnahme ist hingegen, dass im Verfahren der eigentliche Streitpunkt in den Hintergrund gerät, dafür aber Dinge aus der Vergangenheit plötzlich eine große Rolle spielen. Die für die Schiedsperson vorgeschriebene Neutralität bekommt dann eine besondere Bedeutung. Gibt es für Hubertus Schürjann einen Fingerzeig, wann beide Parteien sich wirklich einig sind? „Ja, wenn sie sich die Kosten des Verfahrens teilen.“

Erfahrungen, die Andreas Bauch erst noch sammeln muss. Seit 25 Jahren wohnt er in Olfen. Ähnlich wie Hubertus Schürjann war für ihn jetzt der Zeitpunkt gekommen, sich ehrenamtlich zu engagieren. Nachdem er den Aufruf der Stadt in unserer Zeitung gelesen hatte, schickte er seine Bewerbung an die Stadt. „Positiv überrascht“ sei er, dass sich der Rat für ihn ausgesprochen haben. Auf den Aufruf waren schließlich etliche Bewerbungen eingegangen.

Um die rechtlichen Grundlagen zu lernen, muss Andreas Bauch an verschiedenen Seminaren teilnehmen, die – so die Erfahrung von Schürjann – häufig von ehemaligen Richtern gehalten werden. Die Angebote reichen dabei vom „Starterlehrgang für neue Schiedspersonen“ über „Schlichtungsgespräche im Rollenspiel“ bis zur richtigen Nutzung der Formulare. Außerdem gibt es einen Erfahrungsaustausch mit Schiedspersonen der Nachbarorte und in der Region. Verbunden sind diese Treffen in der Regel mit Fachvorträgen.

Erst Schiedsperson anrufen, dann Gang zum Gericht

Für alle Schiedspersonen gilt, dass sie vom Rat der Gemeinde auf die Dauer von fünf Jahren gewählt werden. „In Privatklagesachen, bei denen die Staatsanwaltschaft Anklage nur bei einem öffentlichen Interesse an der Strafverfolgung erhebt (Hausfriedensbruch, Beleidigung, Verletzung des Briefgeheimnisses, leichte Körperverletzung und fahrlässige Körperverletzung, Bedrohung sowie Sachbeschädigung), muss erst die Schiedsperson angerufen werden, bevor man sich an das Gericht wenden kann“, so die NRW-Landesregierung.

Auch für eine Reihe von bürgerlich-rechtlichen Streitigkeiten ist ein außergerichtliches Streitschlichtungsverfahren vorgeschrieben. Bei diesen Streitigkeiten ist eine Klage nur dann zulässig, wenn vorher versucht worden ist, in einem solchen Verfahren den Streit einvernehmlich beizulegen. Bei vielen Konflikten gibt es zudem Gütestellen, die bei Miet- und Nachbarrechtsstreitigkeiten oder Baumängeln helfen.

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer

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