So schafft die Olfener Steverumflut Lebensräume

Experten resümieren

2002 begannen die Planungen für eine Umflut der Stever in Olfen. Zehn Jahre später waren alle Details geklärt. Im November 2014 rückten die Bagger an, und schon im März 2015 war die "Fischtreppe" an der Füchtelner Mühle fertig. Wie die Umflut funktioniert und wo sich schon deutliche Erfolge zeigen, erklären Olfener Natur-Experten.

OLFEN

von Maria Niermann

, 01.01.2016, 05:57 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Eisvogel fühlt sich an der Stever wieder wohl.

Der Eisvogel fühlt sich an der Stever wieder wohl.

So funktioniert die Steverumflut an der Füchtelner Mühle

Die Steverumflut ist ein künstliches Nebengerinne. Es geht auf Höhe des Steverstadions in Richtung der Füchtelner Mühle ab und mündet unterhalb wieder zurück in die Stever. Insgesamt fließen nun seit März dieses Jahres 650 Liter Wasser pro Sekunde von der Stever aus durch dieses künstlich geschaffene Gerinne.

Mithilfe einer Fischtreppe - richtig heißt das Bauwerk Fischaufstiegs- beziehungsweise -abstiegsanlage - wird eine Lockströmung geschaffen, die den Fischen hilft, diese Umflut zu finden. "Kurz vor der Füchtelner Mühle werden nochmals 250 Liter Wasser pro Sekunde aus der Stever über eine Fischtreppe abgeführt", erläutert Projektleiter Andreas Nünneke vom Olfener Bauamt. "So haben hier die Fische nochmals die Möglichkeit, die Turbinen des folgenden Kraftwerks zu umschwimmen."

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So nimmt die Natur die Steverumflut an

Eine Umflut der Stever an der Füchtelner Mühle sorgt für neue Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Die Natur nimmt sich dem künstlichen Gerinne mehr und mehr an. Viele Vögel nutzen die Uferregionen als Brutplätze. Auch das Aufkommen der Fische ist nach ersten Erfahrungen gestiegen. In Dieser Fotostrecke sehen Sie, wie es im Bereich der Umflut mittlerweile aussieht.
23.11.2015
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Der Eisvogel fühlt sich an der Stever wieder wohl.© Foto: Joachim Schilling
Die künstlich angelegten Fischtreppen überbrücken das Gefällte, je "Treppenstufe" sind das rund 8 cm© Foto: Maria Niermann
Die Heckrinder queren die Umflut an niedrigen Stellen© Foto: Maria Niermann
Die künstlich angelegten Fischtreppen überbrücken das Gefällte, je "Treppenstufe" sind das rund 8 cm© Foto: Maria Niermann
An der einen Seite Steilufer, an der anderen Seite ein Gleithang© Foto: Maria Niermann
Auch Austernfischer leben an den Ufern.© Foto: Joachim Schilling
Die Fischtreppen sorgen für unterschiedliche Strömungsgeschwindigkeiten© Foto: Maria Niermann
Viele Vögel erkennen in der Stever einen geeigneten Lebensraum.© Foto: Joachim Schilling
Der Eisvogel fühlt sich an der Stever wieder wohl.© Foto: Joachim Schilling
Der Eisvogel fühlt sich an der Stever wieder wohl.© Foto: Joachim Schilling
Viele Vögel erkennen in der Stever einen geeigneten Lebensraum.© Foto: Joachim Schilling
Viele Vögel erkennen in der Stever einen geeigneten Lebensraum.© Foto: Joachim Schilling
Totholz in der Stever sorgt für unterschiedliche Strömungsgeschwindigkeiten und für Anschwemmungen© Foto: Maria Niermann
Ein Idyll - die Steverauen in Olfen© Foto: Maria Niermann
Ein Überbleibsel der früheren Bewohner des Campingplatzes© Foto: Maria Niermann
Norbert Niewind, der Betreuer der Steverauen, zeigt den Weg der Umflut auf© Foto: Maria Niermann
Totholz in der Stever sorgt für unterschiedliche Strömungsgeschwindigkeiten und für Anschwemmungen© Foto: Maria Niermann
650 Liter pro Sekunde fließen an der Entnahmestelle in die Umflut© Foto: Maria Niermann
Unterhalb der Füchtelner Mühle fließt die Umflut wieder in die Stever© Foto: Maria Niermann
650 Liter pro Sekunde fließen an der Entnahmestelle in die Umflut, auch hier sind Fischtreppen angelegt© Foto: Maria Niermann
An der einen Seite Steilufer, an der anderen Seite ein Gleithang© Foto: Maria Niermann
An solchen Steilufern fühlt sich der Eisvogel besonders wohl© Foto: Maria Niermann
Die Fischtreppen sorgen für unterschiedliche Strömungsgeschwindigkeiten© Foto: Maria Niermann
Die künstlich angelegten Fischtreppen überbrücken das Gefällte, je "Treppenstufe" sind das rund 8 cm© Foto: Maria Niermann
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Dieses künstliche Gerinne ist 1,4 Kilometer lang, die Sohle rund 2 Meter breit, die Böschung 8 Meter. Diese Maße sind allerdings an vielen Stellen schon nicht mehr wiederzuerkennen. "Kurz vor Ostern gab es schon das erste Hochwasser, das die neue Umflut erlebte", berichtet Norbert Niewind, der Betreuer der Steverauen. "Und sofort konnten wir beobachten, wie das Wasser seinen Weg suchte."

