Gasthof im Ortskern soll abgerissen werden

Aelkes Hof

Die markante Fassade des Aelkes Hof (Niewerther Hof) in Raesfeld soll nicht auf Steuerzahlerkosten gerettet werden. Doch der Rat schlägt vor, dass ein neues Gebäude ähnlich aussehen soll.

Raesfeld

, 10.07.2019, 12:48 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gasthof im Ortskern soll abgerissen werden

Die Pläne, wie es im ehemaligen Niewerther Hof in Raesfeld weitergehen soll, wurden am Mittwochnachmittag dem Rat vorgestellt. © Berthold Fehmer

Günter Kohlruss, der nach Auftrag der Gemeinde die Fassade und bauliche Substanz des Aelkes Hofs untersucht hatte, wiederholte im Rat am Dienstag seine Einschätzung, dass die Kosten und Risiken für einen Erhalt der Fassade zu hoch seien.

Arno Berning (CDU) fragte nach, ob der Aelkes Hof in den 1960er-Jahren baurechtswidrig unterkellert worden sei. „Es liegen keine Unterlagen vor“, antwortete Kohlruss. Ähnliche Fälle gebe es auch bei anderen Gebäuden, sagte Bürgermeister Andreas Grotendorst: „Das ist keine Berechtigung dafür, zu sagen, man reißt das gesamte Gebäude ab.“

Engagement der Bürgerinitiative gewürdigt

Bernhard Bölker (CDU) würdigte das Engagement der Bürgerinitiative „Rettet Aelkes“, die 1000 Unterschriften für den Erhalt des ehemaligen Gasthofs gesammelt hatte. Dennoch könne seine Fraktion nicht für den Erhalt der Fassade für rund 500.000 Euro stimmen, wenn es keine Garantie gebe, dass die Fassade während der Baumaßnahme nicht doch zusammenbreche.

Die Kirchengemeinde St. Martin will an der Stelle neben ihrer Kirche ein neues Pfarrheim bauen und strebt einen Architekten-Wettbewerb an. Bölker wünschte, dass die politische Gemeinde bei der Vorbereitung und Bewertung des Wettbewerbs mit im Boot sein und das neue Gebäude dem alten gleichen solle. Trotzdem gelte für ihn, so Bölker, dass es nicht darum gehe, „tote Steine zu erhalten. Zwischen den Mauern muss Leben herrschen“.

Alte Steine sammeln und wiederverwenden

Wolfgang Warschewski (UWG) schlug vor, die unbeschädigten Steine des Aelkes Hofs beim Abriss zu sammeln und damit die Ostseite zu verklinkern, „dass der heutige Charakter des Hauses gewahrt bleibt“. Die zusätzlichen Kosten, bis zu 50.000 Euro, solle die politische Gemeinde übernehmen. Klaus Rybarczyk (SPD) sprach sich auch dafür, mit alten Steinen oder neuen mit ähnlichem Aussehen die Erinnerung an das „alte Raesfeld“ aufrecht zu erhalten.

Experte Günter Kohlruss sagte auf Nachfrage: „Ich würde die Steine erhalten, wenn es mein Gebäude wäre.“ Einstimmig wurde am Ende beschlossen, dass ein Nachbau der historischen Fassade in den Architekten-Wettbewerb einbezogen werden solle.

„Thema wird uns weiter begleiten“

„Das Thema wird uns weiter begleiten“, sagte Grotendorst. Nach den Sommerferien soll etwa die Frage der von der Kirchengemeinde vorgeschlagenen öffentlichen Nutzung diskutiert werden. Auf Nachfrage Warschewskis sagte Grotendorst, eine Nutzungsverordnung und eine Kooperationsvereinbarung solle dann erarbeitet und beschlossen werden.

Die Bürgerinitiative sieht im Ratsbeschluss eine Chance, „an dieser besonderen Stelle im Kirchenring altes und neues Raesfeld, politische Gemeinde und Kirchengemeinde zu verbinden, das Ortsbild zu erhalten und den dörflichen Charakter der Gemeinde zu wahren.“ Laut Mitteilung sei man nun gespannt auf die weiteren Schritte der Kirchen- und der politischen Gemeinde in Bezug auf den Architektenwettbewerb.

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