Rettungsdienst fährt Millionendefizit ein

Mehr Einsätze im Kreis und in Olfen

Der Rettungsdienst im Kreis hat 2017 ein Minus von rund 2 Millionen Euro eingefahren – 350.000 Euro mehr als Anfang Dezember bekannt. Einschnitte soll es aber nicht geben. Es wird weiter investiert.

Olfen/Kreis Coesfeld

, 07.02.2018, 16:29 Uhr / Lesedauer: 3 min
Schnell soll im Notfall ein Rettungswagen vor Ort sein. Deshalb gibt es auch im Kreis Coesfeld ein dichtes Netz von Rettungswachen. Das kostet natürlich. Um Geld zu sparen, ist die Olfener Wache nachts nicht besetzt. Dann ist die Wache in Lüdinghausen für die Steverstadt verantwortlich.

Schnell soll im Notfall ein Rettungswagen vor Ort sein. Deshalb gibt es auch im Kreis Coesfeld ein dichtes Netz von Rettungswachen. Das kostet natürlich. Um Geld zu sparen, ist die Olfener Wache nachts nicht besetzt. Dann ist die Wache in Lüdinghausen für die Steverstadt verantwortlich. © Kalthoff

Zum 1. Januar 2018 hat der Kreis Coesfeld erst einmal die wichtigsten Grundgebühren drastisch erhöht – um bis zu 32 Prozent (beim Notarzt). Was bedeutet das für die Bürger in der Stadt und im Kreis? Wer muss für das Defizit aufkommen? Und wie geht es weiter mit dem Rettungsdienst? Dazu Fragen und Antworten.

Wie konnte es überhaupt zu einem so großen Defizit kommen? Der Kreis begründet die Lücke damit, „dass nach Jahren des kontinuierlichen Anstiegs sich die Einsatzzahlen 2017 nicht so entwickelt haben wie erwartet. Zwar seien die Einsatzzahlen weiter gestiegen, jedoch noch so stark wie prognostiziert. Damit fehlen am Ende des Jahres Einnahmen von rund 1 Million Euro.

Wer trägt das im vergangenen Jahr eingefahrene Defizit? Auf Anfrage unserer Redaktion räumte die Kreisverwaltung in Coesfeld ein, dass der Kreis das Defizit zunächst einmal selbst tragen muss. Er geht jedoch davon aus, dass ihm die Summe innerhalb der nächsten vier Jahren von den Krankenkassen zurückerwartet wird.

Wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass die Ausgaben so viel höher liegen als die Einnahmen? Die höheren Ausgaben begründet die Kreisverwaltung vor allem mit gestiegenen Personalkosten, „die überwiegend auf die zu großen Teilen bereits erfolgte Umsetzung des Notfallsanitätergesetzes zurückzuführen sind.“ Im Klartext: In 2017 sind zahlreiche Mitarbeiter umfassend aus- und fortgebildet worden, um auch künftig die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen. Weitere Kosten sind dadurch entstanden, dass Container gemietet werden mussten, um in der auch für Olfen zuständigen Wache in Lüdinghausen zusätzlichen Platz für die Mitarbeiter zu schaffen.

Wie schätzt das Rote Kreuz die Situation ein, das in fast allen Städten und Gemeinden im Kreis (Ausnahme Dülmen – hier übernimmt die Feuerwehr die Aufgabe) für den Rettungsdienst verantwortlich ist? „Die Einsätze sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen“, sagt DRK-Vorstand Christoph Schlütermann. „2006 gab es kreisweit rund 9000 RTW-Einsätze. Diese Zahl hat sich mittlerweile fast verdoppelt.“ Deutlich zugenommen haben in dem Zeitraum auch die Notarzteinsätze. „Zudem sind die Anforderungen an den Rettungsdienst gestiegen.“

Wie und wo kann man das konkret festmachen? DRK-Vorstand Schlütermann weist darauf hin, dass es früher keine Azubis gab, jetzt gebe es 20. Deutlich gestiegen seien auch die Kosten für einen Rettungswagen – auf 200.000 Euro. „Der Kreis muss zudem in moderne Rettungswachen investieren.“ Schlütermann räumt in diesem Zusammenhang ein, dass die Erweiterungen in den vergangenen Jahren „zu kurz gegriffen haben.“ Gut aufgestellt sieht er aktuell beispielsweise Senden mit der vor rund zwei Jahren gebauten Wache und Ascheberg. Auch hier entsteht nach Sendener Vorbild eine neue Wache.

Stehen noch weitere Investitionen in Wachen in den nächsten Jahren an? Großen Handlungsbedarf sieht der DRK-Vorstand in Lüdinghausen – obwohl der Kreis hier erst vor rund zehn Jahren investiert hat. Sollte es wie in Senden und Ascheberg eine neue Wache gebe, muss erst einmal die Standortfrage geklärt werden. „Weiter Richtung Innenstadt und Richtung Seppenrade sind keine guten Standorte, denn die Lüdinghauser Wache ist auch für Nordkirchen und nachts auch für Olfen zuständig.“

Wie viele Wachen gibt es überhaupt im Kreis? Der Kreis Coesfeld ist Träger von acht Rettungswachen an folgenden Standorten:

Ascheberg, Billerbeck, Coesfeld, Dülmen, Havixbeck, Lüdinghausen, Nottuln und Senden. Zusätzlich betreibt der Kreis Coesfeld in Olfen einen Rettungswagen, der organisatorisch als zweiter RTW Lüdinghausen der dortigen Wache zugeordnet ist.

Wie hat die Kreispolitik auf das Defizit reagiert? Für einen Rettungswageneinsatz (RTW) steigt die Grundgebühr nach einem einstimmigen Beschluss des Kreistages um 17,5 Prozent auf 558 Euro, beim Krankentransportwagen (KTW) sogar um 20,4 Prozent auf 254 Euro und beim Notarzteinsatz um stolze 32 Prozent auf 652 Euro. Das ist deutlich mehr als etwa in der Stadt Münster. Für einen Rettungswageneinsatz beträgt die Grundgebühr 407 Euro – rund 150 Euro weniger als im Kreis Coesfeld.

Was sagt dazu DRK-Vorstand Christoph Schlütermann? Aus seiner Sicht ist die Situation in der kompakten Stadt Münster ganz anders als in dem Flächenkreis Coesfeld. Eine Position, die der Kreis Coesfeld teilt.

Wie geht es mit dem Rettungsdienst im Kreis weiter? Noch in diesem Jahr soll ein neuer Rettungsbedarfsplan verabschiedet werden. „Er ist mit den Krankenkassen abzustimmen und gilt dann wieder für fünf Jahre“, sagt auf unsere Anfrage die Coesfelder Kreisverwaltung. Sie sagt zudem, dass jeder Kreis frei in seiner Entscheidung sei, die Gebühren für Notarzt, Rettungs- und Krankentransportwagen festzulegen.

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