Allen Protesten zum Trotz: Altenheim soll wieder Hotel werden

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Trotz der Proteste soll das Altenheim Landhaus Keller wieder zum Hotel werden. Bürgermeister Andreas Grotendorst nahm vor dem Beschluss zur Kritik von Bewohnern und Mitarbeitern Stellung.

Raesfeld

, 17.02.2020, 18:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit Briefen, unter anderem an Gesundheitsminister Jens Spahn, und mit einer Demonstration am Rathaus hatten Bewohner, Angehörige und Mitarbeiter versucht, Druck auf Verwaltung und Politik aufzubauen, den Beschluss des Planungsausschusses zurückzunehmen.

Dieser hatte am 20. Januar einstimmig beschlossen, dass mit einer Änderung des Bebauungsplans künftig im Landhaus Keller wieder ausschließlich ein Hotel betrieben werden solle. So lange das Altenheim allerdings von der insolventen Keller-Gruppe, bzw. dem Insolvenzverwalter betrieben wird, gilt der Bestandsschutz.

In der Ratssitzung am Montag nahm Bürgermeister Andreas Grotendorst für die Gemeinde Stellung. „Eigentlich ist in den letzten Tagen ja schon vieles über die eigens vom Insolvenzverwalter eingesetzte Kommunikationsagentur gesagt worden.“ Er wolle aber den Standpunkt der Gemeinde darlegen.

„Verständnis für die Zukunftssorgen“

Grotendorst: „Wir haben vollstes Verständnis für die Zukunftssorgen der Mitarbeiter, Bewohner und Angehörigen. Eine Insolvenz ist immer eine äußerst unangenehme Situation für die Beteiligten. Dies gilt unabhängig davon, um welchen Betrieb in der Gemeinde Raesfeld es sich handelt.“

Der zur Rede stehende Standort an der Weseler Straße 71 sei seit über 30 Jahren immer ein Hotelstandort gewesen, so der Bürgermeister. Für die Bewohner und Mitarbeiter gelte nach wie vor, egal wie der Gemeinderat entscheide, Bestandsschutz.

Grotendorst: „Sollte der Bestandsschutz in Frage gestellt werden, dann kann dies nur durch den Insolvenzverwalter Rolf Weidmann aus Essen geschehen.“

„Den Vorwurf, dass wir nichts für alte Menschen im Ort tun, möchte ich zurückweisen“, sagte Grotendorst. Er verwies auf die „Vielzahl von Pflegeplätzen“, die in den letzten Jahren in Raesfeld geschaffen worden seien. Insgesamt seien dies „rund 80 inklusive der dazu nötigen Arbeitsplätze“. Grotendorst nannte das Haus an der Gartenstraße sowie das Haus am Kirchplatz in Erle.

Keine Diskussion

Beratungsbedarf sahen die Politiker anschließend nicht mehr. Ohne jede Diskussion (!) beschloss der Rat die Bebauungsplanänderung.

Von den Mitarbeitern des Landhauses Keller, die die Sitzung verfolgt hatten, war anschließend niemand zu einem Statement bereit. Heinz Schlier, Mitarbeiter des Insolvenzverwalters, drückte sein Unverständnis aus, warum die Gemeinde „ohne wirtschaftliche Not“ die Möglichkeiten halbiere. Richtig sei, dass der Standort 30 Jahre Hotelstandort gewesen sei, allerdings seien zwei Betreiber in die Insolvenz gegangen. Der Insolvenzverwalter beabsichtige nicht, den Bestandsschutz aufzuheben.

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