In Vinnum sorgen die Witterungsverhältnisse bereits seit vergangenem Sommer für ein massenhaftes Baumsterben. Zwei Baumarten trifft es besonders hart.

von Thorsten Faust

28.07.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bruno Oelmann ist beunruhigt. „So etwas habe ich mit über 40 Jahren Berufserfahrung noch nicht erlebt“, gibt er zu bedenken. Einige Teile des Waldes sind sogar schon komplett eingegangen.

Der Klimawandel fordert auch in Deutschland seine ersten Opfer. Darunter auch über 150 Jahre alte Buchen in Vinnum. Diese stellen ein wichtiges Standbein des Forsts dar. „Einige trocknen jedoch aktuell regelrecht aus“, so Oelmann.

Bereis 2018 war der Sommer enorm trocken, sodass sich die Feldkapazitäten - also die Menge an Wasser, die ein Boden halten kann - nicht komplett regenerieren konnten, wie der 82-Jährige berichtet.

Todesurteil Trockenheit: Wie die Dürre den heimischen Wald bedroht

Diese Spuren hinterlassen die Borkenkäfer in der Rinde der Fichten. © Thorsten Faust

Es ist also schlichtweg zu wenig Wasser da. Das führt dazu, dass die Buchen oben anfangen zu vertrocknen, weil die Bäume sich nicht mehr komplett mit Wasser versorgen können, wie der Förster erklärt.

Buchenholz aufgrund der Trockenheit unbrauchbar

Laut Oelmann, dem langjährigen Mitarbeiter der Forstverwaltung, könne das Holz von den vertrockneten Buchen lediglich als Brennholz verkauft werden. Es sei nicht mehr fest genug, um es zu verarbeiten und daraus Möbel oder Kanthölzer herzustellen.

Generell ist der Birkenpreis in den letzten drei Jahren von 90 bis 105 Euro im Schnitt auf 60 Euro gesunken. Fichtenholz hingegen findet überhaupt keine Abnehmer mehr. Und das hat einen Grund. Der ist nur wenige Zentimeter groß, gehört aber zu den Schädlingen, die im Wald den größten Schaden verursachen: der Borkenkäfer.

Todesurteil Trockenheit: Wie die Dürre den heimischen Wald bedroht

Den Borkenkäferbefall hat diese Fichte mit Harz bekämpft. © Thorsten Faust

Die Funktion des Borkenkäfers im Ökosystem Wald ist es eigentlich, alte und kranke Fichten zu befallen und anzutöten, so dass an der Stelle ein neuer Baum wachsen kann. Gesunde Fichten können die Borkenkäfer dagegen abwehren, damit sie nicht durch die Rinde in die Wachstumsschicht vordringen können, wie Oelmann weiß. Die Bäume setzten an der Rinde Harz frei, das die Käfer dann abtötet - eigentlich.

Fichten können sich nicht mehr wehren

Zurzeit haben die Fichten nicht mehr genug Wasser, um Harz zu bilden. Die Folge: Sie können die Käfer nicht mehr abwehren. Der Baum stirbt innerhalb von wenigen Wochen. Ein Baumsterben in dem Ausmaß hat Oelmann zuletzt 1960 erlebt.

Dieses Phänomen ist aber kein lokales Problem von Vinnum, Olfen und Umgebung. Vor allem im Sauerland, wo der Anteil der Fichten viel größer ist, werden die Bäume massenhaft gefällt und überschwemmen den Markt.

Todesurteil Trockenheit: Wie die Dürre den heimischen Wald bedroht

Neben den vertrockneten Ästen neigen auch die vermeintlich gesunden Äste nach unten, was ein Zeichen für Wassermangel ist. © Thorsten Faust

Neben dem daraus resultierenden Preis-Absturz sind zudem die Kapazitäten der Abnehmer ausgelastet. Erst im Herbst wolle man im Sandforter Forst deshalb wieder Bäume fällen, weil man sie aktuell nicht verkaufen könne, so Oelmann.

Bei einer Sitzung mit dem Grafen Hagen-Freiherr von Plettenberg, dem der Sandforter Forst gehört, habe man sich darauf geeinigt, bis zum Herbst alles so zu lassen, wie es ist. Dann werde man kranke und tote Bäume fällen.

Fichten gehören ursprünglich nicht in den heimischen Wald

Das Problem liegt laut Oelmann an den Menschen selbst. „Hier in der Region liegt der jährliche Niederschlag etwa bei 550 bis 600 mm. Die Fichte hingegen braucht 1200 bis 1500 mm“.

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Hier standen im letzten Sommer noch etliche Fichten. Die mussten jedoch gefällt werden. © Thorsten Faust

Anders als Buchen beispielsweise wachsen Fichten nicht nach dem Licht. Sie sind das, was Fachleute senkelwüchsig nennen: Sie wachsen also gerade nach oben. Deshalb eignen sie sich am besten zum Verarbeiten. Fichten seien also aus wirtschaftlichen Gründen gepflanzt worden, so Oelmann.

Heutzutage versuche man den Wald naturgetreu zu bepflanzen. Im 18. und 19. Jahrhundert hätte man das nicht gemacht. Eigentlich kommen Fichten aus dem Bayerischen Wald oder aus Skandinavien. Sie gehörten also ursprünglich nicht in die Wälder dieser Region.

Welche Bäume sind besser angepasst für das Klima?

Um den Folgen des Klimawandels zu entgegnen, versuche man im Sandforter Forst Baumarten aus Südeuropa, wie die Esskastanie, Douglasien und die Küstentanne zu pflanzen. Sie seien an diese Trockenheit angepasst. Natürlich pflanze man auch vermehrt Eichen dort an, wo die Fichten aktuell eingehen. Diese sind jedoch teuer, und sie wachsen sehr langsam, was sie weniger rentabel macht, wie Oelmann sagt.

Todesurteil Trockenheit: Wie die Dürre den heimischen Wald bedroht

Bruno Oelmann auf den Spuren der Borkenkäfer © Thorsten Faust

Noch sind nicht alle Fichten befallen. Fichten mit Borkenkäfer-Befall erkennt man an kleinen Löchern in der Rinde und weißen Harz stellen am Baum. Außerdem hängen die Triebe von vertrocknenden Fichten nach unten.

Viel dagegen tun können er und seine Kollegen jedoch nicht, so Oelmann. Würde man die Bäume fällen, würde sich nichts an der Sache ändern. Die Käfer wären auch weiterhin da. Das Sinnvollste sei es, künftig auf Fichten zu verzichten.

Eine Baumkrankheit setzt auch dem Menschen zu

Eine Krankheit, die durch Wasserknappheit befördert wird, tötet die befallenen Bäume und ist auch für den Menschen gefährlich: die Rußrindenkrankheit, wie Oelmann weiß. Es handelt sich um einen Pilz, der beim Einatmen Entzündungen in der Lunge verursachen kann. Ahornbäume gäbe es laut Oelmann im Sandforter Forst aber zum Glück nur wenige.

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