Dreimal Gold und einmal Silber für Böckenhoff-Spirituosen

mlzKornbrennerei Böckenhoff

Dirk Böckenhoffs Spirituosen haben beim Craft Spirits Festival „Destille Berlin“ eine 25-köpfige Jury überzeugt: Dreimal Gold und einmal Silber. Er sprach mit uns über seine weiteren Pläne.

Raesfeld

, 08.03.2019, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Destille Berlin“ ist ein Festival, das vor allem kleine produzierenden Brennereien in den Blick nimmt. „Korn brennen nicht mehr so viele. Viele mischen nur noch“, sagt Böckenhoff, der in Erle und Dorsten Brennereien betreibt. Fachpublikum, aber auch Privatleute seien am Wochenende Anfang März zugegen gewesen.

Brennereien, die Korn selber brennen, gibt es laut Dirk Böckenhoff nicht mehr so viele: „Viele mischen nur noch."

Brennereien, die Korn selber brennen, gibt es laut Dirk Böckenhoff nicht mehr so viele: „Viele mischen nur noch." © Berthold Fehmer

In verschiedenen Kategorien konnten die Brennereien ihre Spirituosen einreichen. 25 fachkundige Juroren aus dem deutschsprachigen Raum testeten diese, „ohne Etikett“, wie Böckenhoff sagt. Sein „Alter Korn, Emmer Brand“ und sein „Gin“ erhielten Gold, der Edelkorn Silber.

Beim Gin seien mehr als 100 Spirituosen eingereicht worden, sagt Böckenhoff nicht ohne Stolz. Ob er selbst seinen Gin „Somm 16“ aus zehn Gins herausschmecken würde? „Ich glaube schon.“ Auch aus hundert? Das könnte schwierig werden, gibt er zu.

„Ein klarer Frauenkorn“

Der „Alte Korn“ sei schon länger am Markt. Für den „Emmer Brand“ hat Böckenhoff das seltene Getreide aus Kirchhellen besorgt. „Das war eigentlich ein Lohnauftrag.“ Eine vanillige, süße Note habe dieser: „Ein klarer Frauenkorn.“ Der „Edelkorn“ sei ein klassischer Weizenkorn. „Der wird oft in Kneipen und Bars in Berlin verkauft. Viele nutzen den auch zum Mischen.“

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Böckenhoff nahm bei der Messe am Sonntag auch bei einer Talkrunde teil. Was er in Berlin wieder deutlich gemerkt hat: „Korn ist im Kommen. Die Leute wollen zum Teil keinen Wodka mehr.“ Solche Trends bräuchten immer etwas, um auch in der Fläche anzukommen, ist er überzeugt. Und dass viele „Trends“ sich auch manchmal im Kreis drehten. Er hat beispielsweise einen grünen Pfefferminzlikör neu aufgelegt. „Dafür habe ich die Etiketten als Vorlage genommen, die hier vor 75 genutzt wurden.“

Bereits vor 75 Jahren gab es einen Pfefferminz-Likör der Brennerei Böckenhoff. Dirk Böckenhoff hat nun einen neuen aufgelegt und sich beim Etikett an die alte Vorlage gehalten.

Bereits vor 75 Jahren gab es einen Pfefferminz-Likör der Brennerei Böckenhoff. Dirk Böckenhoff hat nun einen neuen aufgelegt und sich beim Etikett an die alte Vorlage gehalten. © Berthold Fehmer

Wie der Dorfkern in Erle steht auch die Kornbrennerei vor Veränderungen. Böckenhoff hat Förderanträge eingereicht, will die Fassade erneuern, die Klinkerbausteine zur Kirche gegen Sichtglas tauschen. So soll der Blick vom Kirchplatz in die Brennerei ermöglicht werden. „Vielleicht kann man das schön anleuchten.“

Dass die Amerikanischen Säuleneichen rund um die Kirche nach politischer Diskussion nun gefallen sind, findet Böckenhoff gut: „Wie hell das hier geworden ist.“ Von anderen Anwohnern habe er das selbe gehört.

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„Fahrrad-Hotel“

Böckenhoff plant zudem, einen Teil des Gebäudes zu einem „Fahrrad-Hotel“, einer Pension, umzubauen. „An der Fassade muss ein bisschen was gemacht werden“, sagt er. Der Efeu müsse weg, Klinker und Fugen benötigten eine Sanierung. Acht bis neun kleine Zimmer will Böckenhoff einrichten, in denen Radtouristen Zwischenstation einlegen könnten. Gastronomie will Böckenhoff nicht betreiben, beim Thema Frühstück wolle er mit der Gaststätte Brömmel-Wilms kooperieren.

Bis es so weit ist, steht aber noch Arbeit an. Die Grundsubstanz des Gebäudes, das 1832 gebaut wurde, sei gut. Aber man müsse die Räumlichkeiten auf einen aktuellen Standard bringen. Heizung und Elektrik müssten erneuert werden, aber die erhaltenswerten Teile der Inneneinrichtung will Böckenhoff erhalten.

45 Finnen in der Brennerei

Einen positiven Impuls fürs Dorf erhofft sich Böckenhoff von der geplanten Festscheune mit integriertem Café und Gasthof, die gegenüber geplant ist. Dies könne auch zu mehr Besuchern im Ort führen, die auch Führungen in der Brennerei erleben können. „Neulich hatte ich 45 Finnen hier“, sagt er. Für englischsprachiges Publikum hat er schon englische Flyer drucken lassen.

Die wird er auch am 23. März brauchen. Denn dann fliegt Dirk Böckenhoff zu einer Messe in Singapur. An der „Café Asia“ beteiligen sich zehn kleine Firmen aus NRW, auch die Erler Brennerei. Er wolle die Gelegenheit nutzen, um Kontakte zu knüpfen, sagt aber auch: „Das wird sicher nicht unser Hauptmarkt werden.“

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