In der langen Geschichte der Bürgerschützengilde Olfen hat es einige Zeiträume gegeben, in denen es unruhig war. Ein Kapitel war besonders dunkel.

Olfen

, 08.09.2019, 15:45 Uhr / Lesedauer: 4 min

Wie war das eigentlich zwischen 1933 und 1945, als die Nationalsozialisten in Deutschland an der Macht waren? War die Bürgerschützengilde Olfen in der Zeit aktiv? Wenn ja, stand sie unter Zwang? Antworten gibt das Buch „1682 Stadt & Land ... Hand in Hand“, das Johannes Leushacke und Christoph Krursel geschrieben haben.

Das Buch, das die Geschichte der Bürgerschützengilde beleuchtet, gleichzeitig aber auch Stadtgeschichte spiegelt, widmet der Zeit zwischen 1933 und 1945 ein Unterkapitel mit 43 Seiten.

Es sind 43 Seiten, auf denen sich die Autoren auf fundierte Quellen berufen. Eines war den Autoren auch bei diesem Kapitel ihres 504 Seiten starken Buches wichtig: „Wir wollten nichts verschweigen, aber auch nichts aufbauschen“, erklärt Johannes Leushacke.

Relativ früh und relativ stark

Wie war das damals, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen? Die beiden Autoren beziehen sich auf den Wissenschaftler Prof. Dr. Hans-Walter Schmuhl von der Universität Bielefeld, Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie. Er komme in seiner Untersuchung zur NS-Zeit in Olfen zu dem Ergebnis, „dass sich die Nationalsozialisten in Olfen - verglichen mit anderen Gemeinden des Münsterlandes - relativ früh formierten und relativ stark waren“.

Das habe sich auch in Wahlergebnissen niedergeschlagen. Laut Schmuhl erreichte die NSDAP bei den Reichstagswahlen am 5. März 1933 im Landkreis Lüdinghausen einen Stimmanteil von circa 25 Prozent und die Zentrumspartei von circa 45 Prozent. In Olfen wählten demnach rund 38 Prozent der Bürger die NSDAP und rund 55 Prozent die Zentrumspartei. Bei der Kommunalwahl am 12. März 1933 habe die NSDAP ein „Rekordergebnis“ im Vergleich zum Rest des Münsterlandes errungen. „Dies zeige, so Schmuhl, ,dass die Partei in der Gesellschaft der Stadt Olfen - trotz des überwältigenden katholischen Bevölkerungsanteils - festen Rückhalt hatte‘“, heißt es im Buch.

Wie die Bürgerschützengilde ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte durchlebte

Szene des Schützenfestes 1933. © Repro Arndt Brede

Das passierte in einer Zeit, in der die Schützenvereine in Westfalen „die wichtigste bürgerliche Vereinsform und das Schützenfest das zentrale und bedeutendste Ortsfest“ gewesen sei, schreiben die Autoren Leushacke und Krursel und zitieren Volkskundler Norbert Kirchner. Im Buch heißt es dazu: „Die besondere Bedeutung der Schützenvereine in den Städten und Gemeinden rückte sie dann auch in den Fokus der Nationalsozialisten.“

Ausbildung im Schießsport

Die wesentliche Aufgabe der Schützenvereine habe aus nationalsozialistischer Sicht in der Ausbildung der Schützen im Schießsport gelegen, heißt es weiter. Die Schützenvereine seien organisatorisch in den 1934 gegründeten „Deutschen Reichsbund für Leibesübungen“ integriert worden.

Der Einfluss der Nationalsozialisten auf die Vereine stieg, der Vereinsvorsitzende hieß fortan Vereinsführer, wurde ab 1940 vom Kreisleiter des Reichsbundes ernannt. 1936 waren schon die Schützenverbände aufgelöst und aufgerufen worden, Mitglieder im „Deutschen Schützenverband im Deutschen Reichsbund für Leibesübungen“ zu werden.

1937 tat das die Bürgerschützengilde Olfen, berichten die Autoren Leushacke und Krursel. Allerdings lasse sich nicht durch Quellen belegen, dass die Gilde Eigeninitiative auf dem Weg in den NS-Dachverband gezeigt habe. „In Olfen setzte man pflichtgemäß um, was der Dachverband gefordert hatte“, heißt es im Buch dazu. Ein nennenswerter Widerstand lasse sich dem Protokoll jedoch auch nicht entnehmen.

Beziehungen unbefangen

Wie war die Beziehung der Bürgerschützengilde zur NSDAP? Dazu schreiben die Autoren unter anderem: „In Olfen war die Beziehung zur lokalen NSDAP-Führung wohl zumindest unbefangen.“ Der Gastwirt und NSDAP-Ortsgruppenleiter Wilhelm Plücker sei Festwirt während des Schützenfestes im August 1933 gewesen. „Hinweise auf eine vereinsinterne ideologische Schulung, wie vom NS-Dachverband gefordert, finden sich in den gesichteten Quellen allerdings nicht“, schreibt das Duo Leushacke/Krursel. Plücker, NSDAP-Ratsmitglied und später hauptamtlicher Bürgermeister Olfens, wurde laut dem Buch zur Geschichte der Bürgerschützengilde 1954 General der Gilde und rückte 1957 in den Ehrenvorstand der Gilde auf.

