Unflexible Betreuungszeiten in Kindertagesstätten stellen Eltern häufig vor ein Problem

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Kinder zu jeder Uhrzeit in die Kita bringen und auch wieder abholen. Dass das momentan in NRW nicht geht, stellt auch viele Eltern in Olfen vor ein Problem. Eine Lösung scheint schwierig.

Olfen

, 05.02.2019, 17:19 Uhr / Lesedauer: 3 min

Betreuungszeiten in Kitas sind überall ein Riesenproblem - auch in Olfen. „Ich finde das einfach schade und vor allem traurig, dass man nicht die Möglichkeit bekommt, als Eltern sein Kind flexibel in den Kindergarten zu schicken“, erzählt Dennis Mölter. Er ist zweifacher Vater und arbeitet genau wie seine Frau im Einzelhandel. Hier sind flexible und vor allem lange Arbeitszeiten ein Muss. Sein Sohn wird bald drei Jahre alt und geht in den St.-Vitus-Kindergarten in Olfen.

Familie braucht eigentlich viel weniger Stunden

„Ich bezahle für eine Leistung, die einfach nicht erbracht wird“, ärgert sich der Olfener Vater. Sowas mache man woanders schließlich auch nicht. Aktive Betreuungszeit brauche die Familie Mölter für ihren Kleinsten nämlich theoretisch nur von 12 bis 15 Uhr. „Natürlich weiß ich, dass das so nicht geht“, sagt der Vater.

Doch mit dem aktuellen System rutsche er automatisch in die 45-Stunden-Woche rein - eben weil die 35-Stunden-Woche für Kinder um spätestens 14:30 Uhr zu Ende ist.

Stattdessen könne er sein Kind ab sieben Uhr morgens in den Kindergarten bringen. „Aber das möchte ich gar nicht. Es ist ja schön, morgens noch Zeit mit seinen Kindern zu verbringen - vor allem, wenn man die Möglichkeit dazu hat.“ Wie bei Dennis Mölter und seiner Frau sorgen auch bei einigen anderen die unflexiblen Zeiten für Unmut.

Flexible Arbeitszeiten sind für Kitas ein Problem

Den Trägern der Kitas ist das Problem bereits bekannt. Doch wirklich etwas dagegen tun, können sie nicht. „Mittlerweile sind Schichtdienste, flexible Arbeitszeiten und sehr frühe, beziehungsweise späte Schichten in der Arbeitswelt normal“, erklärt Christoph Schlütermann - hauptamtlicher Vorsitzender des DRK -Kreisverbandes Coesfeld. Doch bei Kindergärten sei das nicht so einfach umzusetzen. Sie sind schließlich an das Gesetz vom Land gebunden.

In NRW sind die Betreuungszeiten nämlich im Kinderbildungsgesetz (kurz KiBiz) geregelt. Hier werden dann Gruppentypen und Stundenzahlen festgehalten, die die Eltern buchen können. Dabei gibt es für sie nur drei Optionen: 25 Stunden, 35 Stunden oder 45 Stunden. Stündlich bezahlen geht dadurch also nicht und grundsätzlich sind 45 Stunden auch das Maximum.

„Mindestens die Hälfte der Zeit, die das Kind wach ist, soll es ja auch schließlich zu Hause bei den Eltern verbringen“, erklärt Christoph Schlütermann. Wie viel genau ein Paket kostet ist vom Jugendamt geregelt. „Normalerweise kosten mehr Stunden eben auch deutlich mehr“, so Schlütermann.

Kindergärten bedauern: Nicht genug Personal

Wenn mehr Flexibilität gewünscht sei, dann brauche man auch einfach mehr Personal, erklärt Schlütermann. Denn durch flexiblere Betreuungszeiten entstehen auch mehr Kosten, die nicht vom Land übernommen werden, sondern auf den Träger zurückfallen. Genau so sieht das auch Stephanie Kißmann, Bereichsleiterin Kindertagesbetreuung der Jugendhilfe Werne: „Ich verstehe das Problem der Eltern, aber wir müssen ja auch an unsere Betreuungsqualität denken.“

Erzieher würden schon jetzt Pausen verschieben oder ausfallen lassen, um den Spagat zwischen den Bedürfnissen der Eltern und der Finanzierung hinzubekommen. Auch der Bildungs- und Erziehungsauftrag würde durch mehr Flexibilität dann zurückfallen - denn wenn jedes Kind kommt und geht wann es wolle, dann wären Gruppenarbeiten und Gruppenstrukturen fast unmöglich, so

Schlütermann.

Eltern werden bei der Planung miteinbezogen

Auch, wenn die Kitas so ein starres Gerüst verfolgen müssen, versuchen sie die Blöcke an die Bedürfnisse der Eltern anzupassen. Jedes Jahr im Frühjahr fragen alle Kindergärten und Kindertageseinrichtungen bei den Eltern nach: „Wie viele Stunden hättet ihr gerne wann über den Tag verteilt?“

Dadurch wisse die Kita dann, wann die Eltern Betreuung für ihre Kinder brauchen und versuchen sich der Mehrheit anzupassen. Häufig sei das von Ort zu Ort ganz unterschiedlich. Die Eltern stellen sich irgendwann auf ein Modell ein und das klappe meistens ganz gut. „Wenn das aber nicht so sein sollte, sind wir natürlich offen, etwas dagegen zu tun“, sagt Schlütermann.

Ein Beispiel: Im gesamten Kreis Coesfeld habe das DRK circa 2300 Betreuungsplätze in knapp 40 Tageseinrichtungen - 189 Betreuungsplätze sind davon in Olfen. „Weit über 2000 sind mit unserem Angebot zufrieden, aber es gibt natürlich immer welche, die ihre Arbeitszeiten nicht mit unseren Betreuungszeiten vereinbaren können.“

Für 45 Stunden bezahlen, 30 Stunden nur nutzen

Die Regelung im Kinderbetreuungsgesetz, aber auch die Blockzeiten der Kita kann Dennis Mölter einfach nicht verstehen, die Ausreden sieht er nur schwer ein. „Ich zahle unglaublich viel Geld mehr für 45 Stunden Kita, obwohl ich nur 30 Stunden brauche.“ Das Geld könne er besser in seine Familie investieren. „Und wenn es wirklich nicht viele Kinder gibt, bei denen das System nicht funktioniert: Warum kann man dann keine Ausnahmeregelungen einführen?“
Und nicht nur die Eltern wollen Änderungen, das ist klar: „Da wünsche ich mir als Träger dann auch einfach, dass die Arbeitgeber uns entgegen kommen und flexibler bei Eltern von Kindergartenkindern werden“, sagt Christopher Schlütermann. Alle wollen verlässliche Zeiten, aber das ist komplizierter, als man denken würde, so Schlütermann weiter.

In anderen Bundesländern auch stundenweise Abrechnung

In extremen Fällen könne die Kita eben nur auf Tagesmütter oder das 45-Stunden-Angebot verweisen. „Das sehen viele betroffene Eltern dann verständlicherweise nicht ein, doch hier in NRW funktioniert es nur so starr“, sagt Schlütermann. In anderen Bundesländern würden Kitaplätze auch schon stundenweise angeboten.
Wenn also die Eltern mehr Flexibilität fordern, dann muss sich zunächst einmal am Gesetz etwas ändern. Neuerungen für das KiBiz im Jahr 2020 sind schon geplant. Stephanie Kißmann will sich bis zum endgültigen Gesetz aber erst einmal nicht zu viel erhoffen: „Wir warten ab, bis das Gesetz unterschrieben ist und dann sehen wir weiter.“

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