Das Homeschooling war als Ersatz für normalen Unterricht für viele Schüler nicht genug. Nun gilt es, die Folgen eines pandemiebedingt schwierigen Schuljahres aufzuarbeiten. © picture alliance/dpa
Coronavirus

Die Folgen des Homeschooling: Viele Schüler brauchen nun Hilfe

Grundschüler sind seit wenigen Tagen wieder im Präsenzunterricht - die Auswirkungen der Pandemie fallen Lehrkräften nun auf. Schulleiter Thomas Schlüter benennt Defizite und Lösungen.

Homeschooling, Video-Konferenzen, Wechselunterricht: Ein bemerkenswert schwieriges Schuljahr endet in knapp vier Wochen und wohl niemand würde behaupten wollen, dass dabei nichts auf der Strecke geblieben sei. Thomas Schlüter, Schulleiter der Raesfelder St.-Sebastian-Schule und der Erler Silvesterschule, sieht Probleme in mehreren Bereichen.

Aufgefallen sind ihm und den Lehrkräften die „Kinder aus dem Migrationsbereich“: „Das tägliche Sprachbad fehlte.“ Der deutsche Wortschatz, den diese Kinder in der Schule aufgebaut hätten, sei durch den fehlenden Kontakt zur Schule „abgeschwächt“ worden, sagt Schlüter. „Wir müssen die Begriffe wieder reaktivieren, das geht nur durch persönliche Zuwendung in natürlichen Situationen“.

Schwierigkeiten wurden verstärkt

Insgesamt hätten sich bei Kindern, die schon vor der Pandemie in der Schule Schwierigkeiten gehabt hätten, diese zum Teil weiter verstärkt. „Das hängt davon ab, inwieweit die Möglichkeit bestand, dass die Eltern die Kinder unterstützen. Nicht jeder hatte die Möglichkeit dazu“, sagt Schlüter wertneutral, dem die Schwierigkeiten, denen Familien monatelang ausgesetzt waren, sehr bewusst sind. Den größten Nachholbedarf sieht Schlüter in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch.

Zudem würden die Lehrkräfte derzeit bemerken, dass die Kinder sich zwar freuten, wieder in der Schule zu sein und zumeist auch motiviert seien, „aber man darf dabei nicht verkennen, dass einzelnen noch die Umgewöhnung an die normale Realität schwerfällt“, sagt Schlüter.

„Extra-Zeit zum Lernen“

Ein Förderprogramm des Landes mit dem Titel „Extra-Zeit zum Lernen“ will die Raesfelder FDP nutzen, um Lernrückstände aufzuarbeiten. Zusätzliche 36 Millionen Euro sollen für außerschulische Bildungs- und Betreuungsangebote bereitgestellt werden, von denen nach Willen des FDP-Fraktionsvorsitzenden Christoph Stephan auch Raesfelder Kinder profitieren sollte. Die Gemeinde solle versuchen, Mittel abzurufen und mit örtlichen Bildungseinrichtungen Angebote schaffen.

„Soweit ich das Programm verstanden habe, ist es nicht nur auf die Ferienzeiten angelegt“, sagt Thomas Schlüter. Sinnvoller als ein Zwei-Wochen-Crash-Kurs in den Ferien fände er eine kontinuierliche Begleitung einzelner Schüler vor allem im OGS-/Nachmittagsbereich. Das hätte den Vorteil, dass Schüler dies nicht als „Strafe“ empfinden würden, in den Ferien nachzusitzen. Aber auch den, dass in Rückkoppelung mit den Lehrerinnen und Lehrern der individuelle Lernfortschritt begleitet werden könne.

Auf eine Zusage des Landes verlässt sich Schlüter nicht – zumal 36 Millionen Euro für alle Schulformen, auch Berufskollegs, und sogar Universitäten (!) in einem großen Bundesland wie NRW wohl nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sind.

Caritas will fünf Ehrenamtler stellen

Fünf Ehrenamtler der Caritas haben bereits zugesagt, Raesfelder Grundschüler bei Hausaufgaben unterstützen zu wollen, „damit Kinder mögliche Lernrückstände schnellstmöglich aufarbeiten können“. Eine Kollegin sei gerade dabei, dieses Projekt zu koordinieren, so Schlüter: „Es soll zeitnah beginnen, aber der Schwerpunkt liegt auf dem nächsten Schuljahr.“ Eine Konkurrenz zur „Extra-Zeit zum Lernen“ sieht Schlüter darin nicht. „Es ist gut, wenn sich solche Projekte ergänzen.“

Es sei wichtig, mehrere Wege zu verfolgen, sagt Schlüter, der noch ein Ass im Ärmel hat: 25 ehrenamtliche Lese- und Sprachbegleiter. Deren Aktivitäten seien pandemiebedingt zum Erliegen gekommen. Doch wenn die Ehrenamtler geimpft seien, „werden wir das wieder reaktivieren“, hofft Schlüter: „Das ist ein Super-Fundus.“

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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Berthold Fehmer

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