Wie die Bürgerschützengilde ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte durchlebte

Schützenfest 1936: Nach dem Erlass des Reichsflaggengesetzes vom 15. September 1935 wurden auch in Olfen die Straßen zum Schützenfest mit Hakenkreuzflaggen beflaggt. © Repro Arndt Brede

Was zudem durch Protokolle, aus denen die Autoren zitieren, nachgewiesen werden konnte, sei die Tatsache, dass die Bürgerschützengilde in Uniform an nationalen Veranstaltungen wie der Straßensammlung der NS-Volkswohlfahrt teilgenommen habe. Weiter berichten die Autoren, dass es bei Versammlungen Lobesworte für nationalsozialistische Gepflogenheiten gegeben habe. Auch während der Schützenfeste während des Nazi-Regimes habe es Jubelworte auf Hitler gegeben.

Schießriege gegründet

Der NS-Dachverband, so liest man im Buch weiter, machte deutlich, dass „rein traditionalistisch ausgerichtete Vereine keine Zukunft hätten“. Also wurde auch in der Bürgerschützengilde Olfen eine sogenannte Schießriege gegründet. Jedoch sind die Autoren auf Protokollnotizen vom Ende der 1940er Jahre gestoßen, die nahe legten, „dass die Bürgerschützengilde vom Deutschen Schützenverband ermahnt wurde, im Bereich des Schießens mehr Engagement zu zeigen...“.

Was Schützenfeste während des Nationalsozialismus betrifft, schreiben die Autoren unter anderem: „Wer 1939 ein Schützenfest feiern wollte, konnte sich dem Nationalsozialismus nicht mehr entziehen, andernfalls wären die zahlreich notwendigen Genehmigungen wohl nicht erteilt worden.“

Die Vorschriften und Anforderungen der Nationalsozialisten an Vereine gefährdeten kleinere Vereine in ihrer Existenz. So traten 1939 die Schützenvereine aus den Bauerschaften Rechede und Kökelsum der Bürgerschützengilde Olfen bei.

Der Kriegsausbruch von 1939 bedeutete einen deutlichen Einschnitt für die Schützenvereine, heißt es im Buch. Die Bürgerschützengilde Olfen zum Beispiel hatte laut Buch ein Schützenfest für das Jahr 1939 bereits vollständig organisiert. Und zwar für den 26. bis 28. August, also kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Doch mittlerweile, so ist es im Buch zu lesen, war „eine beträchtliche Anzahl Einberufungsbefehle eingetroffen“. Das Fest musste abgesagt werden.

Sechs Mitglieder gefallen

Die Autoren Johannes Leushacke und Christoph Krursel haben recherchiert, dass sechs Mitglieder der Bürgerschützengilde Olfen in den folgenden Jahren an den Fronten des Zweiten Weltkriegs gefallen seien. Unter den Opfern sei auch der Kinderkönig des Jahres 1937, Alois Ensberg, gewesen.

Wie die Bürgerschützengilde ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte durchlebte

Das Sparbuch der Bürgerschützengilde Olfen von 1936 bis 1965: Die Kontobewegungen der Jahre 1939 bis 1944 belegen, dass die Bürgerschützengilde Olfen auch während des Zweiten Weltkrieges weiterhin bestand und nicht vollends aufgelöst wurde. © Repro Arndt Brede

Während des Krieges, so mutmaßen die Autoren, hätten die Vereinsaktivitäten nahezu vollständig geruht. Bewegungen auf dem Vereinssparbuch, die die Autoren nachvollzogen haben, zeigen jedoch, „dass die Bürgerschützengilde auch in dieser Zeit weiterhin existierte und nicht vollends aufgelöst wurde“.

Wie ging es nach Ende des Zweiten Weltkriegs mit der Bürgerschützengilde Olfen weiter? Dem Buch von Johannes Leushacke und Christoph Krursel ist zu entnehmen, dass die erste Vorstandssitzung der Bürgerschützengilde Olfen nach dem Zweiten Weltkrieg am 14. Juli 1949 stattfand, eine Generalversammlung am 24. Juli des Jahres.

Das Buch gibt es zu kaufen

Das Buch „1682 - Stadt & Land ... Hand in Hand“ ist in einer Auflage von 500 Stück erschienen. Intern ist es am 30. August den Schützen vorgestellt worden. Offiziell wird es während des Stadtkaiserschießens am 14. September präsentiert.

Das Buch gibt es jetzt schon zu kaufen. Und zwar im Geschäft „Buch, Büro, Schreiben & Schönes“ (BBS), Zur Geest.

Und auch beim Vorstand der Bürgerschützengilde kann man es erwerben.

Das Buch kostet 29 Euro.

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