Ingo Knüver hat Anfang Oktober die Leitung des Vitus-Stift Olfen übernommen. Er hat jetzt erste Zukunftspläne entwickelt. © Thomas Aschwer
Coronapandemie

So will das Vitus-Stift erreichen, dass es kein Besuchsverbot gibt

Einen freien Platz in der Kurzzeitpflege zu finden, war für Angehörige über Jahre eine große Herausforderung. Bis Corona kam. Die Pandemie hat Anfragen im Vitus-Stift massiv verändert.

Gerade einmal zwei feste Kurzzeitplätze hat das St. Vitus-Stift. Dazu kommen sechs eingestreute Kurzzeitpflegeplätze. Kein Wunder, dass in der Vergangenheit „Heimfinder-App“ oder -Internetseite Angehörigen meist wenig gebracht haben. Freie Plätze waren rasend schnell vergeben. Suchende Menschen telefonierten sich „die Finger wund“. Doch die Situation hat sich grundlegend geändert.

„Wir haben eine enorm hohe Ausfallquote bei Kurzzeitplätzen“, sagt Ingo Knüver, der am 1. Oktober die Hausleitung des Stifts übernommen hat. Er kennt auch einen entscheidenden Grund für die Entwicklung. Angehörige würden in der Pandemie nicht in Urlaub fahren deshalb auch keine Betreuung durch das Stift benötigen. Wenn aber über Tage und Wochen Kurzzeitplätze nicht belegt sind, hat das finanzielle Folgen für das Stift. Einnahmen brechen weg.

Ganz anders die Situation in der stationären Pflege. „Wir sind voll belegt“, sagt Ingo Knüver. Er stellt in der Corona-Pandemie eine zweite Entwicklung fest. Menschen, die bislang alleine gelebt haben, vereinsamen. Beliebte und bewährte Betreuungsangebote brechen auch aktuell im Teillockdown weg. Um dennoch einen regelmäßigen Kontakt mit anderen Menschen zu haben, denken Senioren verstärkt über einen Umzug in ein Stift nach.

Bislang hat es noch keinen Coronafall im Haus gegeben

Für das Vitus-Stift gibt es viele gute Argumente. Als absolut positiv bewertet Ingo Knüver, dass es „bislang noch keinen Corona-Fall im Haus gegeben hat.“ Damit das möglichst so bleibt, sind Strukturen geändert und Maßnahmen eingeführt worden. Das merken Besucher direkt am Eingang. Ihre Temperatur wird gemessen, zudem müssen sie ein Datenblatt ausfüllen.

Einen Schnelltest gibt es im Vitus-Stift noch nicht. „Wir warten darauf, dass ein großer Verband ein Konzept erstellt hat, für ein kleines Haus ist das nicht zu stemmen“, sagt die Hausleitung. Um darauf vorbereitet zu sein, hat das Stift bereits Tests gekauft. Vor einer Einführung müsse zudem das Personal geschult werden.

Bewährt hat sich nach Einschätzung des Hauses eine klare Verhaltensregel: „Die Besucher bewegen sich nicht im Haus, die Treffen finden im Besucherzimmer statt“, sagt Knüver. Ihm ist es gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit sehr wichtig, kein Besuchsverbot aussprechen zu müssen. Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es ein umfassendes Hygienekonzept. Dazu gehören natürlich ein Mundschutz und – wo immer es möglich ist – ein entsprechender Abstand.

Betreutes Wohnen nimmt Essen nicht mehr im Stift ein

Zum Essen kommen immer nur die einzelnen Wohnbereiche. Wer neu im Haus ist, bekommt sein Essen in den ersten sieben Tagen auf das Zimmer. Überhaupt nicht mehr im Stift nehmen die Bewohner des betreuten Wohnens in direkter Nachbarschaft das Essen ein. Sie werden jetzt versorgt. „Wir wollen nicht mischen“, sagt Knüver, der von „einem sehr herzlichen Empfang berichtet“.

In den ersten Wochen als neuer Leiter des Stifts hat er viele Gespräche geführt. Dabei habe er deutlich gemacht, „dass wir hier ein Team sind“ und so auch Entscheidungen treffen werden. Die ersten Dinge sind auf den Weg gebracht. Im März starten drei neue Auszubildende – ausnahmslos Pflegeassistenten des Stifts. Perspektivisch sollen aber auch Externe eine Chance zur Ausbildung haben.

Insgesamt sieht Ingo Knüver das Haus gut aufgestellt, sieht aber zugleich Veränderungsbedarf. Ein großes Thema ist dabei die Digitalisierung, die die neue Hausleitung vorantreiben will – auch beim Dienstplan. Das sei bei 100 Mitarbeitern über alle Bereiche zwar zunächst mit einigem Aufwand verbunden, habe aber langfristig viele Vorteile.

Zentrales Thema wird nach Einschätzung von Ingo Knüver aber noch über Wochen und Monate Corona sein. „Wir arbeiten mit einem Klientel, das unheimlich gefährdet ist.“

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer

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