Der Name und das Schild bleiben: Die Olfener Politik hatte sich im vergangenen Jahr dagegen entschieden, die Wernher-von-Braun-Straße umzubenennen. © Günther Goldstein
Straßenschild

Wernher-von-Braun-Straße in Olfen: Schilder informieren über Geschichte

Nach dem Raketenforscher Wernher von Braun ist in Olfen eine Straße benannt. Wegen der NS-Verstrickungen des Ingenieurs stand das in der Kritik. Die Stadt setzt deshalb jetzt auf Aufklärung.

Es ist gut ein Jahr her, dass die Wernher-von-Braun-Straße in Olfen die lokale Politik zuletzt beschäftigt hat: Ein Bürger der Stadt hatte damals angeregt, die Straße umzubenennen – wegen der nicht ganz lupenreinen Biografie ihres Namensgebers.

Wernher von Braun (1912-1977) war ein Pionier im Bereich der Raketenwissenschaft und hat unter anderem Trägerraketen für die NASA entwickelt und gebaut. Er war aber auch – und das war der Grund für die Kritik des Olfeners – jemand, der im System des Nationalsozialismus in Deutschland Karriere gemacht hat. „Als Zivilangestellter des Heereswaffenamtes machte von Braun Karriere. 1937 wurde er Technischer Direktor der neu gegründeten Heeresversuchsstelle Peenemünde. Im gleichen Jahr trat er in die NSDAP und 1940 in die SS ein“, heißt es auf einem Schild, das seit einigen Wochen in der Wernher-von-Braun-Straße in Olfen steht.

Denn: Die Stadt hatte sich dagegen entschlossen, die Straße umzubenennen. Stattdessen, so der Beschluss vom vergangenen Jahr, sollte die Biografie von Wernher von Braun mitsamt der dunklen Seite in der Stadt sichtbar gemacht werden. Dass das jetzt der Fall ist, verkündete Bürgermeister Wilhelm Sendermann in der letzten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses.

Politiker aller Parteien verurteilten NS-Vergangenheit

Zwar hatten Vertreter aller Parteien in der Namens-Diskussion die Zweifelhaftigkeit der Namensgebung der Straße anerkennt und von Brauns politische Einstellung und seine Taten in diesem Zusammenhang verurteilt. Jedoch wären durch eine Umbenennung, so die Argumentation der Stadt, erhebliche Kosten und Umstände auf die Anwohner der Straße zugekommen.

Ein vom LWL verfasster Text zur Biografie von Wernher von Braun soll vor Ort für Aufklärung sorgen.
Ein vom LWL verfasster Text zur Biografie von Wernher von Braun soll vor Ort für Aufklärung sorgen. © Günther Goldstein © Günther Goldstein

Anderes Städte haben sich in Bezug auf Wernher von Braun anders entschieden: Die Stadt Memmingen beispielsweise hat 2014 die Umbenennung der Wernher-von-Braun-Straße in Auftrag gegeben. „Er hat sich an verantwortlicher Stelle mitschuldig gemacht und kann deshalb nicht mehr Namensgeber in einem demokratischen Rechtsstaat sein“, hatte der dortige SPD-Fraktionschef damals laut „Das Allgäu online“ argumentiert. In der Stadt Hamm ist die Wernher-von-Braun-Straße seit Sommer dieses Jahres Geschichte. Es gibt weitere Beispiel aus ganz Deutschland.

Von Braun war im KZ Mittelbau-Dora tätig

Dass es bundesweit überhaupt so viele Wernher-von-Braun-Straßen gibt, liegt daran, dass der Ingenieur durch seine Verdienste um die Raumfahrt in der westlichen Welt vor allem nach seinem Tod 1977 hohes Ansehen genoss, seine Person teilweise verklärt wurde. Die Schattenseiten dieses Ruhms sind in Olfen jetzt klar nachlesbar: „Von Braun war nicht nur maßgeblich für die Entwicklung der neuartigen Technik, sondern er leitete auch Gremien, die die Serienproduktion und den Kriegseinsatz der Rakete optimieren sollten. In dieser Position war er mehrmals im KZ Mittelbau-Dora tätig, wo Häftlinge die Waffen fertigen mussten und dabei zu Tausenden starben“, steht auf der Tafel.

Den Text hat der LWL für die Stadt Olfen entwickelt. Die letzten Sätze auf dem Schild lauten: „Heute steht von Braun als historische Figur geradezu repräsentativ für das 20. Jahrhundert als ,Zeitalter der Extreme‘ mit zwei Weltkriegen, dem Kalten Krieg und einer enorm gesellschaftlichen Dynamik. Seine Biografie bietet Anlass nachzudenken, wie wichtig technischer Fortschritt für moderne Gesellschaften ist und welchen Preis wir dafür zu zahlen bereit sind.“

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Marie Rademacher

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