Seit rund sieben Wochen lebt Waltraud Aundrup (r.) im Olfener St. Vitus-Stift. Unser Foto zeigt sie mit ihrer Tochter Doris Aundrup. Sie hält zusammen mit ihren Schwestern Karin Hohmann und Marion Danielczyk engen Kontakt zu ihrer Mutter. © Hohmann
St.-Vitus-Stift

Weihnachten ist, wenn die Stiftbewohnerin ihre Töchter treffen kann

Dieses Weihnachtsgeschenk ist unbezahlbar: Nachdem der Corona-Ausbruch im Vitus-Stift überwunden ist, kann Karin Hohmann am Heiligabend ihre Mutter sogar für zwei Stunden zu sich holen.

Die Entscheidung war nicht einfach für Karin Hohmann und ihre Schwestern Doris Aundrup und Marion Danielczyk. Und ganz sicher auch nicht für ihre Mutter Waltraud Aundrup (78). Nachdem sie die letzten fünf Jahre bei ihrer Tochter Karin gewohnt hatte, ist Waltraud Aundrup vor rund sieben Wochen ins St. Vitus-Stift gezogen. Der Beginn einer neuen Eingewöhnungsphase, der von den Angehörigen so gut es ging begleitet wurde.

„Wir sind eine große Familie“, sagt Karin Hohmann. Oft seien sie oder ihre Schwestern im Stift gewesen und anschließend mit der Mutter durch die Stadt gegangen. Alle hätten sich bemüht, den Wechsel so fließend wie möglich zu gestalten. Doch von einem Tag auf den anderen Tag änderte sich die Situation. Bewohner und Mitarbeiter im Vitus-Stift wurden positiv auf das Coronavirus getestet. Besuche waren nicht mehr möglich.

Kleine Päckchen mit einem Schutzengel oder Bildern abgegeben

„Das war sehr, sehr bitter“, sagt Karin Hohmann. Vor allem auch deshalb, weil die Bewohner ihr Zimmer nicht mehr verlassen durften. Mit verschiedensten Dingen zeigte die Familie Waltraud Aundrup, dass sie nicht alleine ist. „Wir haben kleine Päckchen mit einem Schutzengel, mit Bildern und anderen Dingen am Stift abgegeben“, blickt Karin Hohmann zurück. Die Geschenke konnten nicht verhindern, dass die Mutter „am Rand einer Depression stand.“

In dieser Zeit habe es auch Überlegungen gegeben, die Mutter aus dem Stift herauszuholen. Doch dieser Ansatz war spätestens an dem Tag vom Tisch, als auch Waltraud Aundrup positiv getestet wurde. Eine schwierige Phase für die Familie, die sie auch dank neuer technischer Möglichkeiten meistern konnte. Geholfen hätte dabei auch eine Toniebox. Eigentlich entwickelt für Kinder.

Das Prinzip ist so einfach wie genial. Wenn eine Person – wie in diesem Fall die Mutter – die Figur auf die Lautsprecherbox stellt, erkennt das die Toniebox sofort. Sie lädt den entsprechenden Inhalt aus einer Cloud herunter und spielt ihn direkt ab. „Mit dem Handy können immer wieder neue Inhalte aufgespielt werden“, sagt Karin Hohmann. So hörte die Mutter die Stimmen der Familienmitglieder.

Eine „super Sache“ war nach ihrer Einschätzung auch die Anschaffung von iPads im Stift. Mit Unterstützung der Pflegekräfte konnten die Stift-Bewohner mit ihren Angehörigen sprechen. Doch natürlich konnten alle technischen Möglichkeiten kein Ersatz für den persönlichen Kontakt sein. „Zumal sich meine Mutter noch immer in der Eingewöhnungsphase befindet“, sagt Karin Hohmann.

Großes Lob für die Mitarbeiter und den neuen Leiter des Stifts

Ihr ist es ein ganz besonderes Anliegen, öffentlich den Einsatz des neuen Einrichtungsleiters Ingo Knüver und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu loben. Alle hätten die Familie schnell informiert und zudem nichts unversucht gelassen, das Beste aus der Situation zu machen. Als beispielsweise die Treckeraktion lief, hätten sie ihre Mutter so ans Fenster geschoben, dass sie sich gegenseitig zuwinken konnten. Wenigstens ein Blickkontakt, wenn Besuche nicht möglich sind.

Mittlerweile ist diese für Bewohner wie Familie sehr schwierige Phase überstanden. Im Vitus-Stift sind wieder Besuche möglich – noch mit verschiedenen Einschränkungen und Vorgaben. Dazu gehört insbesondere auch ein negativer Coronatest, der nicht älter als 48 Stunden ist. An Heiligabend wird Karin Hohmann morgens den entsprechenden Test im Vitus-Stift machen lassen.

Am Nachmittag wird die Olfenerin ihre Mutter abholen, um gemeinsam mit ihr zwei Stunden in vertrauter Umgebung zu verbringen. Bei Kaffee und Kuchen. Sie wird jede Minute genießen. Karin Hohmann mag sich nicht Feiertage ohne persönlichen Kontakt vorstellen. „Dann wären die Weihnachtstage sehr schwierig geworden.“

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer

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