Angehörige kommen zur Stolperstein-Verlegung

RAESFELD Mit großem Besucherandrang rechnen die Raesfelder bei der Verlegung der Stolpersteine zum Gedenken an die Familie Rosenbaum. "Um die 100 Personen werden am 31. März wohl teilnehmen", schätzt Bernhard Funke.

von Von Anke Klapsing-Reich

, 19.03.2009, 14:58 Uhr / Lesedauer: 2 min
Angehörige kommen zur Stolperstein-Verlegung

Vor dem Haus von Edelgard und Bernhard Funke werden Stolpersteine verlegt.

Bernhard Funke war es, der die "Stolpersteine" ins Rollen brachte. Mit Aufwand, Geduld und hartnäckiger Recherche trug der gebürtige Raesfelder gewissenhaft alles zusammen, was er über die jüdische Familie Rosenbaum - Abraham Israel Rosenbaum, seine Frau Dina und Tochter Johanna - herausfinden konnte (wir berichteten).

Von 1919 bis 1942 lebten die Rosenbaums in dem Haus an der Weseler Straße 43 (früher Dorf 122), das seit 1959 im Besitz der Familie Funke ist. "Am 2. April 1942 wurden die Rosenbaums ins KZ Riga gebracht", recherchierte der Raesfelder, "dort wurden sie auch alle ermordet."

Auf Initiative der Familie Funke werden nun in Erinnerung an die drei Mitglieder der Familie Rosenbaum drei Stolpersteine verlegt. Der Kölner Künstler Gunter Demnig - Urheber der Stolperstein-Aktionen - wird die glänzenden, gravierten Messingplatten am 31. März um 9 Uhr ins Pflaster des Gehweges vor dem Haus an der Weseler Straße 43 legen.Vortrag über die bundesweite Aktion

Gunter Demnig ist bereits am Tag zuvor zu Gast in Raesfeld. "Am Montagabend informiert er um 19 Uhr im Lukas Zentrum über die Entstehung der bundesweiten Stolpersteine-Aktion und über seine Arbeit von Anfang an bis heute", lädt Funke herzlich zu dieser eintrittsfreien Veranstaltung ein, die auch Programmpunkt im Jahresveranstaltungskalender des lokalen Heimatvereins ist.

Besonders freut Bernhard Funke, dass sich auch junge Menschen für dieses schwarze Kapitel deutscher Geschichte interessieren und engagieren: "Die Klassen 10 a und 10 b der Alexander Schule in Raesfeld werden die Verlegung der Stolpersteine ebenso aktiv mitgestalten wie die Klasse 10 der Nünning Realschule Borken."Überlebende Verwandte aufgespürt

Als Zeugen der damaligen Zeit haben Hella Wertheim (82) und Werner Steinmann (85) ihr Kommen angekündigt. Im Rahmen seiner Recherchen hatte Bernhard Funke die überlebenden Verwandten der Familie Rosenbaum aufgespürt. "Hella Wertheim aus Gildehaus bei Bentheim ist eine angeheiratete Nichte von Abraham Rosenbaum", erklärt Bernhard Funke. Mit 14 Jahren sei sie ins KZ Auschwitz deportiert und von ihrer Mutter getrennt worden. Sie überlebte die Hölle. Am 5. Mai 1945 wurde sie von Amerikanern im KZ Lenzig (Österreich) befreit. Werner Steinmann lebt heute in Oberhausen. "Er ist ein Großcousin von Dina Rosenbaum, die eine geborene Steinmann war", hat Bernhard Funke herausgefunden.

Termine: Montag, 30.3., 19 Uhr im Lukas Zentrum: Vortrag von Gunter Demnig über die Stolpersteine-Aktion. Stolpersteine-Verlegung am Dienstag, 31.3., 9 Uhr vor dem Haus Weseler Straße 43.

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