Hochwasser schafft natürliche Uferregionen und Brutplätze

An sandigen Stellen wurde die Umflut durch dieses Hochwasser sehr breit, an lehmigen Standorten blieb die vorgegebene Breite. An einigen Stellen brach das Ufer ab, es entstanden natürliche Steilhänge, an anderen Stellen gibt es Gleithänge. Auch die Tritte der Heckrinder sorgen für eine ständige Veränderung der Uferzonen.

Olfens Bürgermeister Wilhelm Sendermann berichtet von Totholz, das in die Umflut und auch in die Stever eingebracht wird. "Diese Bäume und Wurzeln beeinflussen die Strömung. Die unterschiedlichen Strömungsdiversitäten sorgen für Ablagerungen von Sand und Treibgut. Es entstehen die unterschiedlichsten Lebensräume für Fische." Das sogenannte Totholz wird mit Rundhölzern und Stahlstützen gegen Verdrehungen und Wegschwimmen gesichert.

So sah die Steverumflut unmittelbar nach der Fertigstellung aus:

 

Das sagen Experten zu ersten Erfolgen der Steverumflut

Georg Holtmann, in Olfen als Storchenvater bekannt, gerät regelrecht ins Schwärmen, wenn er über die Steverauen und die neue Umflut berichtet. "Zum Beispiel der Eisvogel", sagt er, "den hatten wir schon länger in den Auen, aber er hatte große Schwierigkeiten, Brutmöglichkeiten zu finden. Und diese findet er nun in den Abbruchkanten der Umflut."

Dort habe der Eisvogel die Möglichkeit, Brutröhren zu bauen. "Und dann der Flussuferläufer: An steinigen Ufern findet er keinen Lebensraum. Er braucht Strände - und die hat er jetzt bei uns." Der Vogel-Fachmann zählt noch weitere Vögel auf: "Der Austernfischer, die Grau-, Nil- und Kanadagans, der Storch, der Zwergtauche, und viel mehr. Die Steverauen sind damit ein ganz großes Plus für die Natur in Olfen."

Fischereiverein zeigt sich nach ersten Erfahrungen zufrieden

Auch der Fischereiverein scheint zufrieden. Vorsitzender Claus Bunte mag sich noch nicht so weit aus dem Fenster lehnen. "Da müssen wir ein offizielles Monitoring abwarten", sagt er. Allerdings berichten die Mitglieder des Vereins von einer Zunahme der Fischpopulation, insbesondere bei Jungfischen. "Es scheint, dass sich die Umflut so auszuwirken beginnt, wie wir es erhofft haben", sagte Claus Bunte.

Norbert Niewind, der Betreuer der Steverauen, hat sofort eine Veränderung bemerkt: "Im März war die neue Umflut fertig - schon Ende April war die Uferschwalbe hier. Die gab es vorher nicht bei uns."

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