Grabschmuck ist auf den Urnengräbern nur zwischen dem 1. November und dem 31. Januar zulässig. Umso trauriger ist es, wenn er von Unbekannten entwendet wird. © Aschwer
Friedhof Olfen

Witwe aus Olfen fassungslos – wer stiehlt Blumen und Kerzen vom Grab?

Christine Klingauf ist fassungslos und maßlos enttäuscht: Immer wieder werden vom Urnengrab ihres Mannes in Olfen Kerzen und Blumen entwendet. Jetzt geht sie bewusst in die Öffentlichkeit.

Mindestens jeden zweiten Tag geht Christine Klingauf (67) zum Olfener Friedhof. Ihr ständiger Begleiter ist die Angst. „Stehen die Blumen und die Kerze noch auf dem Urnengrab ihres Mannes“ lautete die immer gleiche Frage, die ihr Leben lähmt und gleichzeitig die letzten Schritte schneller werden lässt. Groß ist die Erleichterung, wenn noch alles in Ordnung ist. Leider nicht die Regel.

Große Pläne hatten die Eheleute Dietmar und Christine Klingauf für die nächsten Jahre. „Wir wollten so gerne die Goldhochzeit feiern.“ Doch völlig überraschend starb Dietmar Klingauf am 4. Februar 2020. Die Ereignisse überschlugen sich. Christine Klingauf erinnerte sich dennoch in den schweren Stunden an den Wunsch ihres geliebten Mannes. „Er hatte immer gesagt, dass er eingeäschert und auf der grünen Wiese bestattet werden wollte.“ Die Witwe erfüllte ihm diesen Wunsch. Aber sie hat die Entscheidung längst bereut.

Viele Wochen und Monate konnte sie keine Blumen oder Kerzen aufstellen. Die Friedhofssatzung untersagt das für den Bereich der Urnengräber, weil die Flächen in den Sommermonaten gemäht werden. Ausschließlich in der Zeit zwischen dem 1. November und dem 31. Januar des Folgejahres ist Grabschmuck hier erlaubt. Eine Regelung, an die sich Christine Klingauf gehalten hat.

Tannengrün, Blumen und LED-Lampe im November abgelegt

Doch im „Trauermonat November“ hat sie Tannengrün, Blumen und eine LED-Lampe abgelegt. „Die drei Monate muss man ausnutzen. Leider ist alles entfernt worden“, sagt Christine Klingauf. Bitterkeit schwingt in ihren Worten mit. Doch mit jedem Fall wurde auch das Grübeln stärker. „Hat jemand etwas gegen ihren Mann“, lautet eine Frage, die ihr immer und immer wieder durch den Kopf geht. Eine Antwort darauf hat sie nicht. Dietmar Klingauf hatte sich viele Jahre für die Gemeinschaft engagiert.

Der Verstorbene war seit 1994 in Fachausschüssen als sachkundiger Bürger tätig. Von 2004 bis 2009 und seit 2014 war er zudem Mitglied des Rates der Stadt Olfen.

„Die Zusammenarbeit mit Dietmar Klingauf war geprägt von großem gegenseitigem Vertrauen und Respekt“, heißt es in dem Nachruf der Stadt.

Christine Klingaufs Gedanken drehen sich im Kreis: „Warum werden gerade von dieser Platte die Dinge entwendet?“ In Gesprächen mit anderen Friedhofsbesuchern hat sie erfahren, dass auch andere Angehörige ähnliche Dinge erleben müssen. „Ein Bekannter hat mir vor einiger Zeit von einem ähnlichen Vorfall am Grab seiner Ehefrau erzählt. Auch dort waren Gegenstände abhanden gekommen, allerdings war das kurz nach der Beerdigung und hörte danach auf.“

Bürgermeister Wilhelm Sendermann kennt die Problematik. Auch ihm wird von Angehörigen berichtet, dass Dinge von Gräbern entwendet werden.

Witwe würde Urne am liebsten umbetten lassen

Am liebsten würde Christine Klingauf die Urne umbetten lassen – in die Gruft der Eltern. Einen offiziellen Antrag bei der Stadt hat sie bislang noch nicht gestellt. Die Chancen für eine Genehmigung stehen allerdings schlecht. „Die Totenruhe ist ein hohes Gut“, sagt Bürgermeister Sendermann. Die Stadt genehmige deshalb ein Umbetten nur in ganz besonderen Fällen. Dazu gehöre beispielsweise, dass die Angehörigen in einen weiter entfernten Ort gezogen sind und deshalb eine Umbettung beantragen, um sich so weiter um das Grab kümmern zu können.

Damit bliebe die Situation für Christine Klingauf wie sie aktuell ist. „Das Entwenden der Blumen, Lampe und anderer Dinge haben mich sehr mitgenommen“, sagt die Witwe. Sie hat deshalb zu Weihnachten nur einen Wunsch und eine Bitte. Eindringlich bittet sie darum, das Grab künftig in Ruhe zu lassen. Verbunden mit der Bitte an andere Friedhofsbesucher darauf zu achten, wenn Dinge weggenommen werden.

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer

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