Wie ein Brand vor 160 Jahren Olfen veränderte

Ein Streichholz hat gereicht

160 Jahre ist es jetzt her, da wurde die Stadt Olfen von einem großen Brand überrascht. Obdachlosigkeit und Armut waren die Folgen, aber nicht nur: Noch heute ist der Brand in Olfens Zentrum spürbar. Wo und warum das Feuer für Olfen auch Gutes gebracht hat, erklären wir hier.

OLFEN

09.09.2017, 07:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein fünfjähriger Junge spielt mit einem Streichholz, ein anderer (zehn Jahre) will ihm dieses entreißen, es fällt zu Boden, entflammt dort liegendes Stroh – und ein ganzes Stadtbild wird grundlegend verändert. Die beiden Jungen, Reiner Tappe und Joseph Wilming, wurden dazu befragt – der zugehörige Bericht und noch viele andere sind in einem Heft des Olfener Heimatvereins erhalten, das Bernhard Wilms gemeinsam mit zwei anderen Mitgliedern des Vereins 2007 erstellte.

Keine Chance gegen das Feuer

„Innerhalb von drei Stunden brannten dann 142 Häuser“, erklärt Wilms. Das lag vor allem an den vorangegangenen, regenlosen Monaten. Das Löschwasser musste aus der Stever herangeholt werden. Dass der Brand sich so schnell verbreitete, lag außerdem an einem starken Südwestwind und an der Kornernte und dem Stroh, die in den Dachstühlen lagerten. Bernhard Wilms weiß: „Die Olfener hatten damals deshalb nicht die geringste Chance gegen das Feuer“.

Die Gedenktafel am Haus Eggenstein, Neustraße 12.

Nach dem Brand wurde ein vorläufiges Verbot des Wiederaufbaus ausgesprochen – bevor dieser beginnen konnte, mussten neue Bestimmungen der „königlichen Regierung über die Art und Weise der Bildung der neuen Straßen“ her. So steht es in den 160 Jahre alten Dokumenten in Sütterlinschrift. Demnach mussten die neuen Häuser massiv sein und durften weder Fachwerk noch Strohdeckung aufweisen, um das Risiko eines erneuten Brandes zu minimieren. Die Straßen sollten breiter und der Marktplatz größer werden. Als Verbindung zwischen Markt und Oststraße sollte außerdem die Marktstraße errichtet werden, auch mit entsprechender neuer Breite.

Die Legende von der Funnenkampstraße

Doch nicht alle Straßen in Olfens Zentrum sind so jung wie die Marktstraße – die Funnenkampstraße blieb damals vollständig erhalten. Aber was hinderte das Feuer daran, auf die Häuser dort überzuspringen? Der Legende nach holte der Vikar Ebbinghoff aus Datteln die heilige Monstranz aus der Kirche, lief mit ihr in die Funnenkampstraße und bewahrte diese so vor dem Brand. Dass in einem Graben zwischen zwei Häusern der Straße noch etwas Wasser zu finden gewesen sein könnte oder dass der Südwestwind sich zwischen ein und zwei Uhr drehte, sind andere, weniger fantasievolle Ansätze.

 

Der Legende nach wurde die Funnenkampstraße damals mit der Monstranz vor den Flammen bewahrt.

Ein sagenhaftes Olfen ist es also, der Brand ein fester Bestandteil seiner Geschichte. Und er bedeutet für Olfen mehr als eine historische Besonderheit: So haben die Olfener dank ihm eine modernere Straßenführung als die meisten Städte im Umkreis und einen großen Marktplatz, auf dem sich sowohl das Oktober- als auch das Karnevalsfest gut feiern lässt. Bernhard Wilms geht sogar so weit, zu sagen: „Im Prinzip hat der Brand für Olfen nur Gutes mit sich gebracht!“

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