Alte Karten zeigen Weihnachtsfest im Wandel

Sammler Heinz Bröker

Ein bisschen Kitsch, ein wenig Sehnsucht sowie viele echte Gefühle sind auf alten Weihnachtspostkarten abgebildet, die der Raesfelder Heinz Bröker seit Jahren sammelt. Zum Ausflug in die "gute alte Zeit" laden seine teilweise mehr als hundert Jahre alten Weihnachtskarten ein.

Raesfeld

, 23.12.2016, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Heinz Bröker sammelt seit vielen Jahren alte Postkarten und hat mittlerweile viele Rariräten in seiner Sammlung.

Heinz Bröker sammelt seit vielen Jahren alte Postkarten und hat mittlerweile viele Rariräten in seiner Sammlung.

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Weihnachtskarten

Seit vielen Jahren sammelt Heinz Bröker Weihnachtskarten.
23.12.2016
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Heinz Bröker sammelt seit vielen Jahren alte Postkarten und hat mittlerweile viele Rariräten in seiner Sammlung.© Petra Bosse
Auf der Vorderseite standen Text und Bild. Auf der Rückseite ausschließlich das Anschriftenfeld. So sahen bis 1905 alle Postkarten aus.© Petra Bosse
Von jeher war es Tradition, dass man um Mitternacht zur Mette ging Auf den alten Weihnachtskarten hat man fast den Eindruck, es wäre ausschließlich ein ländlicher Brauch.© Petra Bosse
Wie auf dieser Karte zu sehen, konnten die Eltern beim Schmücken des Christbaumes auf "himmlische Hilfe" bauen.© Petra Bosse
Äpfel, Nüsse und Mandelkern gehörten zum Weihnachtsfest.© Petra Bosse
Scherenschnitte sind auch heute noch aktuell.© Petra Bosse
Der heilige Josef mit dem Jesuskind ist eine Rarität unter den Weihnachtskarten. Fast immer ist die Gottesmutter abgebildet.© Petra Bosse
Den Darstellungsmöglichkeiten der Szene im Stall von Bethlehem waren keine Grenzen gesetzt.© Petra Bosse
Ein dankbarer Weihnachtsgruß von den Missionaren aus Indien.© Petra Bosse
Und natürlich wird auch immer wieder das wohl bekannteste Weihnachtslied zitiert: Stille Nacht, heilige Nacht".© Petra Bosse
Die Familie versammelt sich um den Tannenbaum. Diese Karte wurde 1912 verschickt.© Petra Bosse
Elegant die Kleidung, dazu ganz auf Weihnachten bezogen der Mistelzweig in der Rechten. Die Fantasie der Kartenmacher war unerschöpflich.© Petra Bosse
Liebespaare unter dem Weihnachtsbaum, eine Weihnachtskarte mit doppelter Botschaft. Wurde doch mit dem "fröhlichen Weihnachtsgruß" gleichzeitig die Verlobung angekündigt.© Petr Bosse
Karten vom Nikolaus sind in Deutschland eher selten. In Österreich dagegen wurden fleißig Grüße vom Nikolo oder vom Krampus (bei uns Knecht Ruprecht) verschickt, wobei der Krampus oft sehr gruselig daher kommt.© Petra Bosse
Bei dieser Karte irrt der Weihnachtskartenhersteller. richtig wäre: "Gruß vom Weihnachtsmann". Bekannt die Figur durch die Coca-Cola-Werbung.© Petra Bosse
Diese Karte stammt vom ersten Kriegsweihnachten 1914.© Petra Bosse
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"Wenn ich mir die alten Motive anschaue, kommt es mir vor, als hätten die Postkartenmacher von anno dazumal die Lieder und Verse farbig illustriert. Wenn sie für heutige Begriffe auch eher kitschig wirken, ist nicht zu übersehen, dass die Karten dennoch so fantasievoll gestaltet sind, dass es schon wieder bewundernswert ist“, findet Heinz Bröker. In der Tat: Die Motive waren damals sehr vielfältig. Da werden Kinder als neckische, süße Englein verkleidet und einer jungfräulichen Schönen ein feuchter Augenaufschlag aufretuschiert. „Beliebt waren nicht nur verschneite Landschaften, Nikolaus und Weihnachtsmann, Glocken sowie Engel in allen Varianten und christliche Motive, sondern auch Liebespaar oder eine Verlobung unter dem weihnachtlich geschmückten Tannenbaum“, erzählt Heinz Bröker, der rund 1000 alte Weihnachtskarten in der Sammlung hat.

Kriegswerbung

Selbst politische Geschehnisse integrierten die Kartengestalter in die Weihnachtsgrüße. Etwa in der Kaiserzeit. Sie sind geprägt vom Patriotismus jener Zeit. Kriegswerbung der besonderen Art prägte die Weihnachtspostkarten 1914, der Soldat im Ersten Weltkrieg als Doppelmotiv mit Mutter und Kind.

"Liebenswert"

Den Fantasien der Kartenhersteller waren keine Grenzen gesetzt und unerschöpflich. „Dies machte ihre Produkte, auch wenn wir heute drüber lächeln, liebenswert. Und was wir heute als übermäßig süßlich empfinden, wurde seinerzeit womöglich als lieb, niedlich, fromm, herzig oder rührend empfunden“, sagt Bröker schmunzelnd. Wenn diese Motive heute nicht mehr den Geschmack treffen, sollte man sich darüber lieber nicht mokieren, „denn wer weiß, wie unser heutiger Geschmack in Zukunft einmal beurteilt wird“, gibt Bröker zu bedenken.

Nostalgiewelle

An der Aufschrift „Fröhliche Weihnachten“ oder „Ein frohes Fest“ hat sich bis heute nicht viel geändert. Wohl aber an der Art der Beschriftung. So war es damals nicht ungewöhnlich, dass bei den allerersten Weihnachtskarten die Grüße auf die Vorderseite geschrieben wurden. Ein Grund dafür, dass unter Sammlern heute die unbeschriebenen Blankokarten als die wertvollsten Exemplare gelten. „Auf der Nostalgiewelle sind alte Karten beliebte Objekte und kindlich, heitere, aber auch rührende Zeugnisse einer guten alten Zeit, die zumindest damals zu Weihnachten als solche verkauft wurde“, sagt Heinz Bröker, der seit 20 Jahren sammelt. So ist nicht verwunderlich, dass Bröker zum Fest nicht anruft oder mailt, sondern selbst geschriebene Karten zu Weihnachten versendet. Eine Tradition, an der er festhält. 60 Weihnachtsgrüße versendet er auf dem Postweg. „Weihnachtsgrüße gehen raus und ich bekomme auch viele schöne Weihnachtspost zurück“, freut sich Heinz Bröker. 

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