Rot umrandet ist die Fläche an der Stockbreede, auf der Baurecht für eine neue Kindertagesstätte geschaffen werden soll. © Gemeinde Raesfeld
Kindergarten

Hoher Bedarf nach neuer Kita – Träger dafür ist bereits gefunden

Nach massiver Kritik der Politik an der Kindergartenbedarfsplanung haben Vertreter des Jugendamts den „plötzlichen“ Bedarf für eine neue Kita erklärt. Ein Träger dafür ist bereits gefunden.

Zu einer erneuten „Hauruck-Entscheidung“ fühlten sich viele Ratsmitglieder vor Weihnachten genötigt, als das Kreisjugendamt den Bedarf für eine neue Kita anmeldete. Im Schulausschuss schilderte Markus Grotendorst vom Kreisjugendamt, dass die Kindergartenbedarfsplanung im Kreis Borken seit Jahren einer hohen Dynamik unterliegt: „Eine Herkules-Aufgabe.“

2016 seien im Kreis noch 92 Kitas gewesen. „Die Zahl war lange konstant“, so Grotendorst. Jetzt sei man bei 106 und „wir haben schon die nächsten drei ausgeschrieben“.

Am Beispiel Raesfelds machte Grotendorst deutlich, welche Faktoren bei der hohen Dynamik zum Tragen kommen. So habe die Gemeinde beispielsweise 2020 die „höchste Geburtenzahl der letzten 20 Jahre“ gehabt. Es gebe eine überdurchschnittlich hohe Nachfrage nach 45-Stunden-Betreuung und auch bei der Wohnbauentwicklung sei jeweils nur schwer vorher zu sehen, wie ein neues Baugebiet genau auf die Zahlen bei der Kinderbetreuung einwirke.

Hohe Nachfrage nach U3-Betreuung

Ein weiterer Punkt sei die hohe Nachfrage nach U3-Betreuung – in Raesfeld entscheiden sich mehr als die Hälfte aller Eltern dafür. „Die Betreuungsspanne wird immer weiter ausgedehnt“, so Grotendorst. Vier bis fünf Jahre seien Kinder oft in der Kita oder Kindertagespflege. Mehr U3-Kinder bedeuteten einen höheren Raumbedarf (Schlaf- und Wickelplätze), kleinere Gruppengrößen und intensiveren Betreuungsbedarf.

Es gebe langjährige Prognosen für den Betreuungsbedarf, aber: „Eine Prognose kann nie eine Punktlandung sein“, so Grotendorst. Aufgrund der hohen Dynamik im Kreis Borken habe das Kreisjugendamt schon von einer jährlichen auf eine halbjährliche Planung umgestellt. „Mir ist kein Jugendamt bekannt, das eine halbjährliche Betreuungsplanung macht“, so Grotendorst.

Auf Nachfrage nannte Grotendorst Gründe dafür, dass beispielsweise Frauen in Raesfeld im Schnitt mehr als zwei Kinder bekommen – mehr als im Bundesdurchschnitt: „Ein Grund ist die weitgehende Vollbeschäftigung. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Und die Familienfreundlichkeit im Leitbild des Kreises und der Kommunen.“

Fachkräftemangel in Kitas

In einem Punkt versucht der Kreis allerdings, dem immer höheren Bedarf entgegenzuwirken. Viele Eltern entschieden sich für die 45-Stunden-Betreuung, wenn die beitragsfreien zwei Jahre anstünden oder die Kinder durch eine Geschwisterkind-Regelung von Beiträgen befreit seien. Das sei verständlich, so Grotendorst, der aber auf die personelle Situation in Kindergärten hinwies: „Wir können uns das vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels nicht mehr erlauben.“ Mit Erklärungsbögen zum tatsächlichen Bedarf und Arbeitgeberbescheinigungen versuche man einzugreifen.

Die in diesem Jahr erfolgte Überbelegung von Raesfelder Kindergartengruppen sei kein Dauerzustand, so Grotendorst, der die Neuerrichtung einer Vier-Gruppen-Einrichtung empfahl, „auch wenn die im ersten Jahr nur mit drei Gruppen belegt sein wird“.

Kreissportbund als Träger

An der Stockbreede soll diese neue Kita gebaut werden. Auf ein Bewerbungsverfahren habe sich, wohl auch wegen des Zeitdrucks und Fachkräftemangels, nur ein Träger gemeldet, so Grotendorst: „Der Kreissportbund Borken.“ Dieser betreibt seit einigen Jahren bereits die „Villa Kunterbund“ in Raesfeld, die erst kürzlich auf vier Gruppen erweitert wurde. Der KSB habe, so Grotendorst, „eine Lösung zur Finanzierung mit Investorenrolle“ vorgeschlagen. Einstimmig wurde der KSB als Träger vom Ausschuss beschlossen.

Auf Nachfrage aus der Politik, ob es Möglichkeiten gebe, künftig den Zeitdruck aus der Planung zu nehmen, sagte Grotendorst: „Wir haben kein Interesse, Druck aufzubauen. Der Druck kommt aus den Zahlen.“ Man wolle schließlich auch eine Planungssicherheit herstellen, dass eine neue Einrichtung auch 20 Jahre gut genutzt werde.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
Zur Autorenseite
Berthold Fehmer

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt