Sparkassen-Filialdirektor Michael Gerken (l.) mit Presbyterin Gudrun Schlaphorst und Pfarrer Thorsten Melchert. © Felsch
Tafel

Tafelausgabe in Olfen: „Eigentlich ein Skandal, dass es Tafeln gibt“

Anfang Oktober musste die Tafelausgabe in Olfen umziehen - vom Marienheim in das Evangelische Gemeindehaus. Das Team ist dankbar für die Möglichkeit - und gibt einen Einblick in die Arbeit.

Das Team der Olfener Tafel fühlt sich an seinem neuen Standort wohl. Nachdem die Tafelausgabe im Oktober aus dem Marienheim ausziehen musste, hat sie im Evangelischen Gemeindehaus im Gemeindesaal eine neue Bleibe gefunden. Hier können die freiwilligen Helfer um Presbyterin Gudrun Schlaphorst noch besser arbeiten. „Die Räumlichkeiten sind ebenerdig, hell und die Fahrer können bis an das Haus heranfahren. Wir müssen jetzt viel weniger schleppen“, sagt sie.

Ideale Räumlichkeiten auch in der Corona-Pandemie

Auch die Corona-bedingten Hygienemaßnamen einzuhalten klappt wunderbar – die Fenstertüren lassen sich öffnen und somit lässt sich der ganze Raum gut durchlüften. Auf den erneuten Lockdown war das Tafelteam vorbereitet – nachdem es im Frühjahr für einige Wochen keine Tafelausgabe gab, wollte man dieses Mal gewährleisten, dass die Tafel weiterhin geöffnet bleiben kann.

Neben dem Saal steht der Tafel auch ein kleiner Lagerraum direkt nebenan zur Verfügung – wofür einige kleine Umbauten nötig waren. Das Jugendbüro ist in den ersten Stock gezogen. Pfarrer Thorsten Melchert ist mit dem Ergebnis und der Zusammenarbeit mit der Tafel zufrieden. „Das ehrenamtliche Engagement ist hoch anzurechnen“, sagt er. Freiwillige Helfer gibt es in Olfen immer viele – und diese kümmern sich um die Spenden, den Auf- und Abbau sowie die Ausgabe der Lebensmittel und Artikel.

Das Team der Tafelausgabe beim Aufbau der Lebensmittelausgabe. © Felsch © Felsch

Ein Team übernimmt dabei den Aufbau der Ausgabe. Mit dem Lieferwagen werden vorab die Spenden eingesammelt – „das Meiste bekommen wir von den Supermärkten und Bäckern aus der Region“, so Schlaphorst. Die Spenden kommen an, werden verladen und sortiert. Dann werden die Produkte sortiert, so dass die schweren Sachen wie Konserven zuerst kommen und alles von den Kunden direkt eingepackt werden kann.

Zweites Team übernimmt Ausgabe an die Kunden

Das zweite Team übernimmt dann die Ausgabe an die Kunden. Auch diese ist gut organisiert: „Die Kunden sind angemeldet und haben Ausweise, die sie mitbringen“, erklärt Schlaphorst. „Das sind teilweise ganze Familien, auch viele Geflüchtete mit ihren Kindern.“ Für eine kleine Gebühr von zwei Euro können die Kunden dann alles erhalten, was verfügbar ist. Von dem Angebot machen zurzeit etwa 30 bis 35 Kunden Gebrauch – vor der Coronazeit waren es zwischen 40 und 45 Bedarfsgemeinschaften mit insgesamt etwa 120 Personen.

Wie lässt sich denn abschätzen, wer wie viel bekommt? „Das Team hat viel Erfahrung damit, wie viel herausgegeben werden kann, damit jeder gleich viel bekommt“, sagt Schlaphorst. „Und wenn dann doch mal von einer Sache etwas weniger da ist, versuchen wir, das dennoch gerecht zu verteilen.“ Und die Auswahl an Produkten ist groß – von frischem Obst und Gemüse bis hin zu Chips, Schokolade und Grundnahrungsmitteln wie Öl gibt es alles, was Bedürftigen die benötigte Unterstützung geben kann. Das Einzige, das nicht ausgegeben wird: Alkohol und hygienisch schwierige Produkte wie Fleisch oder Fisch. „Da wir keine dauerhaften Kühlungsmöglichkeiten haben, kommt das nicht infrage“, sagt Schlaphorst. Wie viel von welchen Lebensmitteln vorhanden ist, liegt natürlich an dem, was gespendet wird. „Manchmal gibt es dann auch weniger frische Lebensmittel.“

Eine Bedingung gibt es für die Kunden

Einzige Bedingung, die die Tafel an ihre Kunden stellt: Die Kunden müssen zur Ausgabe erscheinen. Für die Menschen, die nicht selbst zur Ausgabe kommen können, gibt es auch einen Lieferservice. Der wird vor allem für die älteren Menschen angeboten, die Bedarf am Angebot der Tafel haben – damit sollen diese ermutigt werden, sich im Falle der Bedürftigkeit bei der Tafel zu melden und diese nicht aufgrund der Corona-Situation zu meiden.

Gudrun Schlaphorst und Pfarrer Melchert wissen jedoch: „Viele Leute kommen nicht. Sie schämen sich dafür, bedürftig zu sein. Es ist schwierig, gerade in einer kleinen Stadt wie Olfen, wo sich jeder kennt.“ Und betroffen sein können Menschen jeden Alters – egal, wie ihre Situation war oder ist. „Es kann ja zum Beispiel eine veränderte Lebensbedingung sein, die einen in die Lage bringt“, sagt Melchert.

Schlaphorst und Melchert wünschen sich beide, dass mehr Menschen das Angebot auch wahrnehmen. Sensibilisierung für das Thema ist oberstes Gebot – aber auch zu normalisieren, dass die Tafeln in Zeiten der persönlichen Notlage eine Anlaufstelle sind. „Eigentlich ist es ein Skandal, dass es Tafeln gibt“, sagt Melchert. Denn jedem Menschen sollten die Mittel zur Verfügung stehen, die eigene Existenz zu sichern. Doch solange diese Mittel nicht gegeben sind, hat die Tafelausgabe eine offene Tür. „Wenn ein Hungriger kommt, schicken wir ihn nicht weg. Hier bekommt jeder etwas“, sagt Schlaphorst.

Finanzielle Unterstützung für Ehrenamtsprojekt

Die Arbeit der Tafel wird nicht nur von einem großen Team an freiwilligen Helfern unterstützt, sondern als lokales Ehrenamtsprojekt auch von der Sparkasse Westmünsterland. Michael Gerken, Sparkassen-Filialdirektor der Zweigstelle in Olfen, hat dem Team eine Spende von 1000 Euro überreicht. Mit der Summe konnte die Tafelausgabe unter anderem die Kosten für den Umzug und kleine Umbaumaßnahmen decken. „Wir sind froh, lokale Projekte unterstützen zu können“, sagt Gerken. Und weist auf den Ehrenamtspreis der Bürgerstiftung Unser Leohaus hin, der in diesem Jahr im Leohaus statt auf dem Weihnachtsmarkt vergeben wird. Einmalig ist das Preisgeld auf 3000 Euro erhöht worden. „Wir wollen die Ehrenamtler damit unterstützen und weiterhin ermutigen“, so Gerken.

Kontakt zur Tafel

  • Die Tafelausgabe ist jeden Donnerstag von 15.30 bis 16.30 Uhr geöffnet.
  • Interessierte können sich auf der Webseite der Tafel Lüdinghausen (tafel-luedinghausen.de), per Email (olfener-tafel@gmx.de) oder telefonisch (02595 961746) über den Einkauf bei der Tafel oder über eine Mitarbeit informieren.
  • Spenden, insbesondere von haltbaren Lebensmitteln, sind sehr willkommen.
Über die Autorin
Volontärin
Obwohl nicht in Dortmund geboren, bin ich doch eng mit dieser Perle des Ruhrpotts verbunden. Eine Stadt durch die Augen eines Journalisten kennenzulernen, das fasziniert mich. Seit Oktober 2017 arbeite ich für die Ruhrnachrichten und bin seit April 2020 Volontärin.
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Denise Felsch

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