Steverauer Jungstörche auf dem Weg in den Süden

Zwei Horste

Drei Jungstörche aus der Steveraue haben sich auf den Weg ins Winterquartier gemacht. Ein großer Erfolg, schließlich mieden die großen Vögel bis vor wenigen Jahren die beiden Horste in der Steveraue. Kein Vogelpaar wollte hier seinen Nachwuchs großziehen – bis sich der Vogel-Experte Georg Holtmann einen Trick einfallen ließ.

OLFEN

, 15.08.2014, 05:49 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Störche bieten ein schönes Schauspiel.

Die Störche bieten ein schönes Schauspiel.

Dann griff Holtmann 2008 zu einem Trick: Er strich etwas Pferdedung und weiße Farbe auf die Plattform des Horstes und wenige Tage später zog das erste Storchenpaar ein und zog seine Jungen dort auf. Seit 2009 gab es immer zwei Storchenpaare in der Steveraue. "Das ist schon bemerkenswert, denn zuvor war der letzte Storch im Münsterland 1918 registriert worden", erzählt Holtmann. Dieses Jahr machte es sich diese Storchenfamilie in einem der beiden Horst gemütlich:

  In der Regel habe jedes Paar zwei bis drei Junge, allerdings: "Es sterben natürlich auch immer mal welche. In diesem Jahr war Ende Mai so schlechtes Wetter und es war so kalt, dass auch einige Junge gestorben sind, weil sie noch nicht das dichte, schützende Gefieder hatten. Deshalb gab es in diesem Jahr nur drei Junge." Wie traurig ist Holtmann über solche Fälle? "Naja, es ist natürlich nicht schön, aber man muss sich besinnen, dass das eben die Natur ist." Eigentlich mache dem Storch Kälte wenig aus. Es komme sogar vor, dass die Störche im Winter gar nicht in den Süden fliegen, erklärt Holtmann.

"Es darf nur kein Schnee liegen, denn dann finden sie keine Nahrung." Störche sind nicht wählerisch, von Regenwürmern über Mäuse und Fische fressen sie fast alles an Kleintieren. Holtmann: "Die Jungtiere brauchen besonders viele Regenwürmer, weil sie die am besten vertragen. Deshalb siedeln sich Störche gerne in feuchten Wiesen an." Und die Steveraue bietet da beste Bedingungen. Nach drei Monaten sind die Jungvögel flügge und fliegen dann alleine nach Süden. Die Jungstörche sind in diesem Jahr bereits aufgebrochen, den letzten hat Georg Holtmann am Samstag gesehen. Die Eltern erholen sich jetzt noch ein wenig von den Strapazen der Nachwuchs-Aufzucht und treten dann ebenfalls die Reise nach Nordafrika an.

Der eine oder andere wird sicher wiederkommen, erklärt Holtmann, denn: "Störche sind horsttreu. Von einem beringten Storch wissen wir, dass er in diesem Jahr zum dritten Mal hier ist." Die Beringung ist immer ein großes Ereignis, aber in diesem Jahr musste es ausfallen, der große Sturm kam dazwischen. Der Hubsteiger der Stadt Olfen, den man benötigt, um an die Horste heranzukommen, wurde anderweitig gebraucht. "Und als das Gerät verfügbar war, waren die Störche schon zu groß."

Holtmann ist froh, dass der Storch mittlerweile wieder eine Chance hat. "Er gehörte immer zum Lebenskreislauf und galt als Glücksbringer, aber er hatte keine Chance, weil überall die Lebensräume verschwanden. Jetzt werden viele Gebiete renaturiert, so wie hier in der Steveraue, und dadurch hat sich die Population erholt."

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