Heimatverein arbeitet die Geschichte der Raesfelder Juden auf

Vortrag im Museum

Die Geschichte der Raesfelder Juden reicht Jahrhunderte zurück und beschäftigt auch heute noch den Heimatverein Raesfeld. Vor 150 Jahren wurde die Raesfelder Synagoge eingeweiht – vor 75 Jahren brannte sie aus. Passend zu diesem Tag lud der Heimatverein zu einem Vortrag zum Thema „Spurensuche in Riga – die Deportation der letzten Raesfelder Bürger jüdischen Glaubens vor 71 Jahren“ ins Museum am Schloss ein.

RAESFELD

von Von Petra Bosse

, 16.10.2013, 16:47 Uhr / Lesedauer: 2 min
Jürgen Pohl von der VHS Recklinghausen, Georg Möllers vom Heimatverein Recklinghausen sowie Richard Sühling, Vorsitzender des Heimatvereins Raesfeld (v.l.n.r.) brachten den Zuhörern die entsetzliche Geschichte aus der Heimat näher.

Jürgen Pohl von der VHS Recklinghausen, Georg Möllers vom Heimatverein Recklinghausen sowie Richard Sühling, Vorsitzender des Heimatvereins Raesfeld (v.l.n.r.) brachten den Zuhörern die entsetzliche Geschichte aus der Heimat näher.

„Es war mir wichtig, für die Recklinghäuser die damaligen Verhältnisse aufzuarbeiten“, so Jürgen Pohl. „Als Pädagoge ist es für mich oberstes Ziel, hier Aufklärung zu leisten und das Geschehene erfahrbar zu machen, besonders bei Jugendlichen“, erklärte er sein Interesse an die Geschehnisse der Deportationen nach Riga. „Es ist ein großer Unterschied, ob ich über sechs Millionen ermordete Juden oder über das Schicksal konkreter Familien mit den Jugendlichen spreche. Menschen, die in unserer Straße lebten, die in die gleiche Schule gingen oder, ob die Geschäfte von damals auch heute noch in irgendeiner Form existieren. Das macht die Schicksale für Jugendliche begreifbarer“, setzte Jürgen Pohl hinzu. Ein kräftezerrender Aufwand sei es für die Referenten gewesen, die schrecklichen Geschehnisse des Holocaust zusammenzufassen. Entsetzte Gesichtern bei den Besuchern an diesem Abend. „Es ist schrecklich, was geschehen ist, aber sie wissen gar nicht, was wir hier nicht alles erzählen“, fügte Pohl hinzu. Er führte die Besucher an diesem Abend durch eine Reise in die dunkelste Vergangenheit der deutschen Geschichte.

Ein Film über die Gemeinde Raesfeld und die Enthüllung des Gedenksteines an der St.-Martin-Kirche zeigte deutlich, dass auch in Raesfeld diese schrecklichen Geschehnisse nicht Halt machten: Am 24. Januar 1942 brachte der Ortspolizist auftragsgemäß die Familie von Abraham Rosenbaum mit einem Lastwagen, den die Firma Becker stellen musste, zum Borkener Sammelplatz. Sie kamen dann ins Vernichtungslager Riga. Die letzten acht Raesfelder Juden lebten zusammengedrängt im sogenannten „Judenhaus“ an der Weseler Straße und mussten am 27. Juli 1942 ihre Heimat verlassen – und dabei all ihr Hab und Gut zurücklassen. Sie sind wohl im Konzentrationslager in Theresienstadt ums Leben gekommen. Mit ihrem Tod ging die Geschichte der Juden nach 367 Jahren auch in Raesfeld zu Ende.  

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