Zurück in die Vergangenheit: Zeitkapsel aus dem Kirchturm wurde geöffnet

mlzZeitkapsel

So richtig alt waren die Dokumente nicht, die in der Zeitkapsel des Kirchturms St. Vitus aufbewahrt wurden. Doch auch eine Zeitreise in die Achtziger kann Spaß machen.

Olfen

, 19.02.2019, 05:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schon bevor Pastoralreferent Martin Reuter an diesem Sonntag, 17. Februar, die zusammengerollten Dokumente aus der bronzefarbenen Zeitkapsel zieht, scharen sich neugierige Gemeindemitglieder um ihn.

Viele sind nach dem Familiengottesdienst ins Pfarrzentrum „Haus Katharina“ gekommen, um sich die Kapsel anzuschauen, die vor einigen Tagen aus der Kugel im Kirchturm herausgenommen wurde. Wegen Sturmschäden hatte der Turm repariert werden müssen.

„Das Kreuz stand schief und die Federn des Gockels standen zur Seite“, erzählt Martin Reuter. „Also musste das repariert werden. Und bei der Gelegenheit haben wir die Mitarbeiter der Firma gebeten, doch die Kapsel einmal herauszunehmen.“

Als Reuter gemeinsam mit Bernhard Budde vom Kirchenvorstand die Zeitkapsel öffnet, zieht er einige Dokumente heraus, die bei den Umstehenden für großes Interesse sorgen.

Messdiener-Dienste von 1982

Zum Beispiel ein Dokument, das besagt, dass Klempnermeister Alfred Nathaus im Jahr 1982 Kupferarbeiten am Dach durchgeführt hat. Einen Satz D-Mark-Münzen. Eine Urkunde von 1982, die die Erneuerung der Kirchturmspitze beschreibt. Denn schon damals hatte es dort Rearaturarbeiten gegeben.

„Damals waren die gesamte Kugel, das Kreuz und der Hahn heruntergeholt und später mit einem Hubschrauber wieder auf den Kirchturm gebracht worden“, erinnert sich Klaus Lübbert. Der 52-Jährige freut sich besonders darüber, dass er in der Kirchenzeitung von 1982, die ebenfalls in der Kapsel war, erwähnt wird. „Da sind mein Bruder und ich als Messdiener eingetragen. Ich war 16 und mein Bruder Gerd war 14 Jahre alt“, sagt Lübbert und lacht.

Das Kreuz habe damals einige Tage auf dem Kirchplatz gestanden, so dass sich die Gemeinde das Kunstwerk aus der Nähe anschauen konnte. „Das war schon etwas ganz Besonders“, erinnert sich Lübbert.

Eine Ruhr-Nachrichten-Ausgabe vom 19. November 1982 klärt über die Neuregelung des 20-monatigen Zivildienstes auf, der Pflicht für „Wehrdienstverweigerer“ war. Und ein Artikel erwähnt, dass junge Polizistinnen das Tippen auf der Schreibmaschine in einem Lehrgang üben müssen. Auch die spektakuläre Reparatur der Kirchturmspitze in St. Vitus ist in den Ruhr Nachrichten festgehalten. „Der Segen kommt von oben“, heißt es in der Überschrift im Olfener Lokalteil. Ein Foto zeigt, wie der Hubschrauber das Kreuz wieder auf den Kirchturm trägt. Bürgermeister Wilhelm Sendermann ist beeindruckt. „Ich war damals 16, gerade war Helmut Kohl Kanzler geworden und Johannes Paul II. war Papst. Es ist schon erschreckend, wie schnell die Zeit vergeht. Mit kommt es vor wie vorgestern“, sagt er.

Platz für neue Dokumente in einer neuen Kapsel

Urkunden aus dem 19. Jahrhundert sind leider nicht in der Kapsel. Denn die Kirche war 1880 fertiggestellt worden. „Im Zweiten Weltkrieg war auch einmal der Hahn abgeschossen worden, im Jahr 1945“, erzählt Martn Reuter. Auch darüber gibt es keine Dokumente in der Kapsel.

Aber ein Satz Euromünzen und eine Zeitung von 2001 befinden sich in der Zeitkapsel - ein Beweis dafür, dass der Turm in diesem Jahr ebenfalls eingerüstet war. Auch jetzt sind wieder aktuelle Zeitungsausgaben, das Pfarrmagazin „Gemeinsam unterwegs“, der Pastoralplan von St. Vitus und eine Urkunde über die Reparatur vorgesehen, die in der Kugel, die einen Durchmesser von knapp 60 Zentimetern hat, ihren Platz finden sollen.

„Leider ist die alte Kapsel schon voll“, bedauert Martin Reuter. „Aber Bernhard Budde wird für die Dokumente eine neue Kapsel bauen, da können die Schriftstücke dann hinein.“

Voraussichtlich nächste Woche werden die Reparaturarbeiten am Kirchturm beendet sein. Und dann werden die neuen und alten Dokumente in der Kirchturmspitze von St. Vitus liegen. Bis zur nächsten Reparatur, die hoffentlich nicht so bald nötig sein wird.

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