Bernhard Bölker löst Karl-Heinz Tünte nach 34 Jahren als CDU-Fraktionsvorsitzender ab

Neuer CDU-Fraktionsvorsitzender

Bernhard Bölker ist der neue Fraktionsvorsitzende der Raesfelder CDU. Er löst Karl-Heinz Tünte ab, der diese Aufgabe 34 Jahre übernommen hatte. Das Ende einer Ära.

Raesfeld

, 10.02.2019, 17:02 Uhr / Lesedauer: 3 min
Bernhard Bölker löst Karl-Heinz Tünte nach 34 Jahren als CDU-Fraktionsvorsitzender ab

Bernhard Bölker (l.) löst Karl-Heinz Tünte nach 34 Jahren als Fraktionsvorsitzender der Raesfelder CDU ab. © Berthold Fehmer

„Eine Nummer kleiner hätte es sicherlich auch ganz gut getan“, sagte Karl-Heinz Tünte bescheiden, nachdem er am Sonntag in einer kleinen Feierstunde im Gasthof Nießing fast zwei Stunden von langjährigen Mitstreitern sowie dem Landtagsabgeordneten Willi Korth und dem Bundestagsabgeordneten Johannes Röhring gelobt worden war.

Der stellvertretende Bürgermeister Hans-Dieter Strothmann sagte, dass zwei Generationen von Raesfeldern nur Karl-Heinz Tünte als CDU-Fraktionsvorsitzenden kennen würden. Strothmann hatte Tünte seit den ersten politischen Gehversuchen Anfang der 70er-Jahre begleitet. Auch wenn den Jungpolitikern damals auch auf Plattdeutsch manchmal ein „Wat willt de Schnösels überhaupt?“ entgegnet worden sei, habe sich Tünte als guter Moderator, Vordenker und Visionär entpuppt.

7000 Termine in 44 Jahren

Strothmann versuchte auszurechnen, wie viele Termine Tünte seitdem wahrgenommen hatte: „Über 7000 Termine in 44 Jahren.“ Tünte sei ein geselliger Mensch, der auf Fahrten zu später Stunde „als begnadeter Sänger“ Volks- und Fahrtenlieder angestimmt habe. Tüntes Haushaltsreden zählten hingegen zu den „Sternstunden der Lokalpolitik“. Tünte habe sich in die Themen stets eingearbeitet: „Ich möchte wenigstens wissen, wofür mir die Ohren abgerissen werden“, habe er einmal gesagt.

Ehrenbürgermeister Udo Rößing erinnerte daran, wie er Tünte 1975 kennengelernt hatte. Zunehmend habe er ihn schätzen gelernt. Tünte habe immer darauf gedrungen, dass der Rat für die wirklich wichtigen Belange zuständig sei. Um Tüntes Pflichtbewusstsein zu verdeutlichen, schilderte Rößing, wie Tünte sich 1995 selbst aus der Kur beurlaubt habe und nach Raesfeld geeilt sei, um einer Abstimmung beizuwohnen. „Anschließend ist er schnurstracks wieder nach Bad Salzuflen zurück.“ Tünte sei für die Gemeinde „ein Geschenk von hohem Wert“.

Bürgermeister Andreas Grotendorst fühlte sich in der Rednerliste der „Senior Consultants“ wie ein „junger Spund“, erinnerte aber auch daran, dass der Bundesverdienstkreuzträger Tünte neben seiner ehrenamtlichen politischen Arbeit und der als Schöffe am Amtsgericht, im Jugendwerk, im Vorstand der Bürgerschützen, im Orgelbauverein, im Heimatverein und vielem mehr auch viel Arbeit geleistet habe.

„Leider ein Auslaufmodell“

Die Arbeit als Fraktionsvorsitzender bringe auch eine Menge Kritik ein, so Grotendorst. In Sozialen Medien werde oft schnell ein Sündenbock gesucht. „Ehrenamtler wie Karl-Heinz sind leider ein Auslaufmodell“, sagte Grotendorst. „Wir waren zwar nicht immer einer Meinung, aber der Streit war immer konstruktiv. Und wir haben uns immer wieder vertragen.“ Tünte habe ein großes Maß an Verlässlichkeit mitgebracht: „Du bist der Fels in der Brandung.“ Und zu Tüntes Frau Gerda sagte Grotendorst: „Du bist sein Rücken.“

Willi Korth sagte, er habe nach seiner ersten Begegnung mit Tünte gedacht: „Mein Gott, was ist das ein feiner Mensch.“ Und Johannes Röhring lud Tünte nach Berlin ein. Damit dieser angesichts „Koalition im Verteilmodus“ ein paar Dinge vom Erfolgsmodell Raesfeld berichten könne.

Als Tünte endlich an der Reihe war, gab er zu, dass das Lob zwar gut tue. „Andererseits habe ich heute ein ganz schönes Päckchen zu tragen.“ Manches habe sich angehört wie bei einer Grabrede, dabei wolle er noch weiter bis zum Ende der Wahlperiode mit Rat und Tat zur Seite stehen. Er sei ein politisch denkender Mensch, aber kein parteilpolitisch denkender Mensch.

„Das kann ich nicht.“

Die Tränen nicht zurückhalten konnte Tünte, als er seiner Frau für ihr großes Verständnis dankte. Tünte sagte auch ehrlich, was er gedacht habe, als Reinhard Kipp ihn 1984 zum Fraktionsvorsitzenden machen wollte: „Ich scheiß mir was in die Hose. Das kann ich nicht.“ Tünte erinnerte sich, wie er die ersten Reden „mit flatterndem Zettel in der Kneipe“ gehalten habe.

Der neue Fraktionsvorsitzende Bernhard Bölker sagte, er trete in große Fußstapfen. Zu Tünte sagte er: „Du bleibst uns erhalten, wir tauschen nur die Plätze.“ Derzeit sei die Gemeinde im gestreckten Galopp, um Raesfeld noch attraktiver zu machen. Da sei ein Reiterwechsel möglich, aber kein Richtungswechsel. Der wirtschaftliche Umgang mit dem Geld der Bürger sei auch ihm wichtig.

Zahlreiche Herausforderungen gebe es in nächster Zeit, so Bölker. Die Dorfentwicklung, die Parkplatzsituation, die Umgestaltung an der Erler Kirche, die Entwicklung des Gewerbes auf neuen Flächen, die medizinische Versorgung im Ort und vieles mehr.

Bölker kündigte an, nicht so lange wie Tünte das Amt des Fraktionsvorsitzenden ausüben zu wollen. „Dann wäre ich 92.“

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