Beim Einbruch in die Volksbank war ein Profi am Werk

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In die Erler Volksbank ist in der Nacht zu Dienstag ein Profi eingebrochen. Vorstand Michael Weddeling sagt aufgrund der Vorgehensweise: „Der hat so etwas nicht zum ersten Mal gemacht.“

Raesfeld

, 01.04.2020, 13:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der Nacht zu Dienstag hat um 2.30 Uhr ein Einbrecher ein Fenster im hinteren Bereich der Erler Volksbank aufgebrochen. Sofort ging laut Volksbankvorstand Michael Weddeling der Alarm los. „Drei Minuten war der Täter in der Bank“, weiß Weddeling mittlerweile aufgrund der aufgezeichneten Videobilder.

Zielgerichtet sei der Mann zu den Sparbuchschließfächern im Foyer der Bank gerannt. „Er hat wohl auf Bargeld oder andere Dinge gehofft“, sagt Weddeling. Etwa eine Minute brauchte der Einbrecher zum Einsteigen in die Bank - ebenso lange, um wieder aus der Bank zu flüchten. Also hatte er ungefähr eine Minute Zeit an den Sparbuchschließfächern - und die wusste er zu nutzen.

Pro Schließfach nur vier Sekunden gebraucht

„Mit einer speziellen Stange, das konnte man auf den Bildern gut sehen“, so Weddeling, habe der Mann die Sparbuchschließfächer geknackt. Und kam dabei in rund einer Minute auf insgesamt 15 Schließfächer. Ein Schließfach alle vier Sekunden! Und darin eingerechnet ist schon die Zeit, die er dafür brauchte, um zu überprüfen, ob sich neben dem Sparbuch noch etwas anderes im Fach befindet. Weddeling reagiert mit Galgenhumor: „Der war schon gut drauf.“

Wie hoch der Schaden für die Kunden war, konnte die Polizei am Dienstag noch nicht sagen. Dies herauszufinden, war am selben Tag Michael Weddelings Aufgabe, der alle betroffenen Kunden anrief und erst am Mittwochmorgen Entwarnung geben konnte. „Alle Kunden hatten nur Sparbücher drin.“ Und diese habe der Einbrecher liegen gelassen, „weil er wusste, dass er sowieso nichts damit anfangen kann“. Denn, wenn der Kunde unbekannt sei, müsse er beim Geldabheben seinen Personalausweis vorzeigen.

In anderen Banken seien Kunden in vergleichbaren Fällen auch schon mal Wertsachen abhanden gekommen, weiß Weddeling. „Es steht bei uns in den Verträgen aber auch sehr deutlich drin und wir weisen die Kunden auch darauf hin, dass Wertgegenstände in unsere normalen Schließfächer gehören.“

Schließfächer zerstört

Bleibt der Schaden durch die zum Teil zerstörten Schließfächer. Wie hoch dieser ausfällt, konnte Weddeling am Mittwoch noch nicht sagen. „Wir werden mit der Firma sprechen, ob die komplette Schließanlage ausgetauscht werden muss oder nur Teile davon.“

Andere Banken haben ihre Sparbuchschließfächer komplett abgeschafft. Wäre das auch für die Erler Volksbank eine Option? „Alle neuen Konten werden ohne Sparbuch angelegt“, sagt Weddeling, aber es gebe viele ältere Kunden, „die gerne ihr Sparbuch behalten wollen. Wir werden nicht von heute auf morgen die Sparbücher abschaffen.“

So geht die Volksbank mit der Coronavirus-Krise um

Wie geht die Volksbank Erle derzeit mit der Coronavirus-Krise um? Man arbeite im Service mit zwei Teams im Wechsel, sagt Weddeling. Plexiglas-Scheiben sollen eine Ansteckung verhindern. Auch dürften Kunden nur noch einzeln die Bank betreten. „Würden wir die Öffnungszeiten stark einschränken, gäbe es draußen Schlangen“, glaubt Weddeling. Bis auf den Freitagnachmittag habe man die Öffnungszeiten beibehalten. „Noch können wir das aufgrund der personellen Situation.“

Die Unsicherheit bei den Kunden sei derzeit groß. Viele würden Förderprogramme abrufen. „Wir versuchen, so gut es geht, zu helfen.“ Wobei Weddeling realistisch einschätzt: „Wo vorher schon extreme Schwierigkeiten waren, ist ein Programm auch nicht das Allheilmittel.“ Die Volksbank Erle, die ihre Kunden gut kenne, habe sich aber auf die Fahnen geschrieben, „regional alles zu tun, damit die Händler bestehen bleiben“. Allerdings weiß Weddeling auch: „Je länger sich das Thema zieht, desto schwieriger wird es.“

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