Seit Anfang des Jahres patrouilliert ein neuer Sicherheitsdienst mehrmals pro Woche in Olfen. Dabei gab es auch schon so manche kuriose Begegnung. Wir haben sie einen Abend lang begleitet.

Olfen

, 17.08.2019, 16:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

Im Schritttempo fahren die Sicherheitsleute Mark (30) und Andreas Kuhnert (34) am Spielplatz an der Alfred-Nobel-Straße vorbei. Alles scheint ruhig zu sein, niemand ist zu sehen. Doch dann bemerken die Brüder etwas Ungewöhnliches.

Ein Motorroller steht gut versteckt hinter einer Hecke – vom Fahrer fehlt allerdings jede Spur. Doch den beiden ganz in schwarz gekleideten Männern entgeht nichts. Schnell haben sie ein junges Pärchen in einem kleinen Haus auf dem Klettergerüst entdeckt. Die beiden Männer bleiben gelassen, parken ihr Auto am Straßenrand und betreten den Spielplatz – einer nimmt den rechten, der andere den linken Eingang.

Viele sind freundlich, aber eben nicht alle

„Möchtet ihr einmal rauskommen, dann können wir uns besser unterhalten“, ruft der 34-jährige Andreas Kuhnert nach oben. Er erklärt den beiden, dass der Spielplatz nach 20 Uhr geschlossen ist. Die Zwei verstehen das und versprechen, sofort zu gehen. Dennoch warten die Brüder, bis die beiden das Grundstück wirklich verlassen haben.

Solche Fälle sind Mark und Andreas Kuhnert am liebsten. „Zu 95 Prozent sind sie auch freundlich“, erzählt der 1,87 Meter große Andreas Kuhnert. Doch es gebe eben auch andere Begegnungen. Die, „bei denen wir etwas energischer vorgehen müssen“, sagt er. Den beiden Männern ist es aber wichtig, keinen Konflikt entstehen zu lassen. „Wir versuchen, immer zu reden“, sagt der nur etwas kleinere Mark Kuhnert.

Stadt will Präsenz zeigen

„Es gibt natürlich auch die, die Alkohol trinken und einen auf halbstark machen“, erklärt sein älterer Bruder. Doch das seien Ausnahmefälle. Ab und an komme es auch vor, dass manche direkt wegrennen, wenn sie die Lüdinghauser sehen. Dank ihrer Arbeitskleidung ist direkt ersichtlich, dass sie zu einem Sicherheitsdienst gehören.

Das darf ein privater Sicherheitsdienst

  • Bei einer Straftat dürfen die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes die Täter fixieren, erklärt Winfried Pinninghoff, Geschäftsführer von G-P-Security.
  • Ist den Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes aber der Name des Täters bekannt, dürfen sie ihn nicht festhalten, so Pinninghoff. Denn dann können sie der Polizei sagen, wer der Täter ist.
  • In beiden Fällen rufen sie aber auf jeden Fall die Polizei und warten dann, bis die Beamten erscheinen und den Fall übernehmen.
  • Die Sicherheitsleute fungieren dabei dann auch als Zeugen. In letzter Zeit „tauchen sie öfter in Verfahren auf“, erzählt Britta Venker von der Pressestelle der Polizei des Kreises Coesfeld.
  • Waffen dürfen die Männer und Frauen des privaten Sicherheitsdienstes nicht tragen. „Nicht mal Pfefferspray“, erklärt der Geschäftsführer von G-P-Security.

Dreimal pro Woche patrouillieren die Mitarbeiter von G-P-Security in Olfen. 35.000 Euro habe die Stadt dafür in diesem Jahr veranschlagt, erklärt Bürgermeister Wilhelm Sendermann. Darin seien aber auch die Kosten für die Überwachung der Flüchtlingsunterkunft enthalten. Schon sei Jahren beschäftige die Stadt Sicherheitsdienste.

Dabei gehe es der Stadt vor allem darum, präsent zu sein und zu „zeigen, dass auch außerhalb der Öffnungszeiten geguckt wird“. Sollten sich Anwohner über regelmäßige Störungen in den Abendstunden beschweren, würden die Mitarbeiter von G-P-Security auch dorthin geschickt werden, sagt Sendermann.

Polizei ist täglich in Olfen unterwegs

Drei Stunden lang und in Zweierteams arbeiten die Männer und Frauen von G-P-Security. Nicht immer sind es die gleichen Sicherheitsleute. Oft werde getauscht. Auch die Uhrzeiten würden oft wechseln. „Damit man nicht die Uhr danach stellen kann, wann wir wo sind“, erklärt Andreas Kuhnert.

Wie häufig die Polizei in Olfen unterwegs sei, so Britta Venker von der Pressestelle der Polizei des Kreises Coesfeld, könne sie nicht sagen. „Dazu gibt es keine verlässlichen Zahlen, das ist immer einsatzabhängig.“ Die Polizei sei aber jeden Tag vor Ort. An einem Abend könne es jedoch zehn Mal vorkommen, an einem anderen dann deutlich seltener, so Venker.

Die Mitarbeiter von G-P-Security haben derweil feste, in der Reihenfolge variierende Orte, die sie kontrollieren. Etwa zehn solcher Plätze gebe es in Olfen, berichten Andreas und Mark Kuhnert. Einer davon ist der Wasserspielplatz vor dem Naturbad am Rande der Stadt. Am heutigen Abend ist dort aber niemand - und für eine Kontrolle des Schwimmbads „haben wir keine Befugnis“, so Mark Kuhnert.

Sicherheitsleute üben regelmäßig Selbstverteidigung

Einmal, erinnert er sich, traf er vor dem Eingang auf drei junge Männer. Einer sei gerade in den seichten Teich des Kinderspielplatzes gesprungen, als er den Sicherheitsmann entdeckte. „Daraufhin ist der sofort weggerannt“, erzählt er und lacht.

Es sind gerade solche Geschichten, die etwas skurrileren, die den beiden Männern viel Freude bereiten. Überhaupt mache ihnen die Arbeit sehr viel Spaß. Auch die Schulungen, an denen sie teilnehmen müssen, seien immer interessant.

Auch Selbstverteidigung werde regelmäßig geübt, erklärt Geschäftsführer Winfried Pinninghoff. Dafür gebe es extra ein Trainingszentrum und zwei Trainer. „Es geht uns darum, dass sie das Abwehrverhalten beherrschen.“

Führungszeugnis darf nicht älter als drei Monate sein

Seit über zwei Jahren ist Mark Kuhnert schon für G-P-Security tätig - die Idee hatte sein Bruder. Der arbeitet nämlich schon seit Ende 2015 bei der Firma aus Lüdinghausen. „Irgendwann hieß es, wir suchen noch jemanden“, erinnert sich der jüngere der beiden.

Auf Streife in Olfen: Das passiert bei den Kontrollen eines privaten Sicherheitsdienstes

Andreas Kuhnert (r.) ist bereits seit fast vier Jahren bei G-P-Security. Sein Bruder Mark kam vor zweieinhalb Jahren dazu. © Pascal Albert

Um in der Branche arbeiten zu dürfen, müssen aber einige Voraussetzungen erfüllt werden. Dazu gehört eine Ausbildung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit, erklärt Winfried Pinninghoff. Außerdem verlange sein Unternehmen, welches er mit seinem Sohn Gerhard Pinninghoff leitet, ein maximal drei Monate altes Führungszeugnis.

„Hoffentlich passiert auch weiterhin nichts“

Neben den Streifendiensten bietet die Firma G-P-Security noch weitere Leistungen an. Auch Andreas und Mark Kuhnert sind nicht nur für ein Aufgabenfeld zuständig. „Ich mache am liebsten Veranstaltungen“, erzählt Mark Kuhnert. Es sei ein gutes Gefühl, „Menschen zu helfen, die in schwierigen Situationen sind“, sagt er.

Gemeinsam mit seinem Bruder werde er als Einsatzleiter beim Rosenfest in Seppenrade (17. bis 19. August) dabei sein, erzählt der 30-Jährige. Darauf freue er sich schon besonders. „Bis jetzt hat das mit unserem Team immer gut geklappt, es ist noch nichts passiert“, erklärt er stolz. „Hoffentlich passiert auch weiterhin nichts“, fügt sein Bruder Andreas noch schnell hinzu.

Alle ein bis zwei Stunden „ein Lebenszeichen abgeben“

Er selbst favorisiere mehr die Baustellenbewachung. „Es macht schon Spaß, wenn man da seine Runden dreht“, sagt er. Dabei könne es auch durchaus vorkommen, dass er alleine auf der Baustelle sei. Dann müsse er sich aber alle ein bis zwei Stunden im Büro melden. „Ein Lebenszeichen abgeben“, nennt er es.

Aber auch die Patrouillen durch Olfen machen ihnen Spaß. Das spüren auch diejenigen, die von den Brüdern freundlich gebeten werden, das Gelände zu verlassen.

Als die Kuhnerts an der Gesamtschule ankommen, sehen sie schon von Weitem zwei Jungs auf dem Schulgelände. Die beiden erklären, dass sie sich nur wegen des Regens unterstellen wollten. Dafür haben die Sicherheitsleute Verständnis. Doch der Regen hat bereits aufgehört ,und die Jugendlichen werden gebeten, das Gelände zu verlassen - für die beiden kein Problem.

Eine häufig gestellte Frage

Der Bürgermeister habe sie angewiesen, die Gesamtschule häufiger zu kontrollieren, berichten die Brüder. Bei ihrer ersten Runde um das Schulgebäude entdecken die Wachleute noch eine weitere Gruppe. Wegrennen ist für die fünf Jugendlichen keine Option. Aber nicht, weil sie keine Fluchtmöglichkeit haben, sondern weil sie aus Errfahrung wissen, dass alles ruhig ablaufen wird - so lange sie sich ebenfalls vernünftig verhalten. Einer der anwesenden Schüler kennt Maik Kuhnert sogar schon. „Ich hab ihn bestimmt schon fünfmal gesehen“, erzählt der junge Mann. Ein lockeres Gespräch entsteht.

Die Schüler fragen, wo sie denn noch hingehen würden. „Die Frage kommt öfter“, sagt Mark Kuhnert. „Aber ihnen das zu sagen, ist nicht Sinn der Sache“, erklärt sein Bruder.

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