100 Jahre Kriegsgräberfürsorge - Nicht immer stoßen die Sammler auf Verständnis

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Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge wird 100 Jahre alt. In Raesfeld werden Sammler am Samstag (14. Dezember) wieder Spenden sammeln. Nicht immer stoßen sie dabei auf Verständnis.

Raesfeld

, 07.12.2019, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wolfgang Warschewski ist einer von einem halben Dutzend Raesfelder, die jährlich für den Verein Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge sammeln. Wenn er mit seiner blauen Spendendose im Ortskern aufläuft, gebe es „Leute, die von vornherein sagen: Da haben wir nichts mit zu tun“, sagt Warschewski. „Wofür soll das gut sein?“, sei auch eine häufig gestellte Frage. „Der eine oder andere mosert auch schon mal.“

„Samstagmorgens vor Edeka oder Rewe zu stehen und um Geld zu betteln, ist nicht immer einfach“, sagt Bürgermeister Andreas Grotendorst. Für Warschewski steht fest, dass man als Sammler eines braucht: „Man muss ein dickes Fell haben.“ Karl-Heinz Tünte sagt: „Manche gehen wortlos vorbei. Manche müssen auch mal einen Kommentar ablassen.“ Grundsätzlich, da sind sich die Sammler einig, seien die Erfahrungen aber eher positiv.

Mit Menschen ins Gespräch kommen

Warschewski und die anderen Sammler wollen mit den Menschen ins Gespräch kommen. Ihnen erklären, warum sie jedes Jahr vor dem Edeka in Erle und dem Rewe-Markt in Raesfeld stehen und das auch am 14. Dezember wieder von 10 bis 13 Uhr tun. Wie viel Geld sie sammeln, wissen sie dabei in der Regel selber nicht. Denn die Spendendosen sind verplombt.

Warum sammeln die Raesfelder? Dafür ist es wichtig, zu wissen, was der Volksbund tut. Der Verein pflegt die Gräber von über 2,7 Millionen Kriegstoten des Ersten und Zweiten Weltkriegs auf 832 Friedhöfen in 46 Ländern. Außerdem hilft er Angehörigen bei der Gräbersuche und entwickelt die Kriegsgräberstätten weiter zu Lernorten der Geschichte.

Mühsame Recherche

Erinnerungskultur haben sich die beiden Heimatvereine, Raesfeld und Erle, auf die Fahnen geschrieben. Intensiv beschäftigen sie sich mit der Geschichte der Weltkriege und den Auswirkungen auf die Orte. Mühsame Recherchearbeit ist dafür notwendig, wenn Totenzettel oder der Inhalt von Archiven ausgewertet wird.

Der zweite Vorsitzende des Erler Heimatvereins, Andreas Cluse, sagt, dass in Erle mindestens 50 Kriegstote im Zweiten Weltkrieg zu beklagen waren. „Jede Familie war betroffen“, sagt Andreas Grotendorst angesichts von 900 Menschen, die damals in Erle lebten.

Noch immer gibt es vermisste Familienangehörige, die nie aus dem Krieg zurückkehrten und deren Schicksal ungewiss ist. Und nach wie vor werden Massengräber gefunden, berichtet Cluse. Mit Exhumierungen versuche der Volksbund, Schicksale der vermissten Soldaten zu klären. Wichtig ist den Sammlern auch, dass der Volksbund dafür sorge, dass junge Menschen zu den Gräbern der Kriegstoten gefahren werden. Karl-Heinz Tünte nennt das „Friedensarbeit“.

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