Darum braucht die Polizei bei Alkoholvergehen nicht immer einen Promillewert

mlzTrunkenheit am Steuer

Wer mit Alkohol am Steuer erwischt wird, muss nicht zwangsläufig eine Blutprobe abgeben. Wann der Atemalkohol-Test ausreicht und wann nicht, zeigt das aktuelle Beispiel eines 32-Jährigen.

Raesfeld

, 25.11.2019, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Bußgeld, zwei Punkte in der Verkehrssünderkartei und ein Fahrverbot von einem Monat drohen einem 32-Jährigen, der am Sonntag durch Trunkenheit am Steuer auffiel. Laut Mitteilung der Polizei war der Autofahrer am Sonntagnachmittag auf der Weseler Straße in Raesfeld von Polizeibeamten kontrolliert worden.

„Ein Atemalkoholtest ergab einen Wert von 0,27 mg/l. Ab einem Wert von 0,25 mg/l Atemalkohol liegt eine Verkehrsordnungswidrigkeit vor“, so die Polizei in ihrer Mitteilung.

Atem oder Blut

Geläufiger als der Anteil des Alkohols in der Atemluft dürfte den meisten der Promillewert sein. „Die meisten kennen das 0,5-Promille-Gesetz“, sagt Polizeisprecher Frank Rentmeister. Um eine Vorstellung vom Verhältnis der beiden Werte, Atemalkohol und Promillewert (durch Blutuntersuchung ermittelt), zu erhalten, sagt Rentmeister, dass man den Atemalkoholwert etwa verdoppeln könne, um den Promillewert zu erhalten. Im vorliegenden Fall hätte der Autofahrer also etwa 0,54 Promille Alkohol im Blut gehabt. Präzise oder gar gerichtsverwertbar ist diese Berechnung natürlich nicht.

Das „Pusten“ erfolgt bei einer Verkehrskontrolle oder auf der Wache übrigens auf freiwilliger Basis. Gezwungen werden kann man dazu nicht. Eine Blutprobe muss, wenn keine „Gefahr in Verzug“ besteht, vom Richter angeordnet werden.

Test auf der Wache ist genauer

Bei den Atemalkoholtests müsse man zudem die am Streifenwagen gemachten von denen auf der Wache unterscheiden, so Rentmeister. Am Streifenwagen gehe es zunächst darum, zu erkennen, ob der Fahrer Alkohol getrunken habe. Das Atemluft-Messgerät in der Wache könne einen präzisen Wert bestimmen, der bei Ordnungswidrigkeiten, also Bußgeldverfahren, bereits ausreiche - ganz ohne Blutprobe. Bei Strafverfahren sei in jedem Fall eine Blutprobe zu nehmen, so Rentmeister. In solchen Fällen reiche die Atemluftmessung nicht aus, in den Niederlanden sei das anders.

Obwohl es sich im vorliegenden Fall nur um eine Ordnungswidrigkeit handelte, wurde nach dem Untersagen der Weiterfahrt eine Blutprobe durch einen Arzt auf der Wache angeordnet. Warum eigentlich, wenn doch der bekannt war? Dieser Wert sei am Streifenwagen ermittelt worden, so Rentmeister, „auf der Wache hat das nicht funktioniert“.

Zum Teil wollten die Betroffenen auf der Wache nicht mehr pusten oder seien körperlich nicht mehr dazu in der Lage. „In 95 Prozent der Fälle klappt das aber“, sagt Rentmeister, der die Atemluftmessung schätzt: „Das ist nicht so ein schwerer Eingriff wie bei einer Blutprobe.“

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