Stadt Olfen macht mit Hauskauf am Marktplatz Weg frei für weitere Belebung des Zentrums

mlzAbriss und Neubau

Auf dem Olfener Marktplatz tut sich was, nicht nur im Festzelt zu Karneval. Wo heute noch Leerstand herrscht, soll schon bald Neues entstehen – zum Essen und Trinken, Wohnen und zum Parken.

Olfen

, 03.03.2019, 05:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wir werden 2019 wieder unsere Innenstadt in den Fokus nehmen.“ Das hatte Bürgermeister Wilhelm Sendermann im Dezember in seiner Haushaltsrede gesagt. Was genau er damit meinte, ließ er noch offen. Inzwischen hat der Stadtrat Taten folgen lassen.

Am Dienstag auf dem Olfener Marktplatz: Wilhelm Sendermann steht zusammen mit Stadtplaner Christopher Schmalenbeck vor dem Haus Nummer vier. Die Sonne strahlt und lässt die Sonnenuhr auf dem weißen Giebel des Gebäudes einen Schatten werfen – noch. Denn die Zeit für das verputzte Gebäude ist abgelaufen.

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Jahrelang habe die Stadt auf dem Marktplatz nichts gemacht, sagt Sendermann. Die Folge: „Es ist auch wenig passiert.“ Zu wenig, wie der Bürgermeister befindet. In anderen Städten habe sich das Zentrum – auch Dank des Gestaltungswillens der politischen Entscheider – entwickelt. „Wir wollen das jetzt auch.“ Dem Haus Marktplatz Nummer vier kommt dabei eine Schlüsselrolle zu.

Das erste Kino von Olfen

Es hat mehrere Namen in Olfen: Die einen sagen „ehemaliger NKD“, die anderen sprechen von Haus Nölke. Zu ihnen gehört auch Peter Dördelmann. „Ich kenne das Haus noch als Kino“, sagt er auf Anfrage der Redaktion. In den 1920er-Jahren hatte der Kaufmann Ferdinand Roeing, genannt Nölke, dort das erste Olfener Kino eröffnet – sichtbarer Ausdruck dessen, dass die Moderne Einzug gehalten hatte. Und mit ihr offenbar auch die sittliche Gefährdung der Jugend, wie zumindest der damalige Pfarrer Franz Roters befürchtete.

Der Gottesmann eröffnete kurz nach der Inbetriebnahme des kleinen Lichtspielhauses ein eigenes Kino im Leohaus. Das Geld dafür gab der katholische Mütter-, Jungfrauen- und Arbeiterverein, wie Hans-Walter Schmuhl in der „Geschichte der Stadt Olfen im 20. Jahrhundert“ schreibt.

Erst Supermarkt, dann Textilgeschäft

Wann genau verpackte Lebensmittel bewegte Bilder verdrängten, ist nicht bekannt. Fest steht: „Später war im Haus der Supermarkt delta“, sagt Johannes Leushacke, ebenfalls Mitglied des Heimatvereins. Auf alten Postkarten aus seiner Sammlung ist dieser Schriftzug noch zu lesen. Zum Schluss war das Textilunternehmen NKD dort heimisch – bis vor acht Jahren. Damals zog das Unternehmen einige Schritte weiter nach links auf den Marktplatz. Seitdem ist Haus Nummer vier leer.

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Der Marktplatz ist die gute Stube der Stadt, der Ort, an dem man sich trifft, an dem man gerne verweilt. „Darum ist es wichtig, dass wir hier auch Aufenthaltsqualität bieten“, sagt Sendermann. Der hartnäckige Leerstand passe nicht dazu. „Wir wollen und werden uns da weiterentwickeln.“ Deswegen soll der Abrissbagger am besten noch in diesem Jahr anrollen und Platz machen für einen Neubau: einem besonderen Wohn- und Geschäftshaus, wie Sendermann sagt.

Zwei Stockwerke für Wohnungen

Im ersten und zweiten Geschoss sollen Seniorenwohnungen entstehen, wie er mitteilt, „und im Erdgeschoss eventuell Gastronomie“. In den nächsten Monaten werde er das Vorhaben konkretisieren.

861 Quadratmeter ist das Grundstück am Marktplatz groß – und damit deutlich tiefer als der Betrachter, der vor der weißen Fassade steht, ahnt. „570 Quadratmeter sind bebaut“, so Christopher Schmalenbeck. Die bebaute Grundfläche wird künftig eher kleiner werden, denn die Fläche will die Stadt noch anders nutzen: „Wir brauchen weitere Parkplätze“, sagt der Bürgermeister. Gut 15 zusätzliche Parkplätze sollen hinter dem Haus entstehen. Aber wie dorthin kommen? Schließlich handelt es sich bei der Marktplatzbebauung um einen durchgehenden Gebäuderiegel, und das soll auch künftig so bleiben. Die Antwort findet sich ein paar Schritte weiter rechts.

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„Hier“, sagt Wilhelm Sendermann und zeigt mit langem Arm nach hinten auf das Haus Nummer sieben in der schmalen Funnenkampstraße, die vom Marktplatz nach rechts wegführt, „hier entsteht die Zufahrt“. Das Haus werde ebenfalls abgerissen. Dort plane ein Investor einen Neubau, „mit einer Durchfahrt nach hinten“ – zum neuen Parkplatz: nicht die einzige künftige Baumaßnahme auf der Funnenkampstraße.

Weitere Baumaßnahmen im Zentrum

Dieses Mal drehen sich Sendermann und Schmalenbeck um 180 Grad. Das Haus Nummer vier haben sie hinter sich gelassen und blicken jetzt auf das sogenannte gelbe Haus: ein Bürgerhaus aus dem 19. Jahrhundert, das noch zum Marktplatz gehört. Dort ist das Bürger- und Tourismusbüro untergebracht. Links daneben: eine Gasse. Die beiden zeigen auf das direkt folgende Haus, das einst eine Metzgerei und zuletzt eine Videothek beheimatet hat. Jetzt steht es leer. „Auch hierfür gibt es Neubaupläne“, sagt Sendermann mit Verweis auf einen privaten Interessenten.

2022 soll es auf der anderen Seite des Marktplatzes, an der Kirchstraße, losgehen. Dort wird die Stadt selbst Bauherr sei und einen Rathausanbau errichten.

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