Coronavirus: Landwirte sagen Danke - und kündigen nächste Attacke an

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Auch wenn die ganze Welt das Coronavirus lieber heute als morgen los wäre - einen positiven Aspekt hatte es. Und dafür sagen die Landwirte Danke. Doch die nächste Attacke ist angekündigt.

Raesfeld

, 24.05.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Stefan Nießing, geschäftsführender Vorstand bei der Agri V Raiffeisen in Raesfeld, hat hautnah mitbekommen, was die Coronakrise bei vielen Kunden ausgelöst hat. „Wir haben dadurch unheimlich profitiert“, sagt er - auch weil viele Produkte im Raiffeisenmarkt aus regionaler Erzeugung stammen.

Dies ist ein Effekt, für den die Landwirte derzeit Danke sagen wollen. Mit einem Anhänger, der durch NRW tourt. Aus Alpen hatten ihn am Freitagmorgen Helena Eimers und Riko Neuenhoff, Sohn des Bruders von Rüdiger Neuenhoff, abgeholt. Neuenhoff, Landwirt aus Havelich und Vertreter von „Land schafft Verbindung“ (LsV), sagt, dass die Aktion relativ spontan gestartet worden sei und ihren Ursprung im Sauerland habe.

Spendenaktion für „Ärzte ohne Grenzen“

Der Anhänger stand bereits auf der Kölner Domplatte oder auch bei der Landesgartenschau in Kamp-Lintfort. Bis zum 6. Juni solle der Anhänger noch in NRW touren, anschließend nach Niedersachsen fahren. Eine Spendenaktion für „Ärzte ohne Grenzen“ ist ebenfalls Teil der Tour, wobei Stefan Nießing gleich mit einem Scheck über 250 Euro als gutes Beispiel voranging.

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Ansgar Tubes, Chef eines Kirchhellener Lohnunternehmens und Sprecher des LsV NRW, sagt, dass es keinen festen Fahrplan für den Anhänger gebe. Eigentlich sei ursprünglich geplant gewesen, die Aktion bis Oktober laufen zu lassen. Doch da sie sehr gute Resonanz finde, werde sie wohl verlängert. „Vielleicht bis Oktober des nächsten Jahres?“

„Die Preise sind im freien Fall“

Welche Auswirkungen hatte Corona ansonsten auf die Landwirtschaft? „Wir haben eigentlich unsere Arbeit so weiter gemacht“, sagt Neuenhoff. Tubes sagt hingegen: „Die Preise sind im freien Fall.“ Dies und die derzeitige Trockenheit machen auch Neuenhoff Sorgen. Doch das seien Dinge, die man nicht ändern könne. Was ihm und vielen Landwirten allerdings gegen den Strich geht, sind Politiker-Aussagen, die ständig die „Landwirte zum Buhmännern“ machten.

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Tubes nennt beispielsweise das Insektenschutzpaket oder auch Handelsabkommen, die aus Sicht der Landwirte dringend der Überarbeitung bedürften. „Die Betriebe werden jeden Tag weniger“, sagt Neuenhoff, zumeist Familienbetriebe. Auch weil sie teilweise das „Bauern-Bashing“ nicht mehr ertragen könnten. Zum Thema Blühstreifen sagt Neuenhoff etwa: „Die Landwirte könnten natürlich Flächen aus der Produktion nehmen - aber das muss dann auch irgendwer bezahlen.“

Mit der „Danke“-Aktion ist also noch längst kein Frieden eingekehrt. Tubes kündigt an: „Wenn wir mit unserer Frühjahrsarbeit fertig sind, ist Attacke angesagt.“

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