Altenheim-Bewohner und -Mitarbeiter starten Protestmarsch zum Rathaus

mlzLandhaus Keller

Bewohner, Angehörige und Mitarbeiter eines Altenheims haben am Donnerstagmorgen einen Protestmarsch zum Rathaus unternommen.

Raesfeld

, 13.02.2020, 11:38 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es regnete, der Wind ließ die Schirme umklappen. Aber die rund 35 Bewohner, Angehörigen und Mitarbeiter des Altenheims Landhaus Keller ließen sich am Donnerstagmorgen nicht davon abhalten. „Wir sind keine Menschen zweiter Klasse“, „Wir wollen unser Zuhause behalten“ oder „Warum stören alte Menschen das Stadtbild von Raesfeld“ war auf ihren Transparenten zu lesen, die sie vor dem Rathaus enthüllten.

Altenheim-Bewohner und -Mitarbeiter starten Protestmarsch zum Rathaus

Die Bewohner des Altenheims fürchten um ihr Zuhause. © Berthold Fehmer

Die Protestierenden des Altenheims Landhaus Keller wollen so den Druck auf Verwaltung und Kommunalpolitik erhöhen. Im Planungsausschuss hatten die Politiker am 20. Januar einstimmig eine Änderung des Bebauungsplans beschlossen, durch die das Landhaus Keller wieder ein Hotel werden soll. So lange es in derzeitiger Form betrieben wird, gilt der Bestandsschutz.

Für einen Hotelbetrieb gebe es keine Nachfrage von Investoren, hatte der Insolvenzverwalter Rolf Weidmann der insolventen Firmengruppe Keller vor dem Beschluss des Planungsausschusses eingewendet. Stattdessen wollten Investoren den Altenheimbetrieb weiterführen und möglichst erweitern. Ansonsten drohe eine „Bauruine“.

Der Insolvenzverwalter habe „das Interesse, das Grundstück zum möglichst hohen Preis zu verkaufen“, so der Erste Beigeordnete Martin Tesing im Planungsausschuss: „ Es ist ein klassischer Konflikt zwischen Dorfentwicklung und kommerziellen Interessen.“

Enttäuscht waren die Demonstranten davon, dass weder Bürgermeister Andreas Grotendorst, noch der Erste Beigeordnete Martin Tesing an diesem Tag ihnen antworteten. Gemeindesprecherin Claudia Wesseling sagte, dass beide durch Termine verhindert seien, die schon lange vorher festgestanden hätten, und die Gemeinde erst einen Tag vorher erfahren habe, dass eine Demo geplant sei. Einrichtungsleiterin Brigitte Kohl verwies auf eine Genehmigung, die sie am 10. Februar erhalten habe. Doch die hatte die Polizei ausgestellt und den Termin laut Wesseling nicht an die Gemeinde weitergegeben.

Wesseling versprach, alle Frage der Demonstranten aufzunehmen und weiterzugeben. Kohl sagte, dass man eine Antwort aber erwarte, bevor die Politik entscheide. Im Rat am Montag (17. Februar) steht die Änderung des Bebauungsplans auf der Tagesordnung. Aus Sicht der Verwaltung ist die Angelegenheit klar: Sie empfiehlt der Politik, auf dem derzeitigen Kurs zu bleiben und den Bebauungsplan als Satzung zu beschließen.

Die Demonstranten machten deutlich, dass sie um ihre Arbeitsplätze fürchten und um die zum Teil demenzkranken Bewohner. „Die haben ihre Familien hier gefunden“, so eine Frau: „Und jetzt wird die Gruppe wieder auseinandergerissen.“

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