Volker Nicolai-Koß (l.) und Ortwin Bickhove-Swiderski übten auf der Pressekonferanz schwere Kritik am Verlag Manuscriptum, der auch Bücher von AfD-Politikern verlegt. © Thomas Aschwer
Gebürtiger Olfener

Rechtspopulistischer Verlag aus Lüdinghausen: DGB plant Mahnwache

Mit einer Mahnwache am 7. Oktober will der Deutsche Gewerkschaftsbund auf die Ausrichtung des Verlages Manuscriptum aufmerksam machen, der vom gebürtigen Olfener Thomas Hoof gegründet wurde.

„Thomas-Hoof-Gruppe – Ein Wertschöpfungsverbund“ steht in großen Buchstaben auf einer etwas zurückliegenden Halle in einem Lüdinghauser Gewerbegebiet. Aus Sicht des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) – Kreisverband Coesfeld – wäre eine andere Beschreibung richtiger. Vor allem wenn es um die Bücher geht, die der dazu gehörende Verlag Manuscriptum verlegt. Auf seiner Internetseite finden sich bekannte Afd-Politiker wie Alexander Gauland und Björn Höcke ebenso wie der Verschwörungstheoretiker Jürgen Elsässer.

Damit nicht genug, ganz kurz vor der Bundestagswahl attackierte die Hoof-Gruppe in einer Postwurfsendung den SPD-Landtagsabgeordneten André Stinka aus Dülmen sowie den Gewerkschafts-Vorsitzenden des DGB-Kreisverbands, Ortwin Bickhove-Swiderski. Beispielhaft spricht Thomas Hoof von „hysterischen Presseerklärungen“. Dazu gibt es Karikaturen von Stinka und Bickhove-Swiders mit zynischen Bemerkungen. Sich selbst und vor allem sein Unternehmen stellt der gebürtige Olfener wenig überraschend sehr positiv dar.

Unternehmen stellt Steuerzahlungen an die Stadt heraus

Seit der Verlegung des Unternehmens von Waltrop nach Lüdinghausen vor vier Jahren habe die Firma „dem Stadtkämmerer 1,2 Millionen Euro allein an Gewerbesteuern überwiesen“. Zudem habe sie ein Gründerzeit-Gebäude „denkmalgerecht saniert. Das hat dem Straßenbild (…) sicher nicht geschadet“. Argumente, die beim Gewerkschaftsbund nicht verfangen.

„Die Bürgerinnen und Bürger sind schlau. Sie werden auf die einfache Polemik nicht hereinfallen“, sagte auf einer Pressekonferenz am Donnerstag (30.9.) Volker Nicolai-Koß, Geschäftsführer Deutscher Gewerkschaftsbund, Region Münsterland.

Einig ist er sich mit dem Kreisvorsitzenden, dass es zu den vordringlichen Aufgaben von Gewerkschaften gehört, sich politisch zu engagieren und gegen Verlage mit einer entsprechenden Ausrichtung vorzugehen. „Mit Zensur hat das nicht zu tun“, sagt Ortwin Bickhove-Swiderski. Beide Gewerkschafter hoffen darauf, dass sich bei der mittlerweile dritte Mahnwache am Donnerstag (7.10.) möglichst viele Bürgerinnen und Bürger vor dem Verlagsgebäude von Manuscriptum in Lüdinghausen, Bahnhofstraße 3, einfinden.

Eine Lagerhalle der Thomas-Hoof-Gruppe liegt im Lüdinghauser Gewerbegebiet.
Eine Lagerhalle der Thomas-Hoof-Gruppe liegt im Lüdinghauser Gewerbegebiet. © Thomas Aschwer © Thomas Aschwer

Die Gewerkschafter kündigten an, an diesem Abend die Bürger darüber aufklären zu wollen, „was dort publiziert wird“. Gleichzeitig solle deutlich werden, dass „der rechte Verlag in unserer Mitte keinen Platz hat.“ Aus Sicht von Nicolai-Koß und Bickhove-Swiderski entspricht das der Aufgabe von Gewerkschaften, „kritisch hinzuschauen und Bürger darüber zu informieren“. Allerdings will es der DGB damit nicht belassen.

Stadtrat und Bürgermeister sollen sich klar positionieren

Über einen Bürgerantrag an den Stadtrat Lüdinghausen will die Gewerkschaft erreichen, dass sich der Rat „klar positioniert, wie er zum Verlag steht“. Die beiden Gewerkschaftsvertreter könnten sich beispielsweise vorstellen, dass „keine städtische Einrichtung Bücher aus dem Verlag bezieht“. Klar positionieren soll sich nach ihrem Willen auch der Lüdinghauser Bürgermeister in dieser Frage. Unterstützung erhofft sich der DGB auch von Schulen in der Region, sie könnten sich im Unterricht mit dem Thema beschäftigen.

Auf Nachfrage räumten die beiden Gewerkschaftsvertreter ein, dass der DGB bislang keinen direkten Kontakt mit dem Verlag oder Thomas Hoof hatten. Die Gewerkschaft verfügt nach eigenen Angaben auch über keine Informationen über die Zahl der Mitarbeiter oder anderer Kennzahlen der Hoof-Gruppe. Bekannt ist, dass Thomas Hoof 1988 das Waren- und Versandhaus Manufactum gegründet hat, 1993 den angeschlossenen Verlag Manuscriptum Verlagsbuchhandlung. 2008 verkaufte Hoof seine Anteile an Manufactum an das Versandhaus Heine, ein Tochterunternehmen der Otto Group. Der Verlag und andere Bereiche blieben in seinem Besitz.

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer

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