Sperber im Garten: Schnappschuss aus Olfen zeigt immer seltener werdenden Greifvogel

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In einem Olfener Garten taucht ein Sperber immer wieder in einen Wasserbottich und badet sich. Ein seltener Anblick sagt Uwe Norra vom NABU in Selm, denn der Sperber sei auf dem Rückzug.

von Carina Strauß

Olfen, Selm

, 29.02.2020, 17:14 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Mittelalter war der Sperber für die Menschen „der kleine Adler, der Spatzen fängt“, sagt Uwe Norra vom NABU Selm. Damals wie heute jage der kleine Greifvogel kleinere Vögel in der Nähe von Menschen. So kam der habichtartige Greifvogel wohl auch zum Baden in einen Olfener Garten.

Der Sperber ist gut erkennbar am Gefieder auf der Brust. Die wellenförmigen Querbänder werden auch „Sperberung“ genannt. Die weiblichen Exemplare des Sperbers sind deutlich größer als die männlichen. Dementsprechend unterscheidet sich auch ihre Beute. „Dadurch machen sie sich beim Jagen keine Konkurrenz“, so Norra.

Erkennungszeichen des Sperbers sind die wellenförmigen Querbänder auf der Brust, auch „Sperberung“ genannt.

Erkennungszeichen des Sperbers sind die wellenförmigen Querbänder auf der Brust, auch „Sperberung“ genannt. © Werner Zempelin

Sperber sind Kleinvogeljäger

Die Beute der Sperber besteht zumeist aus Kleinvögeln. „Der Sperber fliegt mit hohem Tempo auf niedriger Höhe und macht auch vor Hecken nicht halt“, so Uwe Norra. Dadurch sei er ein Überraschungsjäger, der die Vögel fängt, die am langsamsten sind. „Das sind dann natürlich nicht die gesündesten Vögel“, sagt Norra weiter. Dadurch käme dem Sperber in der Natur die Rolle einer Gesundheitspolizei zu.

Doch diese rasante Art zu jagen ist nicht immer die ungefährlichste. „Die Sperber fliegen sich manchmal zu Tode. Wenn sie so schnell fliegen, kann es passieren, dass sie gegen Fenster, Autos, oder Ähnliches prallen“, erklärt Norra die Gefahren.

Die kleinen Greifvögel sind auf dem Rückzug

Nachdem die Jagd auf die Greifvögel verboten worden sei, habe sich der Bestand der Sperber sichtlich erholt sagt Uwe Norra. „Aber es sind wieder weniger geworden.“ Mit dem allgemeinen Vogelschwund sei auch die Sichtung von Sperbern seltener geworden. Denn wenn seine Beute weniger wird, zieht der Sperber dorthin, wo es mehr Kleinvögel gibt. Das bedauert der Naturschützer sehr. „Ich habe 2015, 2016 in meinem Garten die letzten Sperber gesehen. Seither nicht mehr.“

Ein seltener Anblick - Im Garten von Werner Zemplin nutzt ein Sperber die Bademöglichkeit.

Ein seltener Anblick - Im Garten von Werner Zemplin nutzt ein Sperber die Bademöglichkeit. © Werner Zempelin

Guter Zustand des Gefieders extrem wichtig für die Vögel

Und warum badet der seltene Vogel in einem Olfener Garten? „Der Sperber wechselt sein Gefieder nur einmal im Jahr, nämlich im Herbst“, erklärt Uwe Norra. „Der Jäger ist von einem guten Zustand des Gefieders abhängig.“ Der Sperber verbringe viel Zeit mit der Pflege des Gefieders. Sei es durch Putzen, Baden, Sonnenbaden oder Einfetten. Einfetten? „Die Sperber haben eine Bürzeldrüse, die sich am unteren Ende des Rückens befindet“, so Norra. Mit dem ausgesonderten Sekret können die Vögel ihr Gefieder wasserabweisend einfetten.

Vermutlich hatte der Sperber in dem Olfener Garten schon eine weite Reise hinter sich, als er zum Baden Rast machte. Denn „im Winter ziehen die Sperber aus Deutschland in Richtung Frankreich und Spanien“, sagt Uwe Norra. Bei uns hingegen würden die skandinavischen Sperber überwintern.